Full text : 10.1932-1933 (0010)

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I Saar⸗Sänger-VBunde

AUhll Nr. 10

mit hoher sittlicher Auffassung ans Werk schreitet, ist unter der
Führung eines genialen Dirigenten von vornherein dazu be—
stimmt, Höchstleistungen zu vollbringen.
Es heißt, daß jeder Chor den Dirigenten hat, den er ver—
dient. Vielleicht wird einmal die Umkehrung gesagt werden
können, wenn die vielen Chormeisterschulen auch wirklich be—
sfucht werden und eine neue Generation von wohlbelehrten
Dirigenten daraus hervorgeht, die imstande sein wird, sich
vorbildliche Chöre zu schaffen und heranzuziehen, wie dies in
Desterreich zum Beispiel Regierungsrat Professor Hans Wagner—
Schönkirch, der Gründer des Oesterreichisch-Süddeutschen Chor—
meisterverbandes und der Chormeister-Akademie mit seinem Wiener
Lehrer-A-cappella-Chor bereits vor Jahren gezeigt hat. Ueber
dieses Thema hat ein Berufener gesprochen; kein Geringerer
als der Vorsitzende des Saar-Sänger-Bundes, Stadtschulrat
Dr. h. c. Hans Bongard, in der Zeitung des SaarSänger—
Bundes. Diese geistvollen, erstaunlich offenen Ausführungen wur—
den auch im Heft 5 der Deutschen Sängerbundes-Zeitung 1932
unter dem Titel: „Ein Sängerführer über ein Konzert“ ver—
öffentlicht. Es wäre angezeigt, diesen Aufsatz durch sämtliche
Sängerzeitungen allen daran interessierten Kreisen vor Augen
zu führen, nicht weil er ein Lob des Chores enthält, sondern
weil er, wie die Schriftleitung der Deutschen Sängerbundes—
Zeitung in ihrer Einführung dazu sehr richtig sagt, Dinge und
Zusammenhänge klarlegt, auf die es bei Erfüllung aller Auf
gaben in der Tat ankommt.

Ueber die gesamte innere Organisation unseres Chores zu
reden, würde zu weit führen. Es sei nur das Wichtigste kurz
erwähnt: Zur Erreichung einer möglichst günstigen Klang—
wirkung wurde die Choraufstellung in der Weise gewählt, daß
die Tenöre und ersten Bässe keilförmig ineinander stehen und ip
zreiter Rückfront von den zweiten Bässen abgeschlossen werden
Das Stimmenverhältnis ist genau bemessen. Eine Neuaufnahme
in den Chor ersolgt daher nur nach Maßgabe dieses Ver—
zältnisses und eingehender Prüfung über Musikalität, Stimm—
nittel und individuelle Klangfarbe. Wer diese Prüfung bestanden
jat, wird zunächst Kandidat. Die endgültige Aufnahme ist an
eine mehrmonatige Probezeit bzw. Bewährungsfrist und eine
ieuerliche Prüfung zum Nachweis über die Beherrschung eines
vorgeschriebenen Mindest-Repertoires an Chören gebunden.
Daß nun unser Chor bei Verfolgung seiner Ziele auf dem
ꝛechten Wege geht, beweisen ihm die Erfolge seiner elf Auslands—
onzertreisen, die ihn durch Deutschland, Holland, die Schweiz
bolen und die Tschechossowakei geführt haben. Wer wie unsere
Sänger jeder Improvisation des Meisters folgt und jedes Konzer!
als künstlerisches Erlebnis und innere Erhebung empfindet,
ann mit Freude und mit Stolz von sich sagen, daß er mit—
geholfen hat an einer künstlerischen und kulturellen Tat für
das deutsche Volk

Walter Neubauer,
Wien.

Neue TChorwerke österreichischer Komponisten.

Zwei Wiener Chorvereinigungen, der auch im Saargebiet
9 rühmlich bekannte Wiener Lehrer-A-cappella—
Chor und der Kammerchor des Wiener Männergesang—
vereins, waren kurz nacheinander ausgezeichnete Interpreten
moderner Chorwerke. Während der Lehrer-A-cappella-Chor wie
in den früheren Jahren mehr als die Hälfte des Programms
neuen zeitgenössischen Werken eingeräumt hatte, veranstaltete
Professor Ferdinand Großmann, einer der beiden Dirigenten des
Wiener Männergesangvereins, mit dem etwa 60 Sänger um—
fassenden Kammerchore ein eigenes Novitätenkonzert des Vereins
Viele unter den Neuheiten dürfen allgemeines Interesse be—
anspruchen, ganz besonders wohl jene Werke, die einerseits an
die Leistungsfähigkeit der Ausführenden nicht allzu große An—
sprüche stellen, andererseits aber doch genügend künstlerischen
Wert besitzen. Beginnen wir bei unserer Besprechung mit den
im Novitätenkonzerte des Wiener Männergesangvereines durch—
wegs ausgezeichnet aufgeführten neuen Werken.
Eröffnet wurde der Abend mit der Uraufführung eines sechs—
stimmigen Männerchores „Aufblick“ von Franz Moser, der
als Komponist von Männerchören bisher weniger bekannt ge—
wesen ist. Strenge Satzkunst, die sich im allgemeinen an die
in der Männerchorkomposition üblichen Normen hält, gelegent—
lich aber vor kleineren Herbheiten, bedingt durch die Stimm—
führung, nicht zurückschreckt. Der gottesgläubige Inhalt der
Dichtung findet jedenfalls charakteristischen Ausdruͤck. Ebenso
wie dieses Werk verdient auch der Chor mit Klarinettensolo
„In stiller Nacht“ von Hans Ahlgrimm, einem jüngeren
österreichischen Tondichter und Musiker, der gegenwärtig Mit—
glied der Berliner Philharmonie ist, allgemeinere Beachtung.
Durch eine vorwiegend homophone, ganz auf Auswertung der
romantischen Stimmung eingestellte Art der Vertonung, gehört
ꝛw zu den nicht eben schwierigen und trotzdem dankbaren neueren
Chören. Wie ein vierstimmig gesetztes Volkslied hört sich der
Chor „Zwei Rosen“ von Franz Gräflinger, dem be—
kannten Brucknerforscher, an. Trotz seiner Einfachheit ist er
gewiß nicht undankbar. Lafites „Weihe der Nacht“ war wohl
nicht eine Novität im eigentlichen Sinne, darf aber als eine
durch üppigen Chorklang sich auszeichnende Arbeit des durch
seinen Chor „St. Michael“ allbekannt gewordenen Tondichters
nicht unerwähnt bleiben. „Nachsprung zum Hochzeitstanz“, ein
fünfstimmiger Chor von Ferdinand Rebah ( gleichfalls eine
Uraufführung), zeichnet sich durch sehr flüssige, den naiven
Ton der Dichtung treffende Erfindung und sangbaren Satz aus.
Programme, die mehr unterhaltenden Charakter haben., werden

zurch diese Neuheit gewiß nur eine in ihrer Art wertvolle Be—
ceicherung erfahren. Ernstere Töne schlägt der Chor „Der
102. Psalm“ von Bruno Weigl an. Sonst als sehr moderner
rdomponist bekannt, zeigt ihn dieser Chor wohl erst in der Ent—
vicklung in der Richtung modernster Kunstauffassung. Die
Tonalität ist überall gewahrt, doch finden sich schon sehr freie
zarmonische Bildungen. Charakteristisch ist die Aneinanderreihung
ahlreicher kleiner Perioden. Man darf diesen Chor zumindest
ils mittelschwierig bezeichnen. Eines der wirkungsvollsten, durch
zut erfaßte Stimmung und klangvollen Satz besonders aus—
gezeichneten, an diesem Abend gehörten Chorwerke ist der fünf—
timmige Männerchor mit Sopransolo „Nächtliche Regung“ von
Franz Burkhart. Eigenartige Wirkungen, die manchmal fast
ins Brutale grenzen, gehen von dem sehr naturalistischen Chort
„Galeerensklaven“, zu dessen stimmungsbetonter Begleitung Eng—
lischsorn, Pauken und Tamtam verwendet werden, aus. Die
starke Wirksamkeit dieses Chores zeigte sich auch darin, daß
er nach langanhaltendem Beifall endlich doch wiederholt werden
mußte. Mit moderner Satzweise sehr vertraut zeigt sich Adols
Wodiansky-Degenfeld in seinem vor allem harmonisch
nteressanten Chor „Der Morgen“. Auch weniger leistungsfähige
Lereine werden damit Erfolg haben können. Größere Ansprüche
auch hinsichtlich der an das mitwirkende Kammerorchester ge—
sttellten Anforderungen stellt der Chor „Abendgedanken“ von
Ernst Matheis. Ein sehr modern empfindender Musiker beweist
sRier neben reifstem Können auch starken Sinn für alles Wirk—
ame. So etwa die Verflechtung volkhaften Musizierens in ein
»amit stark kontrastierendes, modern polyphones Stimmgewebe.
ßsanz tonal schreibt Jos. Matthias Hauer, bekannt als
Upostel der Zwölftonmusik, in seinen allerdings schon aus dem
Jahre 1914 stammenden drei „Chören aus den Tragödien
»es Sophokles“. Daß er älteren Vorbildern nacheifert, ist deutlich
zu erkennen. Neuland hingegen betritt P. Hindemith in
einem Chore „Eine lichte Mitternacht“. Streng lineare Poly—
»honie ist das Charakteristische dieses Chores. An die Leistungs—
ähigkeit der Chorvereinigung werden nicht unbeträchtliche An—
orderungen gestellt. Das gleiche gilt von P. A. Pisks Chor
Trinklied“, in dem der Komponist ganz mit Absicht dissonante
Wirkungen zur Charakterisierung textlich geschilderter Vorgänge
heranzieht. Zu den letztgenannten, sogenännten Modernen ist
auch Fritz Witeschniskk mit seinem Chore „Die Macht“ zu
zählen Neben sehr modernen Stellen findet sich darin auch
nanches, das wie eine Sehnsucht nach romantischer Verklärung
sich ausnimmt. Auch zur Ausführung dieses Werkes bedari

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— F —2 — Maineerczer. dh. Teleion 22537 / 36
            
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