Full text : 10.1932-1933 (0010)

—A

7571*

»uPPhul Saar⸗Sänger-Bund IIUPphusuminin
Zie sehen also, meine lieben Kollegen, welcher Reichtum
»on Gedanken, ja wie das ganze ABCunserer
Dirigententätigkeit in diesem Aufsatz unseres
dollegen M. Beck steckt. Sie sehen aber auch, nach welchem
sohen Ziel wir zu streben haben. Erreichen wir dies, dann
ind oder werden wir Künstler, die Temperament haben,
enn: „Temperament und Künstlertum sind un—
ertrennlich. Beide sind in erster Linie Gaben des Herzens
uind weniger des Verstandes.“ Dann fallen auch die kleinen
uind großen üblen Angewohnheiten weg, die der Verfasser
o schonungslos geißelt.
Meine lieben Kollegen, ich komme zum Schluß. Nehmen
Zie es bitte einem alten, bald 72jährigen Dirigenten nicht
ibel, wenn er mit jungem Sängerherzen aus reinster Freude
im Männergesang vorstehende Worte an Sie richtet. Die
„chlußworte unseres Freundes Beck möchte ich nachdrücklichst
interstreichen: „Ein schönes Werk schön aufgeführt zu
zaben, sei sein größter Triumph; und im berechtigten Er—
olg des Komponisten erblicke er seinen eigenen Erfolg. Das
st Lohn, der reichlich lohnet, und je größer die Be—
scheidenheit ist, mit der seine Person hinter
das Werk zurücktritt, desto größer die An—
erkennung bei allen wirklichen Musik—
reunden.
Idar (Nahe).

rereunshhiht Nr. 1

nancher Konzerte, so finden Sie dies leider nachdrücklichst
hestätigt. Leider müssen wir auch bekennen, daß die Haupt—
chuld hierfür meistens auf die Dixigenten fällt. Nicht ver—
chweigen möchte ich, daß es auch Dirigenten gibt — eigene
Erfahrung bestätigt es mir —, die gern das neue Land
hetreten möchten, aber sie werden meist vom Vorstand ab—
gehalten. Da fallen die Worte: „Die alten Noten sind im
Schrank, kosten nichts mehr, die neuen müssen bezahlt wer—
den, oder — wir haben vor 20 Jahren schon schön ge—
ungen, warum sollen diese Lieder heute nicht mehr schön
ein?!“ Trotz allem können wir nicht stehen bleiben, wir
müssen weiter, darum zielbewußte Aus- uUnd Weiter—
bildung der Dirigenten, denn wir Dirigenten haben
das Wohl unseres Vereins und schließlich sogar unseres
ganzen Bundes in den Händen. Wenn nun weiter gefagt
ist, daß die „stärkere Heranziehung der Ju—
gend“ auch damit zusammenhängt, so kann ich Ihnen, liebe
Kollegen, folgendes mitteilen: Ich kenne einen größeren
Ort — der Name tut nichts zur Sache — in welchem drei
Vereine bestehen. Der eine singt schön längere Zeit nicht,
der andere wird immer kleiner, weil er nur Sächelchen —
das wurde mir so gesagt — singt, der dritte Verein hat
sich frühzeitig umgestellt: neben güten älteren Sachen, Neu—.
mann, Hegar usw., singt er neure Kompositionen und siehe
da, dieser Verein hat jungen Zuwachs erhalten und noch
veiterhin zu erwarten. Unsere Jugend will nicht passiv
sein, sie will mitarbeiten, sie will nicht immer Objekt blei—
ben, sondern auch Subjekt werden, und unsere alten Sänger
nüssen nicht den Standpunkt vertreten, bei dem es heißt:
„Du junges Mitglied hast noch nichts zu sagen, werde mal erst
älter!“ Der Generationsgegensatz könnte und sollte gerade
'n unseren Gesangvereinen mit den Bildungs- und Er
ziehungsmitteln des Chorsingens ausgeglichen werden. Dann,
iebe Kollegen, möchte ich Sie noch besonders auf die schönen
Worte hinweisen, die unser Vorsitzender den Erwerbs—
lossen widmet, denn diese wollen „keine besondere Kaste
werden, sondern Volksgenossen im vollen Sinne des Wortes
bleiben“. Nehmen Sie sich ihrer mit besonderer Liebe an!
Nun möchte ich noch einige Augenblicke bei dem zweiten
Aufsatz verweilen, Denn wir Dirigenten sind es ganz allein,
an die sich der Verfasser wendet. Dirigent' sein, heißt
Nachschaffender sein. Wir dürfen nicht zum Einpauker
herabsinken. „Die wahre Gestalt des Tonwerkes erscheinen
zu lassen, ist die heilige Aufgabe, und sie vollbracht zu
haben, der einzig ehrliche, ja der einzig mögliche Ruhm
des Dirigenten.“ Meine lieben Kollegen, liegt hierin nicht
die ganze Kunst, ja das ganze Geheimnis unserer Tatig—
keit? Aber nun kommt die zweite Frage: Wie kommen
vir hinter dieses Geheimnis? Antwort: Wir müssen die
Partitur studieren. Wir fragen uns: Was will der dichter
des Textes uns sagen, mit welchen Mitteln bringt der
Komponist dies zum Ausdruck? Und nun kommen die ein—
zelnen Punkte: Tempo, Dynamik, Aussprache, Deklamation,
Auffassung. Von der Schwierigkeit sprechen wir am besten
nicht, diese überwinden wir am besten, wenn der Sänger
nicht darauf aufmerksam gemacht wird. Zwischendurch gibt
es noch kleine, minutenlange technische Uebuͤngen Fin
rohes freundliches Gesicht darf nicht fehlen, eintge mun—
lere Bemerkungen tun Wunder, und so ist, wenn auch noch
musßitgalische Begabung und pädagogisches
Ta in uns Dirigenten fieckt, die Arbeit dald getan.

Ihr ergebener
—A
Inhaber des goldenen Dirigentendiploms

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