Full text : 10.1932-1933 (0010)

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schwingt worden. Mit jubelndem Frohlocken künden es
in leuchtenden Farben die großen Italiener, mit tiefer
gläubiger Inbrunst die Meister der deutschen Renais—
sance. Ueber Fritz von Uhde, Hans Thoma, Wilhelm
Steinhausen und Eduard von Gebhard reicht ein Maler—
geschlecht andachtsvoll den Pinsel weiter in die Gegen—
wart hinein. Eben erzählt in entzückenden, weihevollen
Bildern Josef Madlener unter dem Titel „Die erstbte
Weihnacht“, Verlag Josef Müller, München, „Die Ge—
schichten vom lieben Christkindlein“. Die ganze wunder—
same Mär wird da ergreifend vergegenwärtigt: Mariä
Verkündigung und Heimsuchung, der schwere Gang nach
Bethlehem, das Herbergsuchen, die Geburt im armen
Stall, die Verkündigung der Engel, der erste Metten—
gang, die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland
an der Krippe, die Flucht nach Aegypten und die Ruhe
auf der Flucht und endlich die Heilige Familie in
Nazareth. Ein wunderbarer farbiger Aufruf an die
Menschen unserer Tage zur alten Gotteskindschaft!
Und wie hat die Musik zu allen Zeiten dem Hei—
ligen Christ ihre Huldigung dargebracht: in Weihnachts—

III Saar⸗Sänger-Bund IPph Nr.
oratorien, Kantaten, Motetten, Chorälen und geist—
sichen Volksliedern! Das singt und klingt in Domen,
Kirchen und Kapellen, in Schulen und Vereinen, in
Palästen und Hütten! Auch unsere Bundesvereine fin—
den sich je und je zu Weihnachtsfeiern zusammen
Hdauptsorge muß sein, daß nicht durch kitschige Weih—
nachtsaufführungen, durch weltliche Lieder, vielleicht
gar humoristischen Einschlags, durch Verlosungen —
nur solche von guten Büchern und Bildern und der—
gleichen erscheinen gerechtfertigt —, durch Bier, Tabaks
qualm und Ball die unaussprechbare Würde der Hei—
ligen Weihnacht verletzt wird. Unsere Sängerführer
müssen sich der Kulturmission des deutschen Liedes be—
wußt bleiben und sich in echt volkserzieherischem Geiste
als Treuhänder der geistigen Güter unseres. Volkes
fühlen!
Der Bundesvorstand des Saar-Sänger-Bundes ent—
bietet allen Bundesvereinen zur Heiligen Weihnacht
und an der Schwelle des neuen Jahres die herzlichsten
Brüsßße und Wünsche! Walther Stein.

5tille Nacht —

Heilige Nacht.

Ru Arnsdorf im Salzburgischen liest man am alten
9 Schulhause auf einer Gedenktafel:
„Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wer hat dich, o Lied, gemacht?
Mohr hat mich so schön erdacht,
Gruber zu Gehör gebracht,
Priester und Lehrer vereint.“
Diese Gedenktafel erinnert an das Zusammenwirken
Mohrs und Grubers an dem schönen Weihnachtslied.
Weihnachten 1818 stand vor der Türe. Die sonst so
friedliche Salzach hatte durch eine große Ueberschwem—
mung das Salzburger Land heimgesucht. Selbst vor
der Orgel in der alten Pfarrkirche zu Oberndorf, wo
Josef Mohr als junger Hilfsgeistlicher amtierte
hatten die Fluten nicht Halt gemacht. Die Orgel ver—
sagte ob des Unglücks den Dienst, und man hielt in
der auf dem höheren Friedhof gelegenen Nikolaikapelle,
die ohne Orgel war, den Gottesdienst ab. Dieses war
für Josef Mohr, der gerade auf die musikalische Aus—
schmückung zu Weihnachten großen Wert legte, ein
harter Schlag. Da fielen ihm in glücklicher Stunde die
Worte ein zu dem anmutigen Gedicht: Stille Nacht
Das Lied war gedichtet, aber noch fehlte ihm die
Melodie. Da dachte der junge Priester an seinen
jungen Lehrerfreund Franz Gruber in dem be—
nachbarten Arnsdorf. In der Frühe des 24. Dezember
machte Mohr sich auf den Weg zu seinem Freund
Gruber staunte ob der schlichten Schönheit dieser Verse
und nach kurzer Zeit hatte er die weihevollen Töne
gefunden, die uns alljährlich zurückführen ins selige
Kinderland. In der Christmette 1818 erklingt das
Lied zum erstenmal. Mohr singt als Tenor die erste
Stimme, Gruber den Baß, und er begleitet das Lied
auf der Gitarre mit leisen, harfenden Akkorden, wäh—
rend den Kehrreim die Mitglieder des Chores singen
So ward das Lied geboren, das einen großen Sieges—
zug durch die deutschen Lande antreten sollte. Vor—
ahnend sagte Grubers Frau auf dem Heimweg durch
die weihnachtliche Winternacht: „Franzl, das Lied
wird man noch singen, wenn wir längst gestorben sind“

Lange Zeit war man über Dichter und Komponist
im Dunkeln. Erst dem Chormeister und Volkslieder—
sammler Ludwig Erk und dem Berliner Schriftsteller
 Otto Franz Gensichen sollte es gelingen
das Dunkel zu lichten und sowohl den Namen des
Dichters wie den des Komponisten einer unverdienten
Vergessenheit zu entreißen. Gensichen hat im Salz—
burger Land alle ihm zugänglichen Archive, Kirchen
hbücher und Ortschroniken durchforscht, bis es ihm nach
zahrelanger Arbeit gelang, den Priester Joseph Mohr
zeboren am 11. Dezember 1792 zu Salzburg, ge—
storben zu Wagrein im Pongau am 4. Dezember 1848
als den Verfasser des Gedichtes, und den Lehrer Franz
aver Gruber, geboren am 15. November 1787 zu
Unterweizberg, Pfarrei Hochburg im Innviertel, ge—
storben zu Hallein am 7. Juni 1863 als Organist und
Chordirigent als den Schöpfer der Singweise festzu—
stellen. Nicht weit von der Kirche zu Hochburg steht
auf einem benachbarten Hause auf einer Marmortafel
„Geburtshaus des Komponisten Franz Xaver Gruber,
und eine Zeile darunter ist noch zu lesen: „Gedenktafel
um Schulhaus“, und auf dieser steht: „Andenken an den
Komponisten des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“, ge—
vidmet von seinen Verehrern 1900.“ Einzelne Musik—
historiker schrieben die Melodie irrtümlich Michael
Haydn, einem Bruder des großen Josef Haydn, zu,
der sie etwa 1800 in Salzburg, wo er zu jener Zeit
erzbischöflicher Kapellmeister war, geschaffen haben
sollte; andere bezeichnen sie ebenso irrtümlich als ein
Tiroler Volkslied. Es sollte nämlich von dem Orgel—
dauer Mauracher nach Tirol gebracht worden sein. Der
ilteste Abdruck des Liedes erschien 1840 in Dresden
unter dem Titel: „Vier echte Tiroler Lieder für eine
Singstimme, gesungen von den Geschwistern Strasser
aus dem Zillertal.“ Diese Tiroler, Amalie, Karoline,
Joseph und Andreas Strasser aus Leimach im Ziller—
tal, waren Handschuhhändler, die mit ihren Waren die
Messen und Märkte der größten mittel- und norddeut—
schen Städte besuchten und zuqleich als ungewöhnlick
            
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