Full text : 10.1932-1933 (0010)

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chorkonzerten? Heute noch, obwohl die Konzerte meist sehr
sorgfältig vorbereitet sind, hochwertige Literatur zum
Klingen bringen und tatsächlich eine Feststunde, eine Stunde
Herzenserhebung bedeuten? Und auch die Frauen aus
diesen Kreisen sollten den Glockenschlag der Zeit nicht über—
hören! Der schaffende Mann ist es wert, daß man den
Darbietungen lauscht, an die er oft den Fleiß vieler Mo—
nate, an die er sein Herz gehängt hat. Wir sind der ge—
samten Presse im Saargebiet aufrichtig dankbar, daß
sie unsere Sängerbewegung so ernst nimmt. Ihre Ver—
treter fehlen, das kann ich ruhig behaupten, wenn sie ge—
laden werden, nie. Die beiden größten saarländischen
Zeitungen hatten ihre Fachvertreter zum Bundestag nach
Mainz gesandt! Die Sängerschaft ist zu arm, als daß
dies aus geschäftlichen Rücksichten geschehen wäre!
Dieses starke, lebendige Interesse können wir natürlich
nur beanspruchen, wenn wir unentwegt schaffen. Wir

uillll Saar⸗Sänger⸗Bund Jun

RUllll Nr.

müssen in unserer Kulturarbeit unermüdlich sein. Der
Bund läßt es wahrhaftig an Anregungen nicht fehlen:
Aufsätze der Bundeszeitschrift, Wertungssingen, Musikaus—
schußsitzungen und Dirigententage, Chormeisterkurse, per—
sönliche Beratungen Dienstag nachmittags im Bundesbüro
durch den Bundeschormeister, Ladung von Musterchören,
Ausschuß für Chorliteratur, Partituren-Archiv, Vorträge
fachmännische Besuche in Proben! Jetzt kommt es nur
darauf an, daß Chormeister, Vorstände und Sänger Ohr
und Herz weit aufschließen. Stillstand ist Rückgang. Wir
müssen in unserem armen, zersplitterten Volk eine Ein—
heitsfront aller noch für Ideale Kämpfen—
den bilden. Ein Narr, wer da meint, unsere Sänger
bewegung habe sich müde gelaufen oder sei in eine Sack—
gasse geraten. Nein, im Gegenteil: unsere Stunde
ist gekommen!

Walther Stein.

Der Saar⸗Sänger-Bund in Frankfurt.

sPnsere Bundeszeitschrist, die Deutsche Sänger-Bundes—
Zeitung und die Tagesblätter haben mehr oder minder
ausführlich über das Deutsche Sänger-Bundes—
fest in Frankfurt berichtet und bei dieser Gelegenheit im
Hinblick auf die erfolgreiche Aufführung des Lendvaischen
Psalm der Befreiung und der Sonderkonzerte des Saar—
brücker Liederkranz und der Sängervereinigung Homburg
und Neunkirchen auch den Anteil des S. S. B. an dem
welingen des Bundesfestes mit Anerkennung zum Aus—
druck gebracht.
Es wäre aber bedauerlich und trügerisch zugleich, wollte
der Saar-Sänger-Bund bei dieser freundlichen Bespiege—
lung selbstgefällig stehen bleiben und auf ernste Selbst—
kritikk verzichten. Sie ist nämlich dringend geboten, da—
mit der S.S.B. auf dem nächsten Bundesfest in
Leipzig ehrenvoll auch vor sich selbst bestehen kann.
Nr. 1. Klägliche Beteiligung der Sänger—
schaft, obwohl immer wieder darauf hingewiesen war,
daß ein Deutsches Sänger-Bundesfest in absehbarer Zeit
kaum je wieder so nahe bei Saarbrücken begangen werden
würde. Wie haben denn die ebenfalls gänzlich unbemit—
telten Sänger aus Ostpreußen, Pommern, Schleswig-Hol—
stein, aus der Tschechoslowakei, dem Banat, ja aus Amerika
ihre Beteiligung möglich gemacht? Sofort nach der Rück—
kehr vom Bundesfest legten sie Reisesparkassen an, be—
reicherten sie in jeder Probe um einen oder einige Gro—

„Ich habe nie ausführen können, was mir vorgeschwebt,“
bekannte er mit rührender Offenherzigkeit, „und so sehr
mich das Mittelmäßige ärgert, bin ich doch immer ein
mittelmäßiger Mensch geblieben. Für mich ist mein Leben
lang nur einmal etwas vom Himmel gefallen und das war
ein kleiner Bube und ein Laib Brot, die ich auf der Straße
fand. Dort steht der Kleine — er ist jetzt lang wie eine
Hopfenstange — und putzt seine Geige ab. Das ist das
einzige, was mir je gelungen, daß ich ihn zu einem tüch—
tigen Geiger gemacht. Ich habe also doch etwas mehr als
Mittelmäßiges vollbracht auf Erden, darum werde ich in
dem Buben meinen Frieden finden.“
„Es ist wahr,“ sagte Neubauer selbstgenügsam, „der
Junge ist von gutem Korn und gut geschult; aber er muß
hinaus in die Welt, nach Wien, nach Italien, damit er den
Gesang lerne und Eleganz und Feinheit des Satzes und
in alle Geheimnisse der Kunst eingeweiht werde von den
größten Meistern selber.“
„Das war längst mein höchster Wunsch,“ erwiderte der
Stadtpfeifer, „aber“ — —
„Ich weiß, was weiter kommt. Ihr habt keine Gönner,
kein Geld. Wartet einmal; ich will mir die Sache hinters
Ohr schreiben — bei Gott“ — und Neubauers Augen leuch—
teten auf — „der Bube verdient's! Denkt an Franz Anton
Neubauer und heißt ihn einen Schuft, wenn ich eurem
Friedrich nicht den Weg nach Wien auftue. Zu Joseph
Haydn mußt du gehen, Friedrich, dem König der deutschen
Meister. Da lernt man Symphonien schreiben! Denkt an
mich. Stadtpfeifer; ein Mann. ein Maort“

schen, weil sie den Willen hatten, nach Frankfurt
zu kommen. Und eben berichteten uns amerikanische Sänger
— alles Arbeiter —, daß sie sofort wieder ihre Reisekasse
in ähnlicher Weise langsam aber sicher auffüllen würden,
veil sie in Leipzig nicht fehlen wollen. Diesen Weg müssen
unsere Sänger auch gehen. Und unsere Gau- und Vereins—
vorstände wollen doch all ihren Einfluß einsetzen, daß
sofort solche Reisesparkassen gegrüundet werden unter
dem Leitwort: „Jguf nach Leipzig!“
Nr. 2. Klägliche Beteiligung unserer Fahnen.
Dder Bundesfahne des S. S. B. folgten nicht ganz zwanzig
Fahnen. Andere, viel kleinere und vor allen Dingen weit
entfernt wohnende Bünde konnten ihrer Bundesfahne einen
zauschenden Fahnenwald folgen lassen. Das mußte auf
die Vertreter des S.S. B. natürlich tief beschämend wirken.
Und wie leicht wäre dem abzuhelfen! Jeder Verein hat
ein paar Sänger, die als Eisenbahner, wenn sie ihren
Urlaub entsprechend legen, freie Fahrt haben. Sie müßten
als Fahnenträger mit der Vertretung ihres Vereins be—
raut werden und brauchten von diesem nur einen Zu—
schuß zu den Aufenthaltskosten, die bei der Inanspruch—
tahme von Massenquartieren und in Hinsicht auf die
überaus starke Beanspruchung durch Veranstaltungen aller
Art sehr niedrige sind. Die Versäumnis in Frankfurt war
gewiß nicht Ausdruck bösen Willens. Jetzt äber heißt es
auch für unsere Fahnen: „Auf nach Leipzig!“

Frau Christine flüsterte ihrem Manne zu: „Laß dich
von dem Prahler erheitern, aber glaub' ihm ja keine Silbe.
Indes will ich ihm doch einen Strohsack auf den Boden
segen, weil er sich heute abend so müde gelogen hat.“
„Nur ein gereister Musikus ist fertig, die andern sind
alle bloß halb gar gekocht,“ fuhr Neubauer fort. „Wißt
Ihr auch, daß ich vorigen Monat in Bückeburg war und
den Konzertmeister Bach, der gleich der meisten übrigen
Bachischen Sippschaft niemals aus dem Nest geflogen ist,
— drei frei zu phantasierende Fugen herausgeforder?
habe?“
„Nein! das tatet Ihr nicht!“ rief der Stadtpfeifer ent—
schieden. „Denn mit dem nehmen's in den Fugen nur noch
seine Brüder auf, seit der Alte in Leipzig gestorben ist.“
„Sehr richtig. Ich habe auch Böcke über Böcke gemacht,
und der gelehrte Herr spielte verzweifelt gründlich und
88 Denn niemals ist er weiter gekommen in der
Welt als, von Leipzig über Eisenach nach Bückeburg; nie
jat er eine welsche Primadonna karessiert, um die Fein—
heiten des Gesanges zu ergründen. Er spielte verzweifelt
gründlich, aber meine falsch gebauten Fugen waren doch
ergötzlicher, und die feinsten Herren klatschten mir Beifall.
Das Publikum entscheidet; das dumme Publikum gibt mir
Essen, Trinken, Kleidung, Aufmunterung für die schlechteste
Musik; von den klugen Kennern hat mir noch keiner ein
GBlas Wein oder eine Wurst für die beste gegeben. Uebri—
zens habe ich mir nur einen Spaß mit dem berühmter
Fugenfresser machen wollen.“
Goöorftsekung folat.
            
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