Full text : 10.1932-1933 (0010)

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uill Saar⸗Sänger⸗Bund liij II Nr. 10
Ferdinand Löwe und an vielen Orten Deutschlands). Außer—
dem schuf er die bereits aufgeführten Werle: Weihnachts—
messe, Ostermesse, Kantaten, Bearbeitungen des Händelschen
„Messias“ und „Herakles“ und das Tedeum Micht aufge—
führt). Diese gewaltigen Tonwerke geben Zeugnis von des
Tondichters felsenfester Gottgläubigkeit und dessen uner—
schütterlichem Vertrauen auf Leben und Zukunft unseres
deutschen Volkes.
Inmitten seines dramatischen Schaffens betätigte sich
Reiter auf dem Gebiete der Kämmermusik: 10 Werke,
erfrischend, mitunter von herber Klarheit, andererseits in
reichster Farbenpracht er—
strahlend, überraschend in
ihrem von der überkom—
menen Form abweichen—
den eigenartigen Aufbau
(6 Streichquartette, 2
Streichquintette, 1 Kla—
vierguintett und 1 Kla—
viersextett). Diesielbe er—
greifende Sprache reden
seine Orchesterwerke
„Vorspiel zu König Erich“
und „Deutscher Sieges—
marsch“. Als vriginelle
humorvolle Tondichtun—
gen müssen seine 32
Klavierstücke ange—
sprochen werden. Durch
Anmut und Frische zeich⸗
nen sich seine Volks—
tänze und die zu Rein—
munds „Bauer als
Millionäre“ verfaäßte
Musik aus.
Die angezogenen Ar—
beitsgebiete erweisen das
rühmliche und umfassende
Schaffen des Kompo—
nisten, welches in Kenner⸗
kreisen längst gewertet ist.
In viel breiteren Schich—
ten Musikbeflissener schätzt
man aber Josef Reiter
als überragenden Chor—
komponisten. An 350
Chöre verschiedenster Ge—
—V—
5⸗, 6be, Sstimmige Männer-,
uen- und Gemischte
höre. Für Gesangver—
einigungen aller Größen—
verhältnisse findet sich
hier dankbarster Stoff.
All seinen Chorkunst—⸗
werken wohnt eine zwin—
gende Kraft inne, denn
er weiß den Glanz des
stimmlichen Edelmetalles
in kunstvoller Satztechnik aufleuchten zu lassen, durch rich—
tige Deklamation die Klarheit des Ausdruckes, durch sorg—
ame Verschmelzung von Wort und Ton den dichterischen
Behalt zu heben. Vertraut mit den modernen kontrapunk
tischen Mitteln, gewandt und bedacht auf feinsinnige Har—
monisierung, schier unerschöpflich im Melodienfluß, meistert
er in bewunderungswürdiger Gestaltungskraft das sympho—
nische Element, so daß Chöre wie „Ewigkeit“, „Sintflut“,
„Herbst“, „O welch ein Meer Dein Auge ist“ u. v. a. ihres⸗
Jleichen suchen müssen. Wo deutsche Zungen reden, werden
Reiters Chöre gesungen. Der große Bogen, welcher von
Schubert über Bruückner in unsere Gegenwart herüberreicht,
hat in Josef Reiters Chören seine Fortsetzung gefunden.
Nach zwanzigjährigem Lehramt in Wien und dreijähriger
Tätigkeit als Mozarleumsdirektor in Salzburg entsagte er
diesem Berufe und widmete sich nur der Kunst. Bittere
Zeiten bereiteten ihm die langjährigen Lebenskämpfe; aber
zähe überwand er die entnervenden Auseinandersetzungen
nit den Hemmnissen des Alltags und lebt jetzt zu Groß—
smain in Salzburg (bei Reichenhall). Zwei Jahre vor
einem „Siebziger“ hat er uns die viersätzige, abend—

schmiegen in deutsches Brauchtum. Eine Folge dieser Ar—
beiten war seine durch alle Schaffensperioden gehende
Komposition von Kunstliedern. Solcher schrieb er weit
über 100 mit Klavierbegleitung, außerdem sieben geistliche
Gesänge und ein Melodram, bei allen hochzuwertende Texte
wählend. „Sie — diese Lieder — stehen zwischen Brahms und
Hugo Wolf und geben eine durchaus persönliche Verbindung
dieser scheinbar so gegensätzlichen Arten“, sagt Karl Storck
Seinen per onlichen Stil hat Reiter erst nach
mannigfachem Irren als Dreißigjähriger in den 21
Balladen gefunden und späterhin meisterhaft angewandt
„Das letzte Werk (aus
den Balladen), Frau
Hitt, ist ein grandioser
Wurf, in dem sich die
Berufenheit Reiters voll
erweist, ein Meisterstück
in jeder Beziehung“,
schreibt 1900 Dr. Wilh.
Kienzl. Diese Dichtungen
werden ihren Weg nicht
nur zu Kennern und
Feinschmeckern finden, son⸗
dern wie die Löweschen
Werke zum ganzen Volke
sprechen. Nach Ablegung
der Staatsprüfung für
Musik in Wien erhielt er
daselbst eine Lehrstelle
Nun war für seinen
künstlerischen Aufstieg der
entscheidende Schritt ge—
tan. Wien, das musik⸗
atmende, war eine strenge
Erzieherin und Hüterin
des Musensohnes und hat
ihn zu großen Erfolgen
geführt. Erst mit 25
Jahren wurde er hier
mit Richard Wagners
Kunst bekannt. Mit
einem Schlage rang sich
nun der Dramatiker
in ihm durch. Freilich
blieb er zunächst im
Bannkreis dieses Gewal—
tigen, wie der musika—
lische Ueberschwang seines
dramatischen Erstlings—
werkes „Frithjof“ zeigte
Aber dank seiner Ver—
trautheit mit den Klas—
sikern, sowie seines ur—
wüchsigen künstlerischen
Naturells — und dank
dem späten Herankommen
an Wagner sowie seiner
innigen Verkettung mit
dem Volksliede, welches
in seiner Schlichtheit das Gegengewicht zu dieser neuen, auf—
wühlenden Kunst bot, lernte er bald den Meister in der Be—
schränkung anstreben. Dadurch hob er sich über die Reihe der
Nachahmer empor. Das bodenftändige Wesen des sangesfrohen
Alpenländers, das ohne alle Originalitätshascherei seine
Eigenart bewahrte, beéhielt die Oberhand. Dies bestätigen
seine späteren dramatischen Werke, wie das klangfreudige
Idyll „Klopstock in Zürich“ (aufgeführt 1894 in Linz und
1912 am Hoftheater zu Dessau unter Mikorey), „Der
Bundschuh“, eine Oper von packender Gewalt (1897
Troppau, Grande, und 1900 Hofoper, Wien, Mahler),
das anmutige Tanz- und Singspiel „Der Totentanz“ (1905
Dessau, Mikorey), das Musikdrama „Der Tell“ (Wien 1917
Volksoper, Auderieth), „in dessen Partitur sich der reife,
kenntnisreiche Meister zeigt“. (Karl' Schreder Wien.)
Die bedeutsame Opernfolge lenkte die Aufmerksam—
keit der Chor⸗ und Musikvereinigungen auf die orato—
rischen Schöpfisungen des Tondichters. Das populärste,
meistaufgeführte dieser Werke blieb bisher das erschütternde
„Requiem“, die Offenbarung eines mit künstlerischer Sicher⸗
heit formenden absoluten Musikers (Wien 1904 unter

Büste Josef Reiters im Mozarteum in Salzbura.

Mikoreyh München.
            
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