Nr. 12 IIP.
2 Motetten, SIstimmig, op. 29, Bach'scher Stil, nicht leicht.
3 Gesänge, öst. op. 42, großen Chören sehr zu emdpfehlen.
7 Lieder, op. 60 wunderbarer Klangzauber (Waldnacht).
2 Motetten, 4- 6stimmig, op. 74, gehoͤren zu dem schon—
sten, was Brahms für Chor komponiert hat. — schw.
5 Gesänge, op. 104, sehr schön und empsfehlenswert.
Fest⸗ n Gedenksprüche, SIstimmig, reiche Polyphonie. op.
3 Motetten 4-8stimmig, op. 110, reiche Polyphonie.
„Ein deutsches Requiem“. Gemischter Chor mit
Sopran— und Baritonsolo und Orchester. Trauerkantate
(nach Worten der hl. Schrift) in größtem Stil, — schw.
— 75 Minuten. Grundgedanke: Das Nichts des Menschen—
lebens im Vergleich zu der Herrlichkeit und Freudenfülle
der ewigen Seligkeit. Weitaus eines der besten Werke der
gesamten Chorliteratur überhaupt. Jeder leistungsfähige
Chor sollte sich die Aufführung dieses Werkes als eines
seiner höchsten Ziele setzen.
Schicksalssied, mit Orchester, 25 Minuten, Grund—
gedanke: Fruchtloses titanenhaftes Ringen der Menschen,
olympische Ruhe und Heiterkeit der Götter. Guten Ver—
einen sehr zu empfehlen. — m. schw.
Nänie, mit Orchester, Trauerode. — schw.
Gesang der Parzen, é6st. mit Orchester, Grund—
Wehee Kalter, erbarmungsloser Neid der Götter gegen
as ihrer blinden Willkür preisgegebene Menschengeschlecht
Begräbnisgesang, gem. Chor und Blasinstrumente
op. 13 für besondere Beerdigungs- oder Gedenkfeiern sehr
passend und wirkungsvoll.
Allgemein setzt Brahms'sche Chormusik ein gutes Können
vorgus, außerdem beim Dirigenten sicheres Erfassen des
musikalischen Ausdrucks und vollkommene Beherrschung der
Partitur. Für einen Männerchor dürfte ein Brahms-Abend
nur möglich sein, wenn ein Orchester zur Verfügung steht
Vortragsfolge 1).
Frauen— und Gemischter Chor finden reichlich Stoff zu
einem Brahms-Abend. In jedem Falle bieten auch Solo—
Warge und Duette von Brahms reiche Abwechslungsmög—
ichkeiten.
Iuh Saar⸗Sänger⸗Bunde
n Seite 259
Vortragsfolgen.
1J. Orchester⸗ und Männerchor.
1. Eine der 4 Symphonien;
2. Soloe⸗Lieder für tiefe Stimme mit Klavierbegleitung
(z. B. op. 86, op. 94, op. 105);
3. „Rhapsodie“ für Altsolo, Männerchor und Orchester.
II. Frauen-« und gemischter Chor und Streich—
quartett.
3 Lieder aus op. 62 für gem. Chor;
Streichquartett 44Moll op. 51;
3 oder 4 Lieder aus op. 44, Frauenchor mit Klavier—
begleitung;
2 Gesänge für Altsolo mit Begleitung von Bratsche
und Klavier;
3 oder 4 Lieder aus op. 62 oder op. 104. Gem. Chor
Beistliches Konzert — gem. u. Frauenchor
Motette aus op. 29, gem. Chor;
3 entsprechend ausgewählte Sololieder;
Psalm 13 für Frauenchor mit Klavier- oder Orgel
begleitung;
4. Wie Ziffer 2;
5. 2 Motetten aus op. 74.
IV. Gem. Chor, Sopran- und Baritonsolo
Orchester.
1. Tragische Ouvertüre, D-Moll für Orchester;
2. „Ein deutsches Requiem“, Gem. Chor mit Sovpran
und Baritonsolo und großes Orchester.
vV. Männerchor, Sopransolo und Klavier.
4. 2 Lieder aus op. 41 für Männerchor;
2. Ungarische Tänze, für Klavier;
3. 3 Lieder für Sopransolo;
4. Rhapsodie (I-Moll oder 6-Moll) für Klavier;
5. Wie Ziffer 8;
b. 3 Lieder aus op. 41 für Männerchor.
Zu diesem Konzert müßte ein sehr guter Pianist zu—
Verfügung stehen.
Ausschuß für Chorliteratur.
M. Beck.
4
7 B 6 it d —2
ur Bearbeitungsfrage des älteren Chorlicdes.
(Gortsetzung.)
große Rolle. Ganze Liederbände italienischer Altmeister
sind zu deutschen Volksliedern geworden durch die sehr
geschickten, sprachlich und musikalisch wertvollen Nachdich—
tungen Valentin Haußmanns, Hans Leo Has—
lers, Melchior Frands und mancher anderer Meister
sener Epoche, die italienische Kunstlieder oder zur Laute
zesungene Tänze (vor allem Villenellen, Pavanen und
Frottölen) für Chor — manchmal sehr frei, aber immer
hei voller Wahrung der ursprünglichen künstlerischen Ab—
sichten zu deutschen Volksliedern umgestalteten und so
zinen Besitz schufen, der italienische Lebendigkeit und Me—
lodik mit deutscher Kraft verbindet. So stammt das reizende:
„Es saß ein Vöglein im grünen Buschlein“ eigentlich von
dem bekannten italienischen Komponisten Orazio Veechi,
dem geistreichen Vorahner der ersten Musikdramen. Auch
bei dem bekannten Volkslied: „Herzlich tut mich erfreuen
die lieblich Sommerzeit“ wird von einigen Forschern ita—
ienischer Ursprung angenommen, obwohl hier bestimmt der
deutsche⸗ Text schon vorhanden war, als die Melodie über—
nommen würde. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß gute
extliche Umgestaltungen älterer Volkslieder nur den dama—
ligen Zeitgenossen geglückt sind. Ein Gegenbeispiek: Das
Beusenlied: „Wohl sehr glücklich ist, wer zu sterben weiß“
ein herrliches, kraftvolles Kriegslied der Niederländer, des
17. Jahrhunderts wurde durch Text-Unterlegung in unserer
Zeit zu einem albernen und lächerlichen Kanusport-Lied. Das
alte Prachtstück ist dadurch zugrunde gerichtet. — Und nun
der wichtigste und häufigste Fall: Die vollkommen neue
und ganz freie Umgestaltung irgendeines Gesanges, zu⸗
meist einer alten Volksmelodie. Wir alle wissen, daß schon
in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts solche „Para—
phrasen“ versuͤcht worden sind — aber gerade hier läßt
sich unbedingt eine entschiedene Verseinerung in unserer
Zeit beweisen. Denn Voraussetzungen solcher musikalischer
Rachdichtungen sind vor allem: völlige Vertrautheit mi
dem Stil der älteren Volkslieder, serner entschiedene Be—
Wir hatten, wie wir uns erinnern, drei grundsätzliche
Y Typen, von Bearbeitungen festgelegt: J. solche, die
Originalwerle für gemischten Chor dem Männerchor zu—
gänglich machen und dabei also Tonart, Stimmlagen und
auch manchmal Harmonien verändern müssen. Wo nicht
mehr geändert wird, ist diese Art von Bearbeitung absolut
unbedenklich und gerechtfertigt; 2. solche, in denen Texte
geändert oder zu Instrumentalwerken Texte hinzugedichtet
wurden, um eben diese instrumentalen Sätze für den
Chor brauchbar zu machen. Am gefährlichsten ist diese
„Verdichterei“ bei Tänzen, wo sie unbedingt zu unter—
lassen ist, wenn nicht der Komponist ausdrücklich den Text
selbst vertont hat; 3. endlich jene, in denen die Lieder
stark verändert, mit freien Gegenstimmen versehen sind,
in Rhythmik, Harmonik, ja sogar Melodik variiert und
paraphrasiert werden.
Die Bewertung aller dieser nur sehr beiläufig und
allgemein aufgestellten Bearbeitungstypen ergibt sich je—
weils aus ihrer Zielsetzung; diese ist nämlich grundsätzlich
verschieden in allen drei Fällen.
Im ersten Fall ist nur bezweckt, schon chorisch besetzte,
textlich und musikalisch feststehende Volkslieder ohne viel
Veränderung für den Männerchor brauchbar zu machen
Dieser Fall ist wohl häufig im neueremn Volkslied, des—⸗
sen ganzes textliches, melodisches und harmonisches Gefüge
feststeht — beim älteren. Volkslied ist er selten, weil
es da kaum Melodien gibt, die eine und nur diese
Harmonisierung vertragen, die sozusagen mit fertiger Be—
gleitung auf die Welt gekommen sind, Woher das kommt,
habe ich im yorigen Aufsatz zu erklären versucht; hier
kann ich mich darauf beschränken, auf die lineare, dem
polyphonen Stil entgegenkommende Artung dieser Melo—
dien hinzuweisen, von denen wenige einstimmig (ohne jede
Akkordik) am besten klingen. (Christ ist erstanden, Nun
bitten wir den heiligen Geist usw.) Der zweite Typus,
die textliche Bearbeitung, spielt im älteren Volkslied eine