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Noteneingaänge.
unen
Edvard Grieg „Album für Männergesang“ op. 80
Edvard Grieg „Psalmen für gemischten Chor“
op. 74 (Verlag Peters, Leipzig).
Zeéter Béla „Am schönen Rhein gedenk ich dein“,
Walzer für Mannerchor mit Klavier oder Orchester⸗
begleitung, bearbeitet von Franz Willms. Vexlag
Schott, Mainz.)
Jetzt erst, da die Welt den 25. Todestag, des Meisters
VBbegeht, ein „Album für Männergesang“ von Grieg?
In der Tat, es hat zu Unrecht so lange brach gelegen.
All diesen Gesängen ist das charakteristische Fluidum Griegs
eigen. Es ist nordischer Ozon, der uns aus diesen Stücken
entgegenweht. Fest verwurzelt im nordischen Boden und
Voltcdum wie alle Musik Griegs, tragen diese Gesänge
noch deutlicher volkhaftes Gepräge, insofern als sie in
enger Anlehnung an norwegische Volksweisen geschrieben
find. Bei allen handelt es sich um Werke für Bariton—
foto und 4stimmigen Männerchor. Ihres intimen
Charakters wegen sind sie nur für kleinen Chor, eventuell
für Doppelquartett möglich, Die Volksmelodie ist
gewöhnlich dem Bariton in den Mund gelegt. Der Chor
degleitet und rankt sich um die zZentrale Mittelstimme
hedum, gelegentlich, etwa bei Nr. 10 und 11 6.Die große
weiße Schar“, und „Der Taugenichts“), die Volksmelodie
mit der Solostimme abwechselnd aufnehmend. Es ist dann
wie Vorsänger und Chor, so vielleicht wie man diese
Volkslieder, wenn auch natürlich einfacher und primitiver,
tatfächlich gesungen haben mag. Einige Sätze zeigen schon
polyphone Gestaltung, wie wir sie bei, neueren Volks—
fiedbearbeitungen Lendbais, Reins usw. schätzen. Das
mag neben der Gedenkpflicht im 25. Todesjahr des Meisters
auch der Grund sein, weshalb sie gerade jetzt auft
tauchen. Im übrigen sind sie, wie Griegs Schaffen über—
haußt, an romantischer Harmonik vrienftiert und deshalb
für die Intonation nicht immer leicht.
Eine ganze Reihe dieser Lieder sind Volkstänze,
von der Art, wie sie in so manchem Griegschen, eine Zeit—
lang Mode gewesenen Klavierstück, zutage treten. Doch
werden wir gerade für diese Tänze weniger Verständnis
haben, sind sie doch sozusagen Nachahmungen von Instru—
mentaltänzen, die auf einen Text verzichten und ihn durch
viele Schrums“ und „Dudeldidels“ usw. ersetzen,. Nr. 2
(Kinderlied) und Nr. 12 (,„Seht den Knut“) sind für
unsere Begriffe textlich gar zu naiv und stehen in der
Musik an anspruchsloser Unbekümmertheit hinter dem
Text nicht zurück.
Warm zu empfehlen sind dagegen Nr. 16„Ich legte mich
am Abend“) und Nr. 8 („Schoön Torö'““), feinsinnige, durch
die immer noch wirkenden, fremdartigen, typisch Grieg—
schen Harmoniefortschreitungen ausgezeichnete Liebeslieder
Nr. 7 („Jung Ole“) ist eine stimmungsvolle, strophische
Volksballade, die in Melodie und Bearbeitung den
mysteriösen, düsteren Balladenton fein trifft. Das fünf—
timmige „Marienlied“ verzichtet auf den Gegensatz
Vorsänger und Chor, hat aber die Hauptmelodie ebenfalls
in der Mittelstimme. Der Satz ist polyphon mit nach—
ahmendem Stimmeneinsatz.
Wenn also auch nicht alle 12 Gesänge heute aktuell sein
önnen, so sind doch einige bestimmt, eine Lücke auszu—
züllen. Man braucht also jetzt nicht mehr auf die „Land—
erkennung“ zurückzugreisen, wenn man etwa einen „nor—
dischen Abend“, in dem eben Grieg nicht fehlen darf, ver
anstalten will.
Sehr ähnlich im Satz sind die 4 Psalmen für ge—
nischten Ehor op. 74. Auch hier in allen Psalmen ein
Baritonsolo, dem alte norwegische Kirchenmelodien zu—
grunde liegen. Der Satz ist beweglicher, abwechselungs—
reicher geworden. Der Chor spielt gegenüber dem Solo—
part eine selbständigere Rolle als in dem op. 30. Etwas
veichlich klingt Nr. 1, besonders in dem gleich vom Chor
aufgenommenen Baritonsolo. Nr. 2 „Mein Jesus macht
nich frei“ verteilt nach Art der modernen Volksliedbear—
heitungen in Variationenform die Melodie in den ein—
zelnen Strophen auf die einzelnen Stimmen. Die 2.
Strophe bringt sie beispielsweise als Baritonsolo, wozu
der Chor in Moll in recht eigenartigem Satz geschrieben
ist. Nr. 3 ist ganz alternativ gehalten, d. h. Baritonsolo
Vorsänger) und Chor wechseln sich regelmäßig ab. Schade,
daß die Frauenstimmen so unnatürlich tief liegen, daß sie
kaum klingen können. Wohlgelungen ist dagegen Nr. 4
„Im Himmelreich“, ein in schillernde, glitzernde Harmonien
zetauchtes Stück, dem das Baritonsolo eigene Reize gibt.
Jedenfalls sind diese „Choralbearbeitungen“ wert, von
uünsern Chören — es müssen nicht nur Kirchenchöre sein
nicht achtlos übergangen zu werden.
Nach Grieg ist es etwas peinlich, den Walzer „Am
schönen Rhein gedenk ich dein“ von Kéler Beéla zu
besprechen. Nicht als ob an diesem Walzer an sich, einem
der bekanntesten des liebenswürdigen Salonkomponisten,
etwas auszusetzen wäre. Aber erstens handelt es sich bei
diesem im Original für Orchester geschriebenen Walzer um
Der Stadtpfeifer. Von W. 9. Riehl.
Jetzt kam der Schluß des Duetts, so zart, so rein! Als
die letzten Töne sich verhauchten, mußlen alle drei un—
willkürlich den Atem einhalten. Da klatschte es laut vor
der Türe; eine gellende Stimme rief: „Bravo! Bravo!
und die Klinke ward zum Oeffnen niedergedrückt. Der
Stadtpfeifer legte ärgerlich seine Geige weg und schloß auf.
Ein Bursche, der höchstens zwanzig Jahre zählen mochte,
trat ein. „Das war prächtig gegeigt!“ rief er, „da bin
ich In am rechten Orte. — Guͤten abend, Meister Stadt—
pfeifer!“
Der Angeredete dankte nicht sehr freundlich auf den
übermütig gebotenen Gruß und hob die Lampe in die
Höhe, um den Fremden etwas näher zu beleuchten. Der
junge Mann sah fast verdächtig aus. Die Kleider, ob—
gleich von vornehmem Schnitt, waren stark abgetragen,
und das jugendliche Gesicht zeigte die etwas verlebten Züge
eines ausschweifenden Jünglings.
„Ich bin Franz Anton Neubauer, der Böhme,“ sprach
der ungebetene Gast in stark österreichischem Akzent, „Eure
Freunde im Kloster Arnstein lassen euch grüßen und emp—
fehlen mich eurer Gastfreundschaft.“ Drauf tat er, unge—
heißen. ganz wie zu Hause, legte Stock und Hut ab und
setzte sich nieder.
Frau Christine zog ein schief Gesicht und zupfte ihren
Heinrich am Rocke: der aber besann sich kurz, schüttelte
dem Fremden die Hand und sprach: „Um meiner Freunde
willen sollt Ihr mir auf eine Stunde Rast willkommen
sfein. zumal wenn Ihr. wie ich denke. ein Musiker seid“
„Ei!“ sagte Neubauer, „das solltet Ihr wohl wissen.
Bin ich gleich noch jung, so kennt man meine Symphonien
und Quaärtette doch schöun von Wien bis Paris, und wo
meine Musik nicht bekannt ist, da ist ees wenigstens meind
Person. Seht, ich durchziehe bereits seit zwei Jahren alle
kleinen Ländchen, namentlich die geistlichen Herrschaften,
und wo ich immer eine musikalische Seele finde, da kehre
ich ein: am liebsten in Klöstern, bei Domherren oder auch
héei gewöhnlichen Weltgeistlichen. Lutherische Pfaffen meide
ich, die haben meist viele Kinder und wenig Wein. Ueberall
zähle ich nur mit Musik. Bei einem unmusikalischen Men—
schen einzukehren, das wäre schamlose Bettelei; aber ich
denke, ein frisch komponiertes Menuett ist schon Zahlung
genug für ein Nachtquartier; für ein Klaviersolo kann
man schon ein Mittagessen annehmen, und für eine neue
Messe müssen mir die Mönche des fettesten Klosters min—
destens auf einen Monat freie Zehrung. freien Trunk und
Quartier geben. So reise ich schon zwei Jahre durch aller
Herren Länder; wer will mir das nachmachen? Bei uns
in Böhmen hat man ein Familiensprichwort: Er ist ein
Neubauer, werft ihn mitten in die Moldau, und wenn er
auch nicht schwimmen kann, er wird doch nicht ersaufen.
Das Wort habe ich mir gemerkt. wenn ich toll in jeden
Strudel springe, denn ich weiß ja doch, daß ich nicht er—
saufen werde.“
Dem Stadtpfeifer schien es allmählich fast lustig. dem
Burschen zuzuhören, dessen Zunge so vortrefflich eingeölt
war, daß sie, einmal in Bewegung gesetzt, kaum wieder
stillestand. Mit vergnüglichem Vächeln lauschte er zuletzt
dem jundgen Masstro. der in Wien zu Josevyh Haydns Füßen