Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 258 Hlil

uil Saar⸗Säuger-Bund li

Ap Nr. 12

bereitungen. Es wurde ein Fond gesamnilt, und
Wagner fiel die Aufgabe zu, für eine Festaufführung
der Männerchöre ein Chorwerk von etwa halbstündiger
Dauer zu schaffen. So entstand das „Liebesmahl der
Apostel“.
Dem Komponisten war die klangliche Schwierigkeit
klar. Er suchte einer gewissen Gleichförmigkeit aus
dem Wege zu gehen, in dem er den Motiven drama—
tische Bewegung und Haltung verlieh. Dabei verzichtete
er auf alles Solistische und faßte lediglich die Gruppe
der Jünger chorsolistisch zusammen, um sie so wirkungs—
voll dem größeren Jüngerkreis gegenübertreten zu
lassen. Auch in diesem kleinen Opus kündet sich schon
der spätere Meister der szenischen Form an. Mit einem
stattlichen Chor von 1200 Sängern wurde nun diese
biblische Szene, wie Wagner sie selbst nennt, in der
Dresdener Frauenkirche aus der Taufe gehoben. Es
muß eine imposante Aufführung gewesen sein. Und
doch unterdrückt der Komponist in seinen Erinnerungen

eine kleine Enttäuschung hinsichtlich der Klangwirkung
nicht. Die hatte er sich massiger und monumentaler
gedacht.
Sehr große Freude scheint ihm im ganzen die
Männerchorarbeit nicht gemacht zu haben. Er legte
schon bald die Leitung der Liedertafel nieder, so sehr
man sich auch um ihn bemühte, und widmete sich
ꝛinzig seinen dramatischen Interessen. Die eine oder
indere Gelegenheitsarbeit für Männerchor entstand
noch. So bei Gelegenheit der Enthüllung eines Denk
nals im Dresdener Zwinger. Doch kommt diesen Wer
en kaum eine Bedeutung zu. Wo Wagner in späteren
Jahren mit dem Männerchor in Berührung kam, ge—
chah es im Rahmen seiner Opernschöpfungen. Dies«e
Sätze sind dann so in den dramatischen Verlauf ein
bezogen, daß sie nicht herausgelöst werden können.
Ernst Suter,
Düsseldorf.

Johannes

Brahms.

Johanun es Brahms wurde als Sohn eines Orchester—
Bmusikers 1833 in Hamburg geboren. Er zeigte sehr
rüh eine ungewöhnliche musikalische Begabung, die von
Marrsen, der ersten müsikalischen Autorität Hamburgs, in
die richtigen Bahnen gelenkt wurde. Als 20jähriger hatte
Brahms das Glück, durch die Vermittlung des ihm be—
freundeten Geigers Joachim den Städtischen Musikdirektor
Robert Schumann in Düsseldorf kennen zu lernen. Dieser
erkannte die außerordentliche Begabung des jungen Künst—
lers und führte ihn durch einen begeisterten Artikel in
der „Neuen Zeitschrift für Musik“ in die musikalische
Welt Deutschlands ein. Die schwerblütige norddeutsche Art,
die auf äußere Wirkung verzichtende Innerlichkeit, sein

andete Brahms schließlich in Wien, das ihm seit 1878
zur zweiten Heimat wurde. Nach vorübergehender Tätig—
eit als Chordirigent lebte er als freier Künstler nur dem
Schaffen seiner unsterblichen Kompositionen. Die Wege in
die Oeffentlichkeit wurden ihm erleichtert durch den Musik—
chriftsteller Hanslick, der zu seinen nächsten Freunden
zählte. Nicht durch seine Werke allein, vor allem wohl durch
die Veröffentlichungen von Hanslick geriet Brahms in eine
tarke Gegnerschaft zu Richard Wagner und Anton Bruck
ier, die heute vielfach noch zu verwirrten Anschauunger
ührt. Reich an Ehrungen starb Brahms am 3. April 1897
In einem Ehrengrab in der Nähe Beethovens und Schubert?e
vurde er bestattet.
An Werken hinterließ Brahms 4 Symphyonien, ver—
schiedene große Orchesterwerke (Serenaden, Ouvertüren,
Variationen u. a.), Konzerte für Soloinstrumente mit Or—
chester, Kammermusikwerke (Violin- und Cello-Sonaten
Klaviertrios, Klavierquartette und «quintette, Streichquar
tette, ein Quintett und zwei Sertette, zahlreiche Klavier
kompositionen, Chöre, Lieder.
Männerchöre:
5 Lieder à cappella op. 44. Ein altdeutsches: Ich
schwing mein Horn ins Jammertal, und 4 Kriegslieder
besonders das letzte: „Marschieren“ mit derbem Soldaten
humor, sehr wirkungsvoll. Bedauerlich, daß diese Perle:
der eechorhitecoto noch keinen Fuß gefaßt haben
— m. schw.
Rhapsodie. Altsolo, Männerchor und Orchester. Eines der
besten Werke in der Literatur für Männerchor mit Or
chester. Unbeschreibliche Größe verbindet sich mit Einfach
heit und Erhabenheit. — m. schw.
13 Kanons; 5, 4- und é6stimmig op. 113.
Frauenchöre:
3 geistliche Chöre op. 17 lat. Text. — m. schw.
17 Lieder und Romanzen op. 44, 2 Hefte; Klavierbeglei—
tung ad. lih. — einfach und knapp in der Form
dabei von entzückendem melodischem Reiz. Mit Klavier
begleitung leicht.
13 Kanons, siehe bei Männerchöre.
Ave Maria, mit Streichorchester, Holzbläser und 2 Hör
nern; melodiös und innig. — m. schw.
Gesänge für Frauenchor mit Begleitung von 2 Hörnern
wid ar. teilweise von wundervollem Tonzauber. —
m. schw.
Psalm 13, mit Klavier oder Orgel, ein herrliches Werk.
leider fast unbekannt, keine besonderen Schwierigkeiten
Gemischte Chöre:
Deutsche Volkslieder, 7 Hefte, für Vorsänger und kleinen
Chor, sehr zu empfehlen.
Marienlieder, 4D00 22, im Stil der altkirchlichen Meister

Johannes Brahms.

Streben nach Saächlichkteit und Volkstümlichkeit bei strenger
Formgestaltung ließen Brahms als den kommenden Meister
erscheinen, „der da kommen mußte“, als den Führer einer
Richtung gegen die eben entstehende neuromantische „Zu—
kunftsmusik“ Wie die meisten bedeutenden Komponiften
            
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