Full text : 10.1932-1933 (0010)

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ijIln Saar⸗ Sänger⸗Bund

Atll Nr. 18

angelegentlich sind die schlichten Sätze des „Vaterländischen
Gebets“ und des Chors „Wir hatten es ja nie erkannt“ zu
empfehlen, was man nicht von allen Stücken aus op. 28
(als op. 51 neu gedruckt) sagen kann, bei denen es sich
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musikalische Erfassung des Textinhalts und -gehalts, also
Ausdruck in stärkster Potenz Sinn und Aufgabe bei der
musikalischen Gestaltung ist. So steht bei ihm hinter allem
Pei rermichen die meisterliche Gestaltung des Ge—
altes.
Nellius ist einer der betont deutschen unter den
neuen Chorkomponisten. Tief verwurzelt im Heimatboden
ist ihn Volk und Vaterland das höchste aller Pro—
bleme, das musikalisch immer neu zu lösen und zu gestalten
ihn wieder und wieder verlockt („Vaterland“, „Deutsch—
land“, „Ruhr“, „Totenklage“, „Von deutscher Not“. Da—
neben liegt über seinem Werk ein betont a ase,
Zug („Deutsche Messe“). Damit wird das rein Musikan—
tische seines Werks überstrahlt und geadelt von einem
starken Ethos.
Diese Hauptzüge seiner Erscheinung bringen ihn viel—
leicht in allernächste Nähe zu Hugo Kaun, dessen Werk
neuartig fortzuführen er vielleicht berufen ist. Mit Hugo
Kaun verbindet ihn sein deutsches Herz, die romantische
Auffassung der Musik als Ausdruckskunst und seine Potenz
als Harmoniker. Wahrscheinlich hat Hugo Kaun das ge—
fühlt, als er über ihn schrieb: „Endlich wieder ein
mal ein Komponist!“ Dr. Stilʒ.

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Werke von Georg Nellius.
(Alle im Verlag Karl Hochstein, Heidelberg.)
1. Für Männerchor und Orchester:
oP. 12: „Totenklage“. Oratorium für 4 Soli, Männerchor,
Knaben- oder Fauenchor, Orchester und Orgel
op. 44: „Von deutscher Not“. Volkstümliche dramatische
Kantate für 4 Soli, mehrere Männerchöre
Frauen- und Kinderchöre und gr. Orchester.
2. Für Männerchor a cappella:
op. 18: eniede „Wasserfahrt“, „Lustiger Matrosen—
ang“.
oPp. 22: „Vaterland“ (6 Chöre).
oPp. 43: „Deutsche Messe“.
op. 45: „Ruhr“ (4 Chöre).
op. 48: „Deutschland“ (10 dreistimmige Gesänge).
op. 51: Volkslieder und eigene Weisen.
3. Für gemischten Chor:
op. 5: „Heimat“, „Die Nacht“.
oPp. 16: „Liebe und Heimat“ (10 Gesänge).

um Volksliedsätze oder volkstümliche Gesänge handelt. Für
die besten davon setzte sich der Komponist in Frankfurt
selbst ein, nämlich „Mein Dorf“, „Wiegenlied“, „Spinn
Mädchen, spinn“. „Lustiger Matrosengesang“ und „Wasser
fahrt“ aus op. 18 glänzen wieder als mitreißende Chöre
Georg Nellius ist mit seinen jüngsten preisgekrönter
Werken in die allererste Reihe der neueren Chorkompo—
nisten getreten, wenn man nicht gar sagen will, daß er
als eine besonders eigenwillige und kühne Erscheinung
daraus hervorragt. Mit den Großen der neueren Chor
komponisten hat er das solide satztechnische Können gemein—
sam, den echten Chorsinn, der jede Stimme in selbständigem
Fluß hält. Diese seine Polyphonie führt ihn zu harmo—
nischen Bindungen, wie man sie in dieser Kühnheit und
Neuartigkeit kaum noch für möglich gehalten hätte (siehe
Requiem aus op. 48, Bergwerk aus op. 45 und Deutsche
Messe). All das ist aber nicht Selbstzweck, sondern Mitte
zur Textausdeutung und Textausschöpfung. In dieser Be—
ziehung ist Nellius durchaus Romantiker, dem schärfste

Der srampf um die musikalische Verliekung in den Münnergesangvereinen.
horfachleute herangezogen werden; man hofft auf diese
Weise, Literatur für kleine Vereine, an der es immer
roch mangelt, besser zur Geltung bringen zu können.
Immerhin scheint es zweifelhaft — ein Beweis dafür ist
his zur Stunde noch nicht erbracht —, ob der Prüsungs—
zusschuß in seiner bisherigen Zusammensetzung die musi—
'alische Kost für kleine Vereine „übersehen“ hat. Fest
teht, daß die bisherigen Sängerwochen tatsächlich für kleine
VBereine wenig Positives zutage gesördert haben.
Interessant ist in diesem Zusammenhange ein Versuch.
den vor wenigen Wochen der Schlesische Sängerbund ge—
nacht hat. Unter ausdrücklichem Hinweis auf den oben
erwähnten Mangel der Nürnberger Sängerwoche, rief er
rine „Schlesische Sängerwoche“ ins Leben, um auf eigene
Faust die Lücke auszufüllen. Der Erfolg war unbefriedigend
Z3o opferfreudig sich die Sänger in den Dienst der Sache
tellten, sie konnten das Problem nicht lösen. Unter den
500 Einsendungen befanden sich eine ganze Reihe guter
Kompositionen, die aber durchweg technisch sehr schwer
varen, während das „volkstümliche“ Liedgut nicht zu be—
riedigen vermochte. Es scheint also doch nicht nur am
Prüfungsausschuß zu liegen, wenn die Bemühungen für
zeue leichte Literatur scheitern. Auf der anderen Seite
kann man die Forderung nach Chorfachleuten nur
varm unterstützen.
Noch problematischer ist die uswahl der Vereine
die bei der Sängerwoche mitwirken sollen. Bisher bestrit—
ten auswärtige Vereine auf eigene Kosten ihre Mitwir—
ung. Man mache sich einmal Gedanken über den Opfer
zeist dieser Sänger! Das Auftreten in Nürnberg unter—
cheidet sich wesentlich von einer „Vereinsreise“, hei der—

Ansatzich der Sitzung des Gesamtausschusses des Deut—
A schen Sängerbundes in Goslar am 25. und 26. Februar
kritt auch der Musikausschuß unter dem Vorsitz seines
Obmanns, Staatskapellmeister Dr. VLaugs, Kassel, zu—
sammen, um zu wichtigen Fragen der Weiterentwicklung des
Bundes Stellung zu nehmen. Vor allem gilt es — neben
der Aufnahme der Gemischten und Frauenchöre, deren
Zulassung durch die neue Satzung des Bundes gesichert
ist —, über die „Nürnberger Sängerwoche“ entscheidend
zu beraten. Der Termin der nächsten Veranstaltung steht
bereits seit längerer Zeit sest: Anfang Juli 1934, also
im nächsten Jahre, wird Nürnberg wieder im Mittelpunkt
des Interesses stehen, wird Zielort sein aller Kompo—
nisten, Verleger und Sängerführer, die Einfluß auf die
Entwicklung der Dinge haben. Bereits Ende vorigen Jahres
hat der Deutsche Sängerbund sich in einem Aufruf an die
deutschen Komponisten gewendet mit dem Ersuchen, ihre
Werke an den Prüfungsausschuß, d. h. an die Verwaltung
des Deutschen Sängermuseums, Nürnberg, Katharinenbau,
einzusenden. Damit ist die Veranstaltung gesichert. Trotzdem
sind in Goslar einige Fragen grundsätzlicher Bedeutung
zu klären.
Zunächst gilt es, die Zusammensetzung des Prü—
fungsausschusses festzulegen. Bisher war es so, daß
der Deutsche Sängerbund mit dem Allgemeinen Deutschen
Musikverein zusammenarbeitete und dieser aus seinen
Reihen mehrere Prüfer stellte. Es wird nun von meh—
reren Seiten geltend gemacht, die Zusammensetzung des
Ausschusses so vorzunehmen, daß den vom DEB, aus
bestellten Mitgliedern des Prüsungsausschusses ein größerer
Einfluß gesichert wird. Insbesondere sollen zur Vrüfung
            
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