Wolfgang Amadern«
usnn Seite 33
anoDzart.
WMeohane Amadeus Mozart ist, wie Bach, der Sohn
eines Musikers, des salzburgisch-fürstbischöflichen
Konzertmeisters Leopold Mozart. Er ist im Jahre 1756
in Salzburg geboren und, noch nicht 36 Jahre alt, in Wien
gestorben. Sein kurzes Leben war der äußere Rahmen einer
üngeheuren Produktivität — mehr als 600 Werke hat er
in diesem allzu kurz bemessenen Leben vollendet, oft unter
großen äußeren und inneren Schwierigkeiten. Er, der zuerst
als vielbestauntes Wunderkind von 6 Jahren in den Haupt—
tädten von ganz Europa gefeiert worden war — bis zu
seinem 16. Lebensjahr allein übersteigt die Zahl seiner
Werke schon 150 —, er hat als gereifter Meister nicht die
Anerkennung gefunden, die ihm einen ausreichenden Lebens—
unterhalt gesichert hätte. Wohl wurde er, nachdem er, als
erster in der Musikgeschichte jeden äußeren Zwang ableh—
nend, aus dem erzbischöflichen Dienst geschieden war und
sich in Wien als freier Künstler niedergelassen hatte, nach
Ein nur chorisch bestrittenes Mozart-Konzert würde
in ganz schiefes Bild des Großmeisters entwerfen. Mozarts
ünstlerischer Schwerpunkt liegt in seinen großen Opern
Idomeneo, Entführung, Figaros Hochzeit, Don Juan, Cosi
an tutte, Zauberflöte) in seiner Orchestermusik, und Kammer—
nusik (41 Sinfonien und viele Gesellschaftsmusik als Sere—
taden, Kassationen, Quartette, Quintelle usw.) und in
einer Kirchenmusik. (Viele Messen, Litaneien, Vespern.
skequien usw.)
Immerhin wäre es möglich, einen Mozart-Abend zu ver—
instalten, der von einigen geistlichen Chören eingeleitet
poäre, dann entweder ein größeres Instrumentalwerk oder
inige Arien für Sopran oder Tenor mit Klavier (oder
Irchesterbegleitungj“ bringen würde und mit ein paar
eiteren Chören oder Gesellschaftskanons ausklänge. Einige
Gorschläge mögen folgen, doch sei im voraus betont, daß
ein Männerchor ohne Zuziehung von Instrumentalmusik
»der Opernmusik einen Mozart-Abend nie zu Recht
»eranstalten dürfte, wenn er nicht die künstlerischen Ab—
ichten des Meisters gröblich verkennen wollte.
Programme.
l.Männerchor, Instrumentalmusik mit oder
ohne Klavier oder Solo-Sopranm. Klavier.
a) Dir Seele des Weltalls (mit Klavier) 3stimmig.
Pp) O Isis und Osiris (mit Klavier) stimmig.
cAve Maria (anon).
Nachtigallenkanon.
Kyrie für 5 Tenöre (nur bei guten Tenören!).
1 Streichquartett oder Klavierquartett oder Arien
für Sopran mit Klavierbegleitung: etwa 2 Arien aus
Figaro und Don Juan und 1 aus der Zauberflöte
Freunde, lasset uns beim Zechen (Kanon).
Bona nox (Kanon).
Hei, wenn die Gläser klingen.
. .m ... i ... A... oder Laßt froh uns sein (Kanon).
„Brüder, reicht die Hand zum Bunde!
II. Gemischter Chor mit einem Sopran-Solo
und Klavier.
Adoramus te Sopran⸗GSolo.
Misericordias Domini FExultate.
kegina coeli Miasperanp, Vorrei
Aye verum spiegarvi oder Arien
Alma dei creatoris aus Figaro, Don Juan
oder Zauberflöte. Das
Veilchen. F
2 Freimaurerlieder
mit Sopran⸗Solo.
3 Kanons: Gehn wir
im Prater,
Ditficile lectu,
Laßt froh uns sein,
Nichts labt mich mehr,
Wer nicht liebt.
lII. Gemischter Chor, Streichquartett oder
HQuintett, oder Violine mit Klavier oder
2Klaviere.
1 kirchliche Chöre (siehe Programm II).
Instrumentälwerk (Violinkonzert oder -Sonate, oder
Streichquartett, wenn 2 Klaviere, dann ein Klavier—
konzert).
deutsche Lieder für Sopran mit Klavierbegleitung:
An Chloe, Lied der Trennung, Die Alte, Das Veilchen.
3 Kanons für Chor (siehe auch Programm 11). Wenn gute
Tenöre, dann das Kyrie für 5 Tenöre (K. V. 341).
V. Gemischter Chor mit Solo-Sopran und
kleinem Orchester
Dixit et Magnificat.
ve verum.
3enedicamus Domino.
Haffner-Serenade oder Serenade K. V. 320
oder eine kleine Sinfonie.
2 Arien mit Orchester. (Siehe auch Programm II.)
2 Kanons für Chor. (Siehe auch Programm II.)
Eine kleine Nachtmusik für Streichorchester.
L. Gemischter Chor, 4 Solisten und Orchester
(für Gedenktage).
L. Maurerische Trauermusik.
2. Requiem.
IJ. Gemischter Chor, 4 S0listen und Orchester
l. Kirchensonate für kl. Orchester und Orgel (K. V. 329.
2. Messe in C-Moll (K. V. 427).
Ausschuß für Chorliteratur
Wolfgang Amadeus Mozart.
Blucks Tode Hof-Kammerkomponist — aber mit unzureichen—
dem Gehalt (800 Gulden) und mit völliger Verkennung
seiner unvergleichlichen Fähigkeiten. Doch wäre es ein
großer Irrtum, wollte man annehmen, daß dem an demü—
kigenden Erniedrigungen reichen Lebensende des Meisters
auch ein Abflauen seiner Produktion entspräche, ganz im
Begenteil! Je schwächer die materiellen Stützen seines
dürgerlichen Lebens wurden, um so universeller und groß—
artiger wird — quantitativ und qualitativ seine künstle—
rische Leistung. So ist er, halb vor Hunger, halb infolge
seiner wahnwitzigen Ueberarbeitung am 5. Dezember 1791
derschieden — ein Licht, das sich selbst verbrannt hatte —
und in einem noch heute unbekannten Massengrab be—
stattet worden.
Seine Musik ist, bei aller Betonung ihres deutschen
Charakters — er selbst hat darauf großen Wert gelegt —,
veltbürgerlich, wie überhaupt die Kunst jener Aufklärungs—
zeit. Sie begründet zusammen mit der Haydns die soge—
naannte Wiener klassische Schule.
Es. wäre vollkommen verfehlt, in Mozart den ewig—
heiteren oder mühelos-schaffenden Götterliebling zu sehen
— nur der mit seinem Schaffen nicht Vertraute wird in
diesen Irrtum verfallen; es wäre ebenso verfehlt, in
Mozart etwa eine Art Vorläufer von Beethoven zu er—
blicken. In Wahrheit ist er der dämonische, revolutionäre,
zumeist melancholisch-ironische und vollkommen unpathetische
lim Gegensatz zu Beethoven) Zeitgenosse der französischen
Reposufion