Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 192 PPPPxrVeVupeetrue.

422*

zerzesphitlhh Saar-Sänger-Bund IIIIIIIVPhlsertuonnp.ra:: heunenenzegrzuspupepunrsttih Nr.

Heinrich Fink mit seinem Ehor.
er Nachfolger seines Lehrers in Innsbruck und dann Kapell—
meister in München; um 1555 scheint er gestorben zu sein.
Seine kompositorische Begabung entfaltete sich auf zwei
Gebieten des Chores: in der Vertonung lateinischer, zumeist
Horazischer Oden wie Hofhaymer, mit dem er auch zu—
sammenarbeitete, und in den herrlichen deutschen Gemeinde—
zesängen. Hier schätzt ihn Martin Luther aufs höchste, der,
selbst auch Komponist, beim Hören eines Werkes von Senfl
ausrief: „Eine solche Motette vermöchte ich nicht zu machen
wenn ich mich auch zerreißen sollte.“ In der Chormusik
jener Zeit war es (hauptsächlich bei den Niederländern
üblich, eine überkommene, bekannte, geistliche oder welt—
liche Melodie als sog. „Cantus firmus“ in die Mittelstimmen
zu legen und an diesem Pfeiler die anderen Stimmen sich
in meist kanonischer Weise emporranken zu lassen; in dieser
Kunstform ist Senfl einer der Größten. Besonders bekannt
und beliebt ist eine kanonische Bearbeitung des alten
„Christ ist erstanden“ und ein sechsstimmiger Satz: „Also
heilig ist der Tag“.
Die von Luther neu belebte Liturgie fand in einer ganzen
Reihe von bedeutenden Komponisten wertvolle Ausdeuter:
die meisten von ihnen haben auch ausgezeichnete weltliche
Lieder hinterlassen, die oftmals eine Fundgrube von natür—
lichen und volkstümlichen Melodien sind; Luther selbst
hat ja auf die leichte Eingängigkeit der Melodie großen
Wert gelegt. Es sind zumeist spätere Zeitgenossen von
Senfl. Hier seien nur erwähnt: Gregor Lange, dessen
„neue deutsche Lieder mit drehyen Stimmen“ manche Perle
enthalten, Jakob Regnart, der Wiener Kapellmeister, mit
seinen dreistimmigen „kurzweiligen teutschen Liedern“, die
ungeheuren Anklang fanden und von denen einige in den
evangelischen Gemeindechoral übergegangen sind Ferner
Kaspar Othmayr, ein vorzüglicher Künstler, lebte zur
gleichen Zeit in Nürnberg, wie der zu Unrecht halb ver—
gessene Meister Leonhard Lechner, der, in Tirol geboren
später Lehrer in Nürnberg geworden ist; nach einem
fahrtenreichen Leben starb er 1606 in Stuttgart als Hof—
kapellmeister. Seine „deutschen Sprüche von Leben und
Tod“ gehören zum Hervorragendsten und Tiefsten, was je
für Itimmigen gem. Chor geschrieben wurde, sie erreichen
die Größe der drei bedeutendsten Chorkomponisten über—
haupt: Palestrina, Lassus und Hans Leo Haßler. Diese
nämlich haben den herrlichsten Besitz der Chormusik begründet
Giovanni Pierluigi,
nach seinem Geburtsort kurzweg Palestrina genannt,
wurde der Brennpunkt des ganzen römischen Musiklebens
des 16. Jahrhunderts und das Vorbild aller Chorkompo—
nisten. 1526 Kapellmeister an St. Peter in Rom, wurde
er 1565 zum päpstlichen Komponisten ernannt, und 1571
erhielt er die gesamte Oberleitung der Musik in St. Peter,
die er bis zu seinem Tode 1591 behaupteéete. In ihm er—
reicht die Chormusik der vergangenen Jahrhunderte einen
Höhepunkt, alle Stilarten verschmelzen in seiner Musik zum
Ideal des A-cçcappella-Klangs und einer natürlichen und
immer edeln Stimmführung. Seine Behandlung der litur—
gischen Musik der kath. Kirche ist beispielgebend für alle
Zeiten gemorden. Hier kann nicht näher darauf einde—

—

Giovanni Pierluigi, Palestrina.
gangen werden. Doch hinterließ uns Palestrina auch ein
baar Bücher weltliche Madrigale, jene köstlichen Kunstlieder
ür einen gepflegten Chor. Kein Chorführer, der gute
geistliche und weltliche Musik bieten will, kann an seinen
Werken vorübergehen. Doch erfordert die Aufführung
nancher nur scheinbar leichter Werke ein außerordentlich
einfühliges Eingehen auf die Feinheiten der Tongebung;
an einem kleinen Palestrina-Satz muß oft viel länger
tudiert werden, als an einem großen Chorwerk etwa der
Romantik. Was an edlem Klang geleistet werden kann, ist
bei ihm geleistet, feinste melodische Linie verbindet sich
zufs glücklichste mit vornehmem akkordischen Zusammen—
lang. Er wird oft als ein princeps musicae — ein Fürst
der Musik bezeichnet und alle Zeiten haben von seiner
Kunst zu lernen. — Eine schöne Parallele zu seinem Schas—
fen stellt der ihm ebenbürtige
Orlandus Lassus
dar. Er ist im Hennegau (zu Mons) etwa 1530 geboren,
bereiste früh Italien, England und Frankreich und wurde
1556 als Hofkapellmeister in München der Nachfolger
dudwig Senfls; diese Stellung hat er bis zu seinem Tode
1594 behalten. In seiner Musik verleugnet er nie seine
niederländische Abstammung, denn bei ihm hat manchmal
die absolut polyphone Stimmführung den Vorrang vor
der natürlichen Melodie und dem klaren harmonischen Bau
Mit einer Fruchtbarkeit begabt, wie kaum ein anderer, hat
er uns etwa 1400 größere und über 200 kleinere Chör—
werke, sowohl kirchliche wie weltliche hinterlassen. Verkör—
pert Palestrina ganz. den edelsten Typus der romanischen
Musik, so stellt Läasso eine glückliche Vereinigung von
romanischer und germanischer Kunst seiner Zeit' dar. Be—
deutend kraftvoller und herber ist sein Klang als der des
oßen italienischen Zeitgenossen, und in der weltlichen
Musik war er weit vielseitiger als jener. Für alle mög—
lichen Gelegenheiten festlichen und intimen Charakters
existiert Musik von ihm, so daß man bedauern möchte, daß
erst im 17. Jahrhundert die Kunstform der Oper allge—
meine Bedeutung erlangte, denn Lassus wäre sicher ein
hervorragender Musikdramatiker geworden. Dies zugt sich
auch in seiner häufig realistisch' anmutenden Musik, die
in dramatischen Momenten chromatische Wendungen auf—
sucht und bevorzugt, ganz im Gegensaß zu Palestrina, der
diese dramatischen Kunstmittel als dem kirchlichen Stil
nicht entsprechend. konseguent meidet und mit woenigen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.