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IlII Saar⸗Sänger-Bund ch
ur unser umkämpftes Grenzland, für unser ganzes Volk,
ind deshalb darf sie Anerkennung und Unterstützung er—
varten von allen Verantwortlichen, von allem Geistigem,
ie in unverständlicher Gleichgültigkeit und Denkträgheit
atenlos noch abseits stehen. Erst wenn wir Sänger so
insere Aufgabe erfassen und im Ernst der Verantwortung
rfüllen, werden wir würdig, das Andenken des großen
eutschen Geistes zu begehen, der als Mann und Künstler,
erade weil er fest im eigenen Volke wurzelte und stand,
ich zum Menschheitsgeisse erhöhte und ausweitete, das
Undenken Goethes. In den Unterhaltungen deutscher Aus—
ewanderten läßt er einmal einen alten, weisen Mann
agen: „drei sind, die da herrschen auf Erden: die Weis—
‚eit, der Schein und die Gewalt“, und ein Jüngling er—
vidert darauf: „du hast die vierte Kraft vergessen, die
ioch früher, allgemeiner, gewisser die Welt beherrscht: die
draft der Liebe“ Lächelnd der Greis: „die Liebe herrscht
licht, aber sie bildet, und das ist mehr.“ — Auch der Sinn
ind die Aufgabe der von uns geübten Volkskunst des
Zingens im Chore, in der Gemeinschaft und für die Ge—
neinschaft ist nicht anders zu fassen und zu lösen als in
ser Liebe. die bildet und bindet, die ihr einigendes Band
ndlich wieder um deutsches Volk und Land schlingen möge,
»ie auch im anders Denkenden und Strebenden den deut—
chen Stammesbruder sehen und achten lehrt, deren treue,
soffende Kunder und Diener wir Sänger an der Saar
ein und bleiben wollen im Sehnen nach der echten Sänger—
ind Volksbrüderschaft.
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hörenden unter natürlicher, zwanglosen Oeffnung aller
Schranken wieder aufnahmefähig macht für das Geistige,
der die Deutschen durch seine Seele und Geist gestaltende
Wirkung befreien, erheben und menschlich wieder einigen kann.
So ist des Sängers Beruf und verantwortliche Aufgabe,
sich selbst und durch sich selbst seine Brüder und seine
Schwestern aus dem Ungeiste der Gegenwart wieder herauf—
zuführen zum Sinn und zum Geiste des großen Menschen—
und Volksgedankens. — Der deutsche Sänger soll die Irr—
lichter des Eigennutzes, des Rekordes und des Zweckdenkens,
der Lauheit. der Wankelmütigkeit und Feigheit der zahl—
sosen menschlichen Wetterfahnen unserer Tage auslöschen
helfen. Der Sänger darf und soll nicht verknöchern und
berblöden im Mechanismus unzähliger Gruppen und Grüpp—
hen unzähliger Gebiete, in der fortschrittfeindlichen Selbst—
jenügsamkeit des Spießbürgers. Dem Sänger dars und
soll die Sprache der großen deutschen Geister nicht werden
zum Ausdrucksmittel engen, anmaßlichen, unsauberen Den—
kens, in hohler Phrase und gehässigem Geschrei ebenso—
wenig wie im schwächlichen Geschwätz der Schöngeisterei
und Entartung. Wir Sänger sollen und wollen vielmehr
im Chorsingen, in der unermüdlichen und freudigen künst—
erischen Gemeinschaftsarbeit von innen heraus über alles
rennende Unwesentliche hinweg die große nationale und
allgemein menschliche Grundlage endlich wieder fühlen und
erobern und auf ihr auch alle unsere Hörer zu einer
lebendigen und starken Ideengemeinde binden und einigen.
Darin liegt das Befriedigende und das Bedeutende, ja
das Große unserer Arbeit gerade für diese Zeit der Not,
Hans Vongard.
NBNenuee Chorlhiteratur.
FImy Reihe bemerkenswerter Neuerscheinungen stellt sich
Jhiermit vor. Auffallend mehren sich die Arbeiten für
Frauen- und Gemischten Chor. Darf man es als gutes
Zeichen werten? Wenn die Nachfrage dem Angebot ent—
Pricht, ja. Und doch stehen gerade diese Werke — mit
Ausnahmen — hinter der fortschrittlichen oder persönlichen
hdaltung mancher Männerchorwerke von Gatter, Graener,
Geilsdorf, Lendvai, Wunsch zurück. Hängt es damit zu—
sammen, daß unsere größeren gemischten Chöre in Ver—
achtung des unbegleiteten Chorgesangs immer noch nicht
yon dem Ehrgeiz lassen können, große Oratorien aufzu—
ühren? Jedenfalls: Chormaterial ist für die neuerstan—
denen und noch erstehenden Frauen- und Gemischten Chöre
in genügender Zahl vorhanden. Auch der Schwierigkeits—
grad wird kein Hemmnis sein.
Mannerchöre.
Die neue, hier zur Besprechung stehende Männerchor—
literatur zeigt durchaus kein einheitliches Gesicht. Neben
Volksliedbearbeitungen stehen schwierige Kunstchöre, neben
A-cappella-Chören solistisch und instrumental begleitete
Chorwerke, neben polyphonen Sützen schlichte, oft allerdings
auch schlechte homophone; neben Wertvollem überholte Kon—
zunkturmache. Goethelieder nehmen den zeitentsprechenden
Rang ein. Die dreistimmige Volksliedbearbeitung scheint
sich allmählich durchzusetzen. Ich nenne von diesen in erster
dinie die von Paul Geilsdorf: „Der höfliche Jäger“
Melodie im 2. Tenor), ein frischer, an W. Reins „Es ritt
ein Jäger“ erinnernder Satz, der sich gegen Schluß zur
Vierstimmigkeit verdichtet, „Schäferleben“ und „Es flog
ein kleines Waldvöglein“, flüssig und geschmeidig dahin—
zgeworfen, auch mit Begleitung von 2 Hörnern und Fagott
ad lib., beides Stücke, die man Vereinen mit betonter Anti—
bathie gegen Polyphonie zwecks Belehrung als ersten Ver—
such in dieser Richtung empfehlen kann. Das Türmerlied
von Geilsdorf Gedicht von Goethe) steht auf dem Pro—
gramm des Frankfurter Sängerfestes. Es ist ein guter
Wurf, der mit einfachen Mitteln die beste Wirkung erzielt.
Warum Wiedemann das bekannte Minnelied von Adam
de la Hale nochmals bearbeitet hat, ist nicht recht ein—
zusehen. Auch die „Abendglocken“ (bekannter mit dem
Weihnachtstext „Süßer die Glocken nie klingen“ hätte ich
mir nicht zur Bearbeitung ausgesucht. Das Weihnachtslied
„Schlaf wohl, du Himmelsknabe du“ im schlichtesten Satz
oon Geilsdorf wird als Bereicherung der spärlichen Weih—
nachtsliterafur wilsfommen soin
Die 4 Gesänge von Paul Graener, dem schätzens—
oerten Meister, dem in diesem Jahre just zu seinem 60.
Beburtstage der Riesenerfolg seiner Oper „Friedemann
zach“ zuteil wurde, gehören mit zum Besten. Eigenartiges
dolorit, seltsame und aparte Klänge geben ihnen allen ein
iefsinniges, verinnerlichtes Gepräge von herber Keusch—
seit. Avalun ist in seiner altertümelnden Stilisierung be—
ners eindringlich und neben „Im Walde“ ein Kabinett—
tück.
Die Volksliedbearbeitungen von Hans Heinrichs sind
steudrucke älterer, im Kunstwart veröffentlichter Sätze und
zereits von dem Komponisten selbst in seinen dreistimmigen
Bearbeitungen mit obligatem Horn (Es blies ein Jäger
vohl in sein Horn, usw.) überholt worden. „Die harte
zeit“ vvon Franz Neuhofer gehört noch ganz der alten
lusdruckskünst an, wird aber seine Wirkung nicht verfehlen.
Ldob der Erde“ ist dagegen etwas weichlich und bedenklich.
Von den Goetheliedern K. M. Pembaurs halte ich
Die Spröde“ für das beste. „Wanderers Nachtlied“ von
J. Preuß ist das ernste Gegenstück, dem ich als liebliches
Mittelstück“ Fr. Naglers „Gefunden“ an die Seite stelle.
Wagner-Schönkirchs „Kurz ist der Mai“ ist un—
rträglich süßlich und da erfahrungsgemäß diese „neue
züßlichkeit“ große Anziehungskraft besitzt, doppelt gefähr—
ich. ‚Lumpenhochzeit“ ist dagegen der gegebene Chor für
idele Stunden.
Lendvai hat den Mut, sein op. 65 mit der verpönten
Bezeichnung „Lieder im Volkston“ zu betiteln. Er darf
s, denn er wird ja kaum in falschen Verdacht geraten.
Narkig und kernig wie aus einem Guß gibt sich „Bei
Soissons“, zierlich und humorvoll der „Tanz und die
Mädchen“, wirkungsvoll, wenn auch etwas undurchsichtig
m Satz für ein Lied im Volkston, das „Maitanzlied“.
Die stimmungsvollen und wundervollen Chöre von
Wunsch sind leistungsfähigen Chören dringend ans Herz
zu legen. Alle sind eigenwillig, ja kantig in Harmonik und
Nelodik, geben aber mit vollendeter Treffsicherheit den
Textgehalt und damit etwas von dem Geist früherer Jahr—
zunderte wieder, etwa „Schnitter Tod“, packend in seinen
Trauermarschrhythmen, (das man wie „Bei Soissons“ von
rendvai gern an Stelle der alten Grabgesänge am Volks—
rauertag einmal hören möchte), „Verloren“ (Es steht ein'
Lind in jenem Tal), das mit gehäuften Quintenvarallelen
ausdrucksstarke Wirkungen erzielt.
Rainer Winkelmann kann man weder als Kom—
nnist noch als Bearhbeiter sonderlich empfehlen Seine Vor—