Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 236 IB.
Bundesschriftführer Stein und Gauvorsitzender Baus —
vom Vorsitzenden Eich mit warmen Worten begrüßt — über—
brachten die Glückwünsche der Gemeinde, des Bundes und
des Gaues. Längere Ausführungen galten der Kultur—
bedeutung unserer Männergesangvereine. Musikverein
Harmonie umrahmte Reden und chorische Darbietungen
unter Kapellmeister Laub bestens mit Instrumental—
vorträgen. Unter dem Stabe von Dr. Ernst Stilz kamen
Mendelsohns Trinklied und Türkisches Schenkenlied fein—
durchgearbeitet zum Klingen. Auch M.G. V. Frohsinn unter
Schneider, M.G.V. Concordia unter Klein, M.G.V. Lieder—⸗
kranz unter Thomas und Männer-Quartettverein unter
Klein fanden freundlichen Beifall. Das Festkonzert, das
von dem Jubelverein unter Dr. Stilz und dem M.G.V.
Liederkranz Elversberg und Sängervereinigung Bildstock
unter ihrem gemeinsamen Chormeister Jul. Mayer milt
trefflichen Leistungen bestritten wurde, hatte ein hochwer—
tiges Programm mit Lendvai, Rein und Othegraven. Wenn
die Ortszeitung (Otto Linn), die übrigens eine schöne Fest—
nummer herausgebracht hatte, in ihrem Bericht schreibt:
„daß es doch etwas anderes ist, wenn ein Chor von 80 und
90 gut geschulten Sängern gesungen wird, als von nur
30 und 40 Sängern, so daß wir diese Gelegenheit benutzen
möchten, auch den Friedrichssthaler Gesangvereinen einen
Zusammenschluß zu empfehlen, der gerade bei der jetzigen
schlechten Wirtschaftslage bestimmt in aller Interessen liegen
dürfte“ — so möchten wir diese Ansicht auch hier zustim—
mend unterstützen.
Sängervereinigung 1929 Bildstock veranstaltete unter Mit⸗
wirkung des ebenfalls unter Leitung von Gauchormeister
Julius Mayer stehenden Männer- und Frauenchors Lieder—
kranz Elversberg ein künstlerisch hochwertiges Konzert, des—
sen erster Teil unter dem Stern Erwin Lendvais stand
Einklang, Gebet, Glockenlied, Pro Martyribus, Empor und
dessen zweiter Teil dem bekannten rheinischen Komponisten
und Volksliedbearbeiter August von Othegraven gewidmet
war: Stromsahrt, Quisselchen, Tanzlied, Jäger aus Kur—
pfalz. Chormeister und Sängerschaft verdienen Anerken—
nung wegen ihres mutigen und übrigens recht ersolgreichen
Vorstoßes in zeitgenössisches Kunstschaffen. Aufmerksamkeit
und Beifall der Hörerschaft beweisen, daß die Bequemen
endlich mit der Behauptung schweigen sollten, unser Volk
öffne Ohr und Herzen nicht der neuen Sprache. Das Gegen—
teil ist der Fall! Ehrenpräsident Dr. Trittelwitz begrüßte
herzlichst die beiden persönlich anwesenden Komponisten
und Bundesvorsitzenden Dr. Bongard.
Quartett⸗Verein „Arion“ Herrensohr hatte zu seinem
wohlvorbereiteten Karl-Kämpf-Abend im Gemeindehaus
Dudweiler ein vollbesetztes Haus. Das muß mit Anerken—
nung gesagt werden auch gegenüber den Brudervereinen
des Gaues! Ein ausgezeichnetes Programm! Eins von den
ganz seltenen, die auch in der graphischen Gestaltung Lob
verdienen. Unter dem sicheren, mit künstlerischem Feingesühl
geführten Stab von Musikdirektor Robert Carl brachte die
kleine, aber trefflich aufeinander eingesungene Schar eine
Reihe Kämpf'scher Männerchöre zum Vortrag: Wahlspruch,
Im schönen Wiesengrunde. Holde Erinnerung Der Zinkenist,
Kirschenballade, Marienbildnis, Ueber allen Gipseln, Mond—
nacht, Fahr hin, Kartenspiel, Lustige Hochzeit, die in Eigen—
schöpfungen und Bearbeitungen, in Ernst und Scherz des
feinsinnigen Neutöners Art zur Darstellung brachten.
Hielma Bohrmann fügte in vornehm zurückhaltender, ge—
winnender Gestaltung Sopran-Lieder Kämpfs in die Vor—
tragsfolge, so warm und beseelt, daß sich der am Flügel
begleitende Komponist wohl kaum eine feinere Interpretion
seiner hübschen Lieder hätte wünschen können“ Das Bild
—
seine G⸗-Moll-Ballade und die Märkischen Idyllen für Kla—
vier, die Karl Kämpf mit tiefer Innenschau, ohne Effekt—
hascheri selbst am Flügel darbot. Bundesschristführer Stein
begrüßte den rheinischen Komponisten namens des S. S.B.
und überbrachte dem rührigen Verein zum 10. Stiftungs—
sest, das er durch eine solche Weihestunde feiert, herzliche
Glückwünsche!
M.G.V. 1877 Hühnerfeld brachte unter dem Stabe seines
Chormeisters Alfred Minnig Nacht am Rhein von Kaun,
Tageserwachen von Schmidt, Innsbruck von Jüngft, Hoho
du stolzes Mädel von Kraus, Elslein von Caub von Filke,
Die schöne Schenkin von Tschirsch, Vogelfrei und sorgenlos
von Nagler, Im Herbst von Marschner vor gut besuchtem,

lll Saar⸗Sänger⸗Bunde
heifallsfrohem Hause zum Vortrag. Lieder des Solisten
Neumann gaben dem wohlgelungenen Konzert erfreuliche
Abwechselung.
Sängervereinigung 1877 Jägersfreude veranstaltete unter
dem Stabe von Chormeister Junker einen gut besuchten
Liederabend, an dein auch der neugegründete Schülerchor
seine Feuertause empfing. An Kunstlieder wie Lechnersé
Allmacht, Kauns Morgenlied und Hegars Die beiden Särge
schlossen sich ebenso sorgfältig ausgeseilte Volksliedbearbei—
tungen, die ebenso wie die Darbietungen des Schülerchors
reichen Beifall fanden.
Die Sängervereinigung 1877 Jägersfreude erlitt einen
schweren Verlust. Am 1J. November starb 8ljährig der
Gründer des Vereins Franz Zöllner, der am 31. Dezember

IBB

Franz Zollner.
1850 geboren, sein Leben lang begeistert dem deutschen
Lied gedient hat und bereits mit der goldenen Ehrennadel
“ Bundes für 50jährige Aktivität ausgezeichnet werden
onnte.

Vom Büchertisch.
Die 1834 von Robert Schumann gegründete „Zeitschrift für
Musik“ tritt mit dem kommenden T. Zanuar in ihren 100.
Jahrgang. Sie ist die älteste der deutschen Musikzeitschriften
und wohl auch der deutschen Kulturzeitschriften überhaupt.
Getreu dem Geiste ihres Gründers, ist sie zu allen Zeiten für
die guten, Kräfte unter den lebenden Schäffenden eingetrelen
und hat sich besonders in diesem letzten Jahrzehnt der Irrungen
und Wirrungen als der Berater für jeden Musikfreund trefflich
bewährt. Die Zeitschrift zählte im vergangenen Jahrhundert
alle führenden Musikerköpfe zu ihren Mitarbeitern, und auch
heute finden sich in der nunmehr von Gustav Bosse, dem be—
annten Begründer der „Deutschen Musikbücherei“, heraus—
gegebenen „Zeitschrift für Musik“ die Namen aller führenden
Musikerpersönlichkeiten als Mitarbeiter vereinigt. Das Jubiläum
soll durch einen besonders reich ausgestalteten Jahrgang, der
durch ein Festheft exöffnet wird, gefeiert werden. Det Saar—
Sänger-Bund hat seit Jahren auf diese vortreffliche, wahr—
haft führende Monatsschrift zur Erneuerung der deutschen Musit
»mpfehlend hingewiesen. An der Schwelle des 100. Lebensjahres
ruft er diesem tapferen Pionier für deutsche Art'und
Tunst aus der deutschen Grenzmark ein herzliches Glückauf zu!
Das Dezemberheft bringt Bilder, Noten (glavierpräludium),
kritische Würdigung, Biographie und Werke Ferrucio Busonis
So hringt nahezu jedes Heft dem Leser eine bedeutsame Musiker
oersönlichkeit nahe. Aus der großen Zahl der weiteren sach—
und fachkundigen Aufsätze greifen wir einen uns besonders
nteressierenden, heraus: Die wahren Ursachen für den Nieder—
jang der deutschen Hausmusik von Dr. Hans A. Martens.
Berichte aus dem gesamten Musikleben vervollständigen jede
Nummer und machen die „Zeitschrift für Musik“ unentbehrlick
für jeden, der mit dem musskalischen Leben Schritt halten wilf

Hinweis.
Wir bitten den Prospekt des Musikverlags P. J. Tonger
Köln am Rhein, welcher der heutigen Januar⸗Ausgabe dei—
liegt, besonders zu béachten.
            
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