Nr. 10 Al hlhhh Saar⸗-Sänger-Bund h.
so zunächst in Häuser, in denen mit priesterhaftem Ernst lerischen Wettbewerb zusammenzufsühren. Daß mir dies als
Kammermusik gemacht wurde und wo ich als Primgeiger Obmann des Musik-Festausschusses — wenn auch nach vielen
oder Bratschist Stunden allerreinster Freuden genoß. Mühen — fast restlos gelungen ist, bildet meinen beson—
Denkwürdig für alle Zeiten bleibt mir die liebe Aufnahme deren Stolz. — Es hieße eine unaufrichtige Komödie spielen,
im Hause des Walzerkönigs Joh. Strauß, des herrlichsten venn ich etwa sagen wollte, daß mir die zahlreichen
und feinsten Künstlers, in dessen Familienkreis ich Brahms, äußeren Anerkennungen meiner Bemühungen und beschei—
Goldmark, den Pianisten Grünfeld und so manchen andern denen Erfolge im Dienste der Chorgesangs-Pflege keine
Träger eines weltberühmten Namens kennen zu lernen Freude gemacht hätten: so die Verleihung des Bürger—
das Glück hatte. Später trat ich auch in persönliche Füh- eechtes hou. causa seitens meiner Wahlheimat Wien, meine
lung mit Bruckner und Hugo Wolf. Viele handschriftliche Ernennung von höchster Stelle zum Professor, Regierungs—
Erinnerungen aus dieser Zeit verwahre ich heute noch als rat und schließlich Hofrat (welch letztere Auszeichnung mir
kostbarsten Schatz meiner ziemlich bedeutenden Autographen- der Bundeskanzler selbst in einer Vereinsprobe, also gleich—
Sammlung. Drei Jahre lang zog ich dann als heiteres am im Familienkreise meines geliebten Schubertbundes,
Quartett-Viertel des damals weltbekannten Udel-OQuartetts iberbracht hat), nicht zuletzt aber die mich über alles er—
kreuz und quer durch den europäischen Kontinent. Ach, das reuende Zuneigung seitens der Sängerschaft, als deren
war 'eine köstliche Zeit! Zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Niederschlag ich wohl die mir zuertannten 120 Ehrenmit
hohes C in der Kehle (- und heute? O jerum, jerum, jerum, gliedschaften betrachten darf.
6ô quae mutatio reérum), flog ich im Vereine mit den drei Wenn ich eingeladen wurde, zum Abschluß auch einiges
anderen lustigen Singvögeln durch die weite Welt, Wiener iüber mein kompositorisches Schaffen zu sagen, so bitte ich,
Frohsinn im Ausland verbreitend. Aus dieser Zeit stammen nich dieser mir unsympathischen, NAufgabe entheben zu
aͤuch die meiften meiner heiteren Viergesänge, Unter den vollen; dazu erscheinen mir, ich sage dies nicht in einer
mehr als 300 Konzerten, die ich in diesem Quartettverbande Anwandlung falscher Bescheidenheit, meine Werke nicht als
mitmachte, ragt ein besonders denkwürdiges hervor: der dedeutend genug. Das einzige Opus, von dem ich gerne
Empfaug im St. Petersburger Winterpalastam 21. Februar preche, weil ich glaube, daß es mir (dank der gütigen Mit—
1903 bei dem später auf so tragische Weise zugrunde virkung meiner Frau) nicht schlecht gelungen sein dürfte
gegangenen Zaren-Paar. Ein Roman füur sich, den ich viel— st mein eingeborener Sohn Robert, an dem ich mein Wohl—
leicht einmal schreiben werde . .. Unvergeßlich wird mir ein zefallen habe, Ein musikalisch schwer Belasteter, wirkt er
Wort des stets „aufs praktische“ eingestellten Quartett— I8. als Direktor des Bruckner-Konservatoriums in
führers Prof. Udel sein, der dem bei ihm nach dem Hof- dinz a. D. Hier habe ich wohl von keiner Seite den Vor—
konzert wegen einer zu gewärtigenden kaiserlichen Aus- vurf persfönlicher Befangenheit zu gewärtigen, wenn ich
zeichnung vertraulich ausholenden gräflichen Kammerherrn dem sehnsuchtsvollen Wunsch Ausdruck gebe, daß mich dieses
mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit halblaut ins Ohr Opus lange überleben möge.
raunte: „Um Gottes Wüll'n nur kan Orden nöt, Exzellenz Diesen in Wort und Ton eingefangenen Gedanken habe
nur kan Orden!“ Und so sah ich mich, gleich meinen beiden ch vor fast zwei Jahrzehnten meinem Einzigen als Weih—
andern schmerzerfüllten Kollegen, um das damals so heiß aachtswunsch unter den Christbaum gelegt. Die Verse lauten
ersehnte kaiserliche Ehrenzeichen schmählich betrogen. Da— Mein Junge
für wurde ich vom Beherrscher aller Reußen in den — in v ng— F
Nadelstand erhoben (und zwar durch Widmung einer kost— Wenn ich an meinen Jungen denk',
baren Busen⸗Radel in Brillanten) Wenn ich heute meine Den mir der Himmel hat gegeben,
im Glasschrank verwahrten, zum Teil von bereits gestürzten Da werden mir die Augen seucht
Thronen iräumenden Offiziers- und Ritterkreuze betrachte, Und doppelt wert dünkt mich das Leben
die im Laufe der Jahrzehnte den Weg in mein Knopfloch Wenn ich ihn dann ans * drück
fanden, denke ich mit stiller Heiterkeit meines ersten Ordens, Und halt beseligt ihn umschlangen,
den ich damals — nicht erhalten habe. Im Wiener Männer— Entringt sich mir der heiße Wunsch:
gesangverein, wo ich die Nachfolge Rich. Heubergers, zu— Herrgott, erhalt' mir meinen Jungen!
gleich' aber auch das Erbe Kremsers, des einzigartigen Wohl kaum zuvor hab ich's gefühlt,
Maännerchor-Dirigenten, anzutreten hatte, fand ich eine Daß nichts auf dieser Welt mir lieber,
Stätte, die mir ein Ausleben meines künstlerischen Dranges Wie damals, als mein armes Kind
gestattete. An der Spitze dieser Körperschaft trat ich im Vor Schmerz gestöhnt in heißem Fieber
Vereine mit letzterem, dem damals bereits „ausge— Da ist, weiß Gott, vor Weh und Leid
dienten“ Ehren- Kund Alt-Chormeister, gelegentlich des Mein pochend Herz mir fast zersprungen
8. Deutschen Sängerbundesfestes in Nürnberg (1912) Und brünstig quoll mir's aus der Brust
zum ersten Male in Fühlung mit der breiten Masse Herrgott, erhalt' mir meinen Jungen!
der Sängerschaft. Damals ahnte ich nicht, daß mir Der Bub, das ist mein ganzer Stolz,
dereinst die Auszeichnung zuteil würde, bei den dre Ddaß ich's nur immer wieder sage.
darauffolgenden Sängerbundesfesten das musikalische Szep— Er ist und bleibt mein Sonnenschein
ter über ein Heer deutscher Sangesbrüder zu schwingen Bis an das Ende meiner Tage.
Als Marksteine meiner Wirksamkeit im Wiener Männer— Ja, bis zum letzten Atemzug
gesangvereine glaube ich das 1000. Konzert, die 75jährige Zalt treue Lieb' uns fest“ umschlungen.
Vereins⸗Bestandesfeier, die anläßlich des Besuches gekrönter Erhbre, Himmel, mein Gebet:
Mahie — ——A— sowe Dertgott. erhaite mir meinen Jungen!
die italienische Reise mit dem denkwürdigen Konzert im — 5 4
Quirinal und meiner Begegnung mit Meister Sgambati Hofrat Vrofengr Butor Reldorler
ansehen zu sollen. Nachdem ich nach 12jähriger, wie — — —— —
ich fagen zu dürfen glaube, erfolgreicher Tätigkei— v
den Taktstock in diesem Vereine zurückgelegt hatte, be
rief mich, wie bereits angedeutet, der Wiener Schubert e
bund zu seinem künstlerifchen Führer, und so spielt«
mir das Schicksal wieder ein kostbares Instrument vonn SIssisspeussh7 —
hhster nug tauischer Feinnervigkett in die gand. Viit diefen 43536 —«Ihhh—
Vereine, der mir bis zum heutigen Tage nur ungetrübt .
frohe Stunden geschenkt hat, fühle ich mich im Herzen innig nsere Sprache — — — —
verbunden. In dieß ien elf bendere — dahr II Z2wei Könige — — — — —
meines Lebens fallen die Sängerfeste Hannover, Wien un
Frankfurt. — das Wiener Fest (19028 anbelangt, das w⸗ Hie deutsch und treu — —
wie ich Zu, meiner unsagbaren Freude aͤmmer iede Pülhünn.. Nh.. Deutscher Weckruf — —
beobachten kann — noch heute in den Herzen der 120 000 3. 58. J n —2 051 frei!
festbesuchenden Sapger nna. ——* —A Probepartituren-Katalog ostenfrei!
als eine meiner Hauptaufgaben, zum erstenmale sei e⸗
stehen des Deutschen Sängerbundes alle Vereine von Rang verlag —Boxzwur [(0 Leipiq [ J
und Namen guf dem Boden der Feststadt im ehrsamen künst 29
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