Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 190 IIIIt lll Saar⸗-Sänger-Bund IIIBit V
neuartiger Melodik, in neuartiger Verlagerung der ein- gesellen“ oder „Tummel Dich, gut's Weinlein“ sind, wie
zelnen Stimmen zueinander, hinter dem zunächst das noch andere seiner Chöre, geeignet, als erste Aufgabe zur
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nung an das Aeußere, das von, dem J rneg Vereinen vorgesetzt zu werden. uch Haenn a öre
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Herbheit, die dem Geschauten, Gefühlten und Gestalteten — we — ieni
jenen Stempel echter Waährhaftigkeit verleiht, der der alten ostlichen Gesfänge,Der Weise⸗ oder Hons“ ging zum
sentimental-schmalzigen Literatur abging. Wer also der — Iber dann erst Erin'se drunn
neuen Musik die Seele abspricht, der gebe sich erst die e wen * sand. Ganz here
Mühe sie zu suchen. Wer aber gleich nach dem ersten dem viel zu wenig auf dem Brogramm stand. anz herr⸗
Sbrren sich Ablallige zu urteilen uünterfaängt, dem seiale üch ist seine Bearbeitung des Alhertschen „Du mein einzig
—— dicht“ oder der „Deutsche Tanz“. Die reizende „Nachti—
Warnungsschild eine Tafel vor die Nase gehalten, auf der U od J iedhof“, ein Satz von überirdif Schön⸗
die Namen all der Bedimessernaturen prangen, die gegen on doe d ein Satz, 3 run her
einen Mozart, Beethoven, und vor allem Wagner Sturm F —— es wert gewesen, in jedem Konzert gesungen
gelaufen sind, über deren Köpfe hinweg aber das Neue on
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die Lächerlichkeit, den Spott der Nachwelt.
Dieienigen vollends, die von vornherein mit skeptischen
Gefühlen in die Konzerte der Leipziger gingen, die müß—
ten, so es die überhaupt noch im Bunde gibt, noch einige
nhonen weiter verfrachtet werden, als es Dr. Bongard
will!!
Wer ablehnen zu müssen glaubt, der warte und höre
noch einmal, noch mehrmals.
Armin Knab stand im Vordergrund in den Konzerten
der Leipziger. wenigstens in denen, die ich hörte (Saarlouis
und Saarbrücken). Er wird in seiner Neuartigkeit vielleicht
etwas überschätzt. so etwa seine gar nicht „neuen“, son—
dern vor 20 Jahren schon möglichen Sololieder, dann das
noch ganz romantisch weiche „O Lied“, das vielen gerade
deswegen sicher gefallen hat. Aber das markige „Berg—
arbeiterlied'. das den Bässen die Melodie zuweist in einer
so prachtvoll neuen Weise, gegen die nur dieienigen Ein—
wendungen erheben können, die die alte kitschige Art des
solistischen 1. Basses mit entsprechender Tenorbegleitung
nicht aus den Knochen kriegen. hat in sich den schweren
Schritt des Bergmanns von heute, ist von seinem Fleisch
und Blut. Ganz ähnlich, nur weicher und besinnlicher ist
auch „Die stille Stadt“ Von Walter Rein ist „Tod
und Schlaf“ eine zarte, sensible Weise. die so recht der
Eigenart des Kammerchors entspricht. Reins besonderes
Feld. die volkstümlich heiteren Gesänge, seien es nun Volks
liedsätze wie „Schwefelhölzle“, oder Originalsätze wie „Jund

Das Auftreten des Leipziger Kammerchores ist auch des—
halb von so großer Bedeutsamkeit. als er uns nichts Un—
mögliches vormachte. sondern durchaus im Rahmen des vor
unsern bessern Chören Exreichbaren blieee
Dr. Ernst Stilz.

wieder gegen den Rhein zog, da war das Ledersäcklein
worin die Empfehlungsbriefe gewesen. mit Louisdors ge—
füllt — alles durch die Protektion des Frachtfuhrmanns
hinter der Martinskirche.“
Der Kapuziner hatte kaum das letzte Wort gesprochen,
so klopfte es an die Türe. „Herein!“
Der Stadtpfeifer stand wie vom Schlage gerührt: der
Fürst selher war es der eintrat, und hinter ihm Neu—
bauer, so nüchtern wie möglich, im ziegelroken Sonntagsrock
„Ich muß unsern Schützenkönig einmal in seiner hohen
Residenz besuchen.“ rief der Fürst. dem Stadtpfeifer herz⸗
lich die Hand schüttelnd „Daß Er im Schießen ein Wunder—
täter. habe ich ehevorgestern gesehen; nun erzählt mir mein
neuer Hofkapellmeister Neubauer“ — Frau Christine macht
gewaltig großze Augen bei diesem Wort — „daß Er und
sein Friedrich auch in der Musik wahre Wuündermenschen
seiet, daß Ihr, gleichsam als musikalisches Zwillingspaar
Zuette geigtet, wie man sie in Wien nicht hören könne
Er nannte euch beide die größte Merkwürdigkeit. die
gegenwärtig in Weilhurg existiere. So bin ich denn alsbald
auf euern Turm gestiegen. damit man mir nicht nachsage
ich suche das Schönste in der Ferne, während ich es doch
in meinem eigenen Schlofsse habe.“
Der Stadtpfeifer stand regungssos wie ein Türpfosten
während dieser Anrede — er war ja in Hemdärmeln! Außer
dem, Staatsrock. worin der neue Hofkapellmeister vrangte
besaß er nur noch ein ganzes und ein zerrissenes Kamifol.
beide für die Werktage bestimmt. und ein Kamisol konnte
er doch nicht eigens zu Ehren des fürstlichen Besuches an—
ziehen!? zw
Christine hatte schon zweimal Neubauer am Aermel ge⸗
rzupft. ihn hittend und heschwörend. daß er in die Seiten—

kammer gehen und ihrem Manne den roten Rock ausliefern
möge. Vergebens! Er blieb taub!
Der Fürst ließ Friedrich herbeirufen und unterhielt sich
eine Weile freundlich mit dem Jungen. „Nun zu den
Geigen!“ rief er dann mit erhobener Stimme. .Ich möchte
auch eines von den schönen Duetten hören, Stadtypfeifer,
und bitte meines Vetters, des Herrn Schützenkönig Liebden
mit rechtem empressement um diese Gunst.“
Der Stadtpfeifer blieb regunaslos und schweigend wie
vorher und gab nur zuweilen durch tiefe Verbeuganngen
ein Lebenszeichen von sich. Während der Fürst mit Friedrich
prach. hatte er gegen Neubauer halblaut hinübergerufen:
„Gebt mir meinen Rock! Hört! Meinen Rock! Den Rock
oder ich schlage euch nachher Arme und Beine entzwei!“
Der Fürst hlickte den versteinerten Stadtpfeifer staunend
an. Da trat Neubauer mit zierlicher Verbeugung vor und
Prach: „Ich erzählte Ew. Durchlaucht schon, daß mein
Freund die Grille hat, nur bei verschlossener Türe zu
geigen, daß er nur im Duett ein Meister ist, keinesmegs
aber wenn er allein spielt. Ich vergaß noch eine andere
igenheit. Er kann nur in Hemdärmeln so vortrefflich
spielen; sobald er den Rock anzieht wird die Geigenhal—
tung unsicher, der Bogenstrich steif. Ich hitte darum meinen
anädigsten Herrn in meines Freundes Namen., ihm für die
Ablegung der ersten Probe seiner Kunst vor einem so
hohen Kenner zu dem übrigen auch noch die Hemdärmel
nachzusehen.“ — *
Der Fürst lachte herzlich. „Die Bitte ist gewährt.“ Was
doch so einem Musiker für Ratten durch den Kopf laufen!
Aber flugs zu den Geigen! Stadtvfeifer, ich verlange vie
von einem Duett in Hemdärmeln!“
Goöorfsekund fosot
            
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