Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 46 III jssJ Saar⸗Sänger⸗Bund i ExlIPPP Nr. 3
Für die ordnungsgemäße Abwicklung des Fest- Italien“, schmückt als prachtvolles, farbenreiches Bild
zuges sind umfangreiche Vorbereitungen getroffen. die Umschlagseite des neuesten Heftes der Fest—
Die Sänger nehmen an verschiedenen Plätzen der Stadt »lätter, die bereits bei Nr. „b“ angelangt sind.
Aufstellung und vereinen sich dann zu einem geschlos- Nachdem nun der Sängertag in Mainz endgültig die
senen Zuge, der zum Festplatz führt. Festzugsbeginn Abhaltung des Festes beschlossen hat, werden die
Sonntagnachmittag 14 Uhr. rächsten Hefte in rascher Folge erscheinen, um die Teil—
Das „Festkleid“ ist wie in Wien der „blaue An— nehmer mit Wort und Bild auf die Tage des Juli vor—
zug“ und die „Sängermütze“, dazu selbstverständlich das ubereiten. Die hervorragende drucktechnische Ausstat⸗
Abzeichen des DSB. Diese Festkleidung hat sich seit ung, die zahlreichen Illustrationen geben den Fest—
1987 jo durchgesetzt, daß sie eigentlich auch für Frank— lättern ein wirklich „festliches“ Gepräge. Es ist mit
furt a. M. außer Frage steht. Trotzdem hat der Haupt- kücksicht auf die Bedeutung der Festblätter dringend zu
ausschuß in Frankfurt ausdrücklich beschlossen, daß seine Lünschen, daß sich möglichst alle Festteilnehmer ein
Mitglieder in dieser Festkleidung an den offiziellen Eremplar dieser Blätter, die alle Nachrichten über das
Veranstaltungen teilnehmen werden. Dieser Beschluß vest aus erster Hand erhalten, bestellen. Wir konnten
verfolgt aber, was ausdrücklich betont sei, keineswegs on des öfteren darauf hinweisen, daß die Festblätter
den Zweck, die Sänger zur Anschaffung eines blauen luch über ihre aktuelle Bedeutung hinaus manches ent—
Anzugs zu zwingen, sondern er will betonen, daß Frack, halten, was als wissenschaftliche Forschung oder als
Smoking und ähnliche unzeitgemäße Ungetüme im Fest- vchstehendes Feuilleton angesprochen werden darf. Im
zug keinen Platz haben. Damit kommt als selbstver- voetheheft, in dem gleichzeitig seines Freundes Zelter
ständlich auch der Zylinder, der hohe Hut, in Fortfall. jedacht ist, finden wir zunächst einige Aeußerungen
Im Wiener Festzug, an dem 120000 Sänger teil— zelters über den Tod Goethes. Zelter ist dem Dichter
nahmen, zählte man 13 Zylinder, wenn wir uns recht eekanntlich nach wenigen Wochen gefolgt. Bei der Bei—
erinnern. In Frankfurt wird man hoffentlich vergebens etzung Goethes in der Fürstengruft zu Weimar wurde
nach einem einzigen suchen, selbst bei den „Hütern ine Komposition Zelters auf den Goethetert „Laß
stvrengster Observanz“. Dagegen sollten alle Sänger im ahren dahin das Allzuflüchtige“ gesungen. Den ein—
Besitz des Abzeichens sein, das sie als Angehörige ihres achen Chorsatz zeigt eine notengetreue Wiedergabe des
großen Bundes kenntlich macht. Werkes, das damals unter Leitung von Karl Eberwein
zgesungen wurde. Wohl alle Teilnehmer des Frank—
der Vorsitzende des Festausschusses, Dr. Hermann, urter Festes werden das „Goethe-Haus“ besuchen, die
machte davon Mittetlung daß sich in den letzten Tagen bveburtsstätte des Dichters, den Wirkungskreis der
die Zahl der festgemeldeten Teilnehmer wieder um rau Rut Goethe; pᷣrof 3. Beutler, Frantfurt a 9
1500 erhöht hat. Sie beträgt jetzt über 28 000. Der hacht mit dem Leser Ancn R 68 8—
— — —*z gang durch das alte
Festausschuß hat berechtigte Hoffnung, daß die An— Patrizierhaus, in dem so manche kostbare Erinnerun
meldungen 30000 weit übersteigen werden. Die Dichter aufbewahrt ift. Mit der Aussicht —
Teilnehmer werden binnen weniger Stunden in Sonder— r heute nicht mehr weit her —— Ftun
zügen zur Feststadt befördert werden. Die eintreffenden z8 38 . 2 Goeche: D X it F
Vereine werden am Bahnhof begrüßt und von dort e— ahrhei n ve be J iein 3 F
durch ortskundige Führer in ihre Quartiere geleitet. dauses hatte, besonders nus ꝛe mren tockwerk.
Bisher sind über 20 Sonderzüge aus allen Teilen des ine sehr angenehme Aussicht Aber, ane einahe 3
Rteiches aufgestellt. absehbare Fläche von Nachbargärten, die sich bis an
3: — »ie Stadtmauer verbreiteten“. Davon ist heute nichts
Der Hauptausschuß nahm in seiner Sitzung mit dem nehr zu verspuren, rings herum versperren Häuser den
Festausschuß die Berichte der Vorsitzenden der Unter— hlick des Auges, unnd wir müffen schon die Phantafie
ausschüsse entgegen und gewann aus den ausführlichen u Hilfe nehmen, um uns in die damalige Zeit zurüd
Darlegungen den Eindrud, daß die Vorbereitung des iversetzen. Ueber Goethes Suleika“, Marianne von
Festes in besten Händen ist. Es kann heute schon ohne Villemer, schreibt Fritz Buhl, während Emil Echzell
besonderen Optimismus gesagt werden, daß das 11. ine Untersuchung über Goethes Menschheitsoden im
Deutsche Sängerbundesfest trotz der Nöte der Zeit wür- Iusdrucksmittel horischen Singens“ anstellt. In das
dig verlaufen wird. Wie hier die Tatsache der Veran⸗ dapitel Goethe und die Musik schlägt der Aufsatz von
staltung schon den unbeugsamen Willen zur Erhaltung ßgrof. W. Dost, Plauen i. V. in dem die Einstellung
anserer Kulturgüter zeigt, so wird auch seine Durche Foethes zu dem Wiener Meister nachgewiesen wird.
führung den Beweis erbringen, daß es vorwärts geht Or. R. Werner schreibt über „Goethe und das deutsche
mit dem DSB. daß er unaufhaltsam bestrebt ist, in Bolkslied“, über das er sehr viel Aufschlußreiches zu
seinen Reihen die gesteckten Ziele zu erreichen. sagen weiß. Kürzere Abhandlungen über Goethe in
Bingen und Mainz zeigen, daß auch die Lokalforschung
sich intensiv mit dem Dichter beschäftigt.
Dr. Ewens.

Das bekannte Gemälde „Goethe in der Campagna
bei Rom“ von Tischbein, kurz genannt „Goethe in

Seit 230 Jahr
gibts Bruch-Brãu an der Saar
            
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