Seite 162 IIB ufsss Saar⸗Sänger-Bund —VV
In fast zweistündigem Referat umriß nun Prof. tümlichen und des wahrhaft Künstlerischen
Werlé in freiem, fesselndem Vortrag den großen Diese neue Sprache vergegenwärtigte die Wunderorge!
Bogen der Entwicklung des Männerchors von des Leipziger Kammerchors durch zahlreiche Chorbei—
Franz Schubert über Friedrich Silcher zu Erwin spiele: Lendvais „Im Friedhof“, Knabs „Stille Stadt“,
Lendvai, Armin Knab und Walter Rein. Wie der Langs „Kein schöner Land“, Lendvais „Du mein
17jährige Schubert in den beiden Kompositionen einzig Licht“, Knabs „O Lied“, Erdlens „Das Lieben
„Brüder unser Erdenwallen“ und „Funkelnd im bringt groß' Freud“, Reins „Schwefelhölzle“, Gals „Es
Becher“ in Anlehnung an die Opernsprache, noch über- wollte sich einschleichen“ und den im tiefsten Innern
schattet vom Geiste Mozarts, in lieblichen melodischen ergreifenden Chor eines 34jährigen Mönches, Pater
Wendungen sein Menschliches zum Ausdruck bringt, Leo Söhner, der in St. Gallen lebt:
wirft der 27jährige aus der Reife eines ungeheuer in andrer König — Horuetch
reichen Menschentums heraus in „Horch auf, es schläg —— — wunderreich,
die Stunde“ alle schmückenden Floskeln weg, verzichte ntr Migeichon Snnen J
auf Süßlichkeit und Gefühlsseligkeit zugunsten herber zieht herrlich ein im stillen Reich,
schlichter, fast nüchtern wirkender Wahrhaftigkeit besteigt die ewgen Zinnen.“
Friedrich Sälcher faßt die Volksmusik des 19 So wurde an Beispielen deutlich, wie ungekünstelt,
Jahrhunderts, die bislang in den bekannten Samm unfentimal, herb, auf Wahrhaftigkeit gestellt, die neue
ungen nur literarisch gesichtet worden war auch in Kunft ist, wie tief seelenvoll fie sich ader auch an den
ihren musilalischen Beständen zusammen. Musikalisches jnwendigen Menschen wendet, und um ihn wirbt, das
Genie überhaupt und Meister der Theorie im beson. Froße, Schöne, Edie in sein Leben, in sein Herz hinein—
deren hätte er den Volksliedern, die er sammelte und zuziehen Aus reichfter Chorpraxis heraus über—
setzte, leicht ein anspruchsvolleres Gewand geben können, Fruügte der Redner, daß der weiraus Irößte Teil dieser
allein er lehnte sich mit seiner Homophonie, seinem Chöre durchaus von mittleren u'nd kleineren
vierstimmigen Satz streng an die diedmelodien an Wereinen darstellbar sei, zeigte, wie fie gesungen
und gab so dem Volksgesang eine ihm gemäße trac- werden müssen, damit der „Singeklang“ 'gewährt
gende Form. Und zwar in bewußter Trennung des wird, wie vor dem Mikrophon“' zu singen ist. wie
Männerchores als volkstümliche Kunstpflege, als Laien- diri guert werden muß, damit der Laienfänger sich
eer von der Ihre eigenen Wege gehenden Kuust virklich geführt“ fühlt“ und wie wir das stroͤmende,
er Kunstmusiker, der großen Formen. Der Dirigent singende, klingende Leben vor unseren Toren, die sin—
erkennt sofort, daß er die kleinen lyrischen Angelegen— gende Jugend in unseren Kreis ziehen und durch fie
heiten dieser Lieder nicht balladesk zu großen Staats— loft mit“ lebendig werden wollemn!
aktionen aufmachen darf, daß diese Lieder vielmehr in
voller Schlichtheit, Natürlichkett und Innigkeit ohne Bundesschriftführer Stein faßte den dankbaren Bei—
jegliche Künstelei im Sinne Meister Silchers wieder- dall der großen Versammlung an Redner und Kammer—
zugeben sind. Das Welt volle darf nicht aufgegeben chor dahin zusammen, daß hier den Chorleitern des
werden, um das Weltflüchtige in Gefühlsduselei zu Bundes nicht nur, wie den Laien, eine Stunde hohen
suchen. Aher alle diese Lieder, so tief sie uns auch künstlerischen Genusses, wärmster Herzenserhebung be—
heute noch ergreifen, sind schließlich geschrieben für die schieden sei, daß diese Feststunde für sie vielmehr einen
Menschen um 1830. Appell darstelle an das Verantwortungs—
Geschmiedet durch das ungeheure Schicksal, das wir bewußtsein gegenüber der, deutschen Kunst,
erlebt haben, sind wir aber Andere Menschen ge— namentlich dem zseitgenössisshen Chor—
worden Mit dem Lebensatem hat sich auch der Singe Haffen,einen Appellan das Berantwor—
alem geändert. Im bisherigen vierstimmigen Gesang tungsbewußtsein der Chormeister gegen
sprach nur der Tenor, alle anderen Stimmen waren saäͤch selbst, gegen ihren voltserzieherischen
in stlavischer Abhängigkeit an ihn gebunden. Wir Beruf, gegen ihre Kultursendung in, un—
wollen heue nicht mehr eine solche felbsiherrlich sagende Fserem Volke, einen Appell s,hließlich an
Stimme, wir wollen, daß jede Stimme etwas zu sagen das Berantwortungsbewußt ——
haber Lauschen wir einmal in Erwin Leundvais über unserer Jugend, die auf unsern Ruf
Glockenlied· hinein und wir spüren, daß hier ein wartet, und als Sleichberechtigte und
zeitgenössischer Meister die neue Sprache, die ma pestͤm men de Glieder unsere Reihen
Sprache unserer Zeit, spricht. Wir sehen hier aber schhließen will!
auch, daß der Männerchor nicht mehr neben der Kunst Es ist gewiß der starken Werbung unserer im Tiefften
herlaufen, sondern sich als volkstümliche Kunstpflege ergriffenen Chormeister und der Gau- und Vereins—
in die Kunst schlechthin einfügen will. Im Glockenlied vorstände zu danken, daß die nachfolgenden sechs Kon—
erleben wir die Synthese des wahrhaft Volks- zerte des Kammerchors in Neunkirchen und
Seit 230 sJabr
gibts Bruch-Brãu an der Saar