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rr d aen gewonnen. Und endlich das reizende
wiefelchen und Turu-Me von Werner Bergen—
gruen, Einband und Bilder von Fritz Kredel, Preis 0,85
Mark. Eine hübsche abenteuerliche Zigeunergeschichte für
unsere Kleinen.
Schließen wir mit drei vortrefflichen Neuerscheinungen
des Verlags Ernst Wunderlich, Leipzig. Zuerst: Hermann
Roß, der Bahnwärterjunge, ein Jugendleben an der
Schienenstraße von Paul Maede, Preis brosch. 2,50 M.,
gebd. 3,40 M. Unsere Jugend wird von der Eisenbahn—
romantik dieses spannenden Buches lebhaft erfaßt werden
und sich durch den Bahnwärterbuben Hermann gern über
Leben und Treiben am Schienenstrang, namentlich über die
Gefahren, wenn die Heide brennt oder das Läutewerk ver—
sagt, unterrichten lassen. Ebenfalls dem Verkehrswesen ge
widmet: Vom Luftballon zum Zeppelin, ein
Stück Menschenarbeit den Kindern erzählt von Rober!
Theuermeister, mit 31 Bildern im Text und J Titelbild
ullJ Saar⸗Sänger⸗Bund
Preis brosch. 3 M., gebd. 4 M. In kindertümlicher Sprache
vird hier ein bedeutsames Stück deutschen Erfinderschick—
jals gezeichnet: die Geschichte des Freiballons, des Fessel—
dallons, des lenkbaren Luftschiffes. Wir hören dann vom
ersten Zeppelinbesuch in Berlin bis zur Ueberquerung der
Dzeane unter Dr. Eckener. Erfreulich ist überall auch das
menschliche Bild gemalt. Es ist sicher, daß dieses zeit—
gemäße Werk ohne besondere Empfehlung seinen Weg
machen wird. Endigen wir unsere Hinweise mit den Tier
märchen, für die Jugend ausgewählt vom Hamburger
Schriften-Ausschuß, Preis gebd. 420 M. Hier geben sich
zum Ergötzen unserer Jugend alle ein Stelldichein: Katze
und Maus, Fuchs und Wolf, Storch und Hahn, der Bär,
die Schlange und der Swienegel. Erste Autoren sind die
Verfasser von Grimm bis Mörike!
Möchten in unsern Häusern diese Weih
dachtsbücher überall rechte Weihnachts
freude wecken! H. Helmig.
nul Nr. 9
Rleinkind
unöü Musik.
Hans chen stand weinend vor der Schultür und fragte
den zuspätkommenden Peter, wieviel Sinne der Mensch
habe. Dieser antwortete: fünf. Da sagte Hänschen: „Laß
Dich gar nicht mit nur fünf Sinnen in der Klasse blicken!
Mich hat der Lehrer schon herausgeworfen, weil ich ihm
gesagt habe, der Mensch habe sechs Sinne!“
Nun hat die neuere Psychologie längst nachgewiesen,
daß die ehrwürdige Fünfzahl der Sinne, mit der wir alten
Leute noch geboren sind und schließlich zufrieden sein
müssen, durch die jüngste Forschung weit überschritten
wurden. Es gibt u. a. einen Bewegungs- und Lagesinn,
einen Druck-⸗, Temperatur- und Schmerzsinn, den Gleich—
gewichtssinn, dazu die Organsinne: Hunger und Durst, und
endlich Geschmack, Geruch, Gehör und Gesicht. Die Klein—
kinderforschung hat nun gezeigt, daß ein neuge—
borenes Kind wohl mit allen Sinnesapparaten geboren
wird, daß es aber erst allmählich zu ihrer Aktivierung
kommt. Schritt vor Schritt erwacht das Sinnesleben,
arsiet or Schritt erobert das Kind mit seinen Sinnen
ie Welt.
Die Rässelchen- und Schellchenperiode ist längst überwunden:
nun treden Trommel, Pfeife und das Hämmerchenklavier,
das Xylophon, in ihre Rechte. Wahrlich das Kind wäre
in der Welt der Klänge nicht so rasch zu Hause, wenn ihm
nicht Gott selbst zu seiner Lebenswanderung gewissermaßen
die Zauberflöte mitgegeben hätte!
Außerordentlich interessant belehrt uns die Sexual—
»Jychologie über die verschiedene Einstellung der Ge—
chlechter zur akustischen Welt. Im Babyalter spielen noch
Knabe und Mädchen gleicherweise mit der Klapper, dem
Teddybär — er ist übrigens oft auch musikalisch — und
nit Puppe und Ball. Bald zeigen sich — etwa im dritten
Jahre — die ersten Geschlechtseigentümlichkeiten. Die Puppe
vird in der Hand des Knaben zur Waffe, ein Klotz in
der Hand des Mädchen zur Puppe. Das Mädchen ver—
rürzt in der „Probe“ beim Ballspiel den Bewegungs—
nadius, dem Knaben kann der Ball nicht weit genug
Jiegen. Das Mädchen schmückt sich mit Sonntagskleidern
und Schleifen, der Knabe fühlt sich im Sonntagsanzug
recht ungemütlich und weist ein Schleifchen im Haar, das
man ihm scherzhaft einbinden wollte, entrüstet zurück. Das
Mädchen schont Spitzenröckchen und Schühchen auch auf
ichmutziger Straße, der Knabe findet auf trockenem Wege
noch die eine übriggebliebene Pfütze, um ja recht kräftig
hineinzupatschen. Und so hat man festgestellt, daß Drei—
sährige, noch ehe sie recht der Sprache mächtig sind, nach
Beschlecht verschiedene Einstellung zur Welt der Töne haben
Die Geschmacksrichtung des Knaben richtet sich auf leb—
haften, kriegerischen, marschmäßigen, heldenhaften Rhyth—
mus, die des Mädchen auf wiegende, liebliche, rührende
Melodien. Charlotte Bühler nennt in ihren Untersuchungen
„Ich hatt' einen Kameraden, Deutschland über alles, Das
Wandern ist des Müllers Lust. Mit dem Pfeil, dem Bogen“
als von Knaben begehrte Lieder, und „Es lächelt der See“,
das der Knabe durchaus ablehnt, ferner „Die Loreley,
deise zieht durch mein Gemüt, Stille Nacht, Leise, leise,
romme Weise“ als vom Mädchen begehrte Lieder. Es
vird Aufgabe der Erziehung sein, das Mädchen vor Ver—
siimpelung und Versüßlichung des Geschmacks zu bewaäahren,
den Knaben vor Ueberschätzung des Lauten, Rauhen
Kriegsmäßigen.
Wer wie wir die Bedeutung der Musik für Geist
und Gemüt, für Individuum und Gesellschaft, erkannt hat,
vird an diesen Forschungsergebnissen der Kleinkinderpsycho—
logie nicht achtlos vorübergehen wollen. Es ist von größter
Wichtigkeit, daß Familie und Kindergarten bereifkstehen,
die musikalischen Kräfte im Kinde zu entwickeln und in
sinnvolle Bahnen zu lenken. Dabei mögen sie sich wohl
hüten vor der Abrichtung zu sogenannten Wunderkindern
Walther Stein.
Ziemlich früh reagiert das Kind auf Geräusche und Töne,
also auf akustische, auf Gehöreindrücke. Hier findet
das Kind vielleicht zuerst den Weg von der einfächen Reiz—
hinnahme zur Reaktion. Es fährt zunächst mit dem ganzen
Körper zusammen, dann autwortet es auf akustische Reize
durch Hinwenden des Kopfes zur Schallquelle, alsbald ant—
wortet es auf den Gehörsreiz in sogenannter positiver
Reaktion, d. h. mit deutlichen Zeichen der Lust. Im Fort—
schritt seiner Entwicklung ordnet es die Gehörsreize in
angenehm und unangenehm, in laut und leise, in Knall
und Klingel, Sprache und Klang, Rässelchen und Lied. Die
Welt der akustischen Reize, vokaler und instrumentaler, die
auf das Kind einstürmt, differenziert es. Aber es beteiligt
sich frühzeitig auch aktiv an der Hervorbringung von Ge—
räuschen und Tönen — zur Belustigung, oft genug auch
zum Schrecken der Eltern! Im Laufalter beginnt es, Töné
mit Händen und Füßen, mit Löffel und Stäbchen zu rhyth—
mieren, nachdem es aus hundert Kinderreimchen und Kinder—
liedchen den Reiz des Rhythmus erfahren hat. Und es
dauert dann nicht lange, und es bildet die ersten Liedchen
nach, erst lallend, dann singend, oft durch rhythmisches
Klopfen auch instrumental begleitend. Ja, es spricht seine
Sätzchen im Liedton vor sich hin und gelangt so zu seinen
ersten Kompositionen! Man hat beobachtet, wie ein Arbeiter—
kind den ersten Teil eines Liedchens vor sich hin sang und
als es nicht mehr weiter konnte, abbrach, während ein
Musikerkind dasselbe Liedchen, als es nicht mehr weiter
konnte, selbständig aus sich weiterführte! Bald vermehr
sich das Arsenal — man kann im Frieden des Hauses
sicher oft von einem Arsenal reden — der Instrumente
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FLuduis Zinke
— — — — — — — — —— Manmerszte. 50. Telefon 225 37 /38