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Ueber 300 Bereine mit über Zo Oooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes 8
von Stadtschuirat Dr. n. e. Hanus Bongard und Rektor Walther Stein, Saarbruchen. B
Druck und Verlag der Buch— und srunstoruckerei Gebr. Hofer A.G. Scaarbrücken
Bolkliugen und Leinzig. Bezugsureis Er. S.— vierteltährlich. Einzeluummer Ar. 2. — v⸗
12. Jahrgang
V-Richard
Wagner und der deuische Männerchorgesang.
Zum 50. Jodestag am 13. Februar.
Wenn die musikalische Welt das größte bühnen- handeln. Ein Werk macht eine Ausnahme. Es
Xdramatische Genie des 19. Jahrhunderts feiert, verfolgt rein chorische Absichten und erscheint noch
so kann der deutsche Männerchorgesang nicht abseits hier und da auf den Programmen größerer Vereine
stehen. Mit ihm kämpft er um ein Stück wertvolles Das Liebesmahl der Apostel“.
deutsches Kulturgut. Der Es wurde aus der Praxis
Bayreuther ging auf der geboren. Den wenigsten Sän—
Opernbühne dem Singen und gern dürfte bekannt sein,
Sagen des Volkes nach und daß Wagner eine Zeitlang
schuf aus ihm seine unver— als Chorleiter einen Dres
gänglichen Werke. Die deut— dener Männerchor leitete.
schen Sänger pflegen im Lied Das war in den vierziger
eine Kunst, deren Wurzeln Jahren kurz vor dem Aus—
tief in der deutschen Seele bruch der Märzrevolution,.
verhaftet sind. die dem künstlerischen und so—
Allerdings sehr reich und zialen Revolutionär Wagner
unmittelbar eng sind die einen Steckbrief eintrug, daß
Beziehungen Wagners zum er bei Nacht und Nebel die
Männerchor nicht. Die Zahl gastliche Schweiz aufsuchen
seiner Werke auf diesem Ge— mußte.
biete hält sich in bescheidenen Die Dresdener Liedertafel
Grenzen. Er war im eigent— umfaßte eine nicht sehr große
lichen Sinne nie ein Chor— Zahl Beamte und Kaufleute,
komponist. Hier und da die im Sinne Vater Zelters
bringt man wohl den Ma— geselliges Zusammensein und
trosenchor aus dem „Hollän⸗ den Liedgesang pflegte. Ueber
der“ oder den pPilgerchor wältigend müssen die künst
aus „Tannhäuser“ und macht lerischen Leistungen nicht ge—
aus der Not eine Tugend. wesen sein, und der junge
Läßt sich stilistisch solche Kapellmeister Wagner dachte
Wiedergabe auf dem Kon— auch an seine eigenen Inter—
zertpodium auch kaum be— essen und erhoffte durch die
gründen, es hat doch seine Verbindung mit den Sän—
Reize, etwa den Pilgerchor, gern für seinen Wirkungs—
der auf der Bühne in der bereich einige Vorteile. Leiter
Regel an seiner schwierigen dieses Vereins war ein Pro—
Chromatik Schiffbruch leidet, fessor Löwe, ein begeisterter
in sauberer Ausführung Sänger und Verehrer Carl
durch einen vollen Chor— Maria von Webers. Wagner
klang intoniert zu hören. teilte mit ihm diese heiße
Durchweg ist Wagners Liebe, und beide beschlossen,
Chorkunst mit dem Dramatischen organisch verknüpft an dem Freischützkomponisten eine Ehrenrettung vor—
Er schrieb für die Szene, und jeder Satz wird von zunehmen und seine noch in London ruhende Asche
bestimmten szenischen Bedürfnissen bestimmt. Ent- der deutschen Heimat zuzuführen, die Weber über
sprechend ist darum auch seine vokale Gestalt. Das alles liebte.
Liedhafte tritt hinter die körperliche Plastik zurück. So machte denn Professor Löwe seinem Namen alle
Der Chor hat zu spielen und in Tönen zu Ehre und stürzte sich mit Feuereifer in die Vor
Richard Waane