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Besangvereine vorbehalten; der Opfergeist der Sauerländer,
ihre tatkräftige Unterstützztng wird die Uraufführung er—
nöglichen. Es ist ja ihre Messe, vom Komponisten gewidmet
„Use laiwen siuerländssen Haimat“. So warten wir mit
Spannung der festlichen Eindrücke, die das große Frank—
furter Fest uns vermitteln wird. Auch der Komponist ist
dankbar bewegt, seine Werke, für die sich — wenn wir an
den Apparat der Kantate denken — heute nur seltene Auf—
führungsmöglichkeiten bieten werden, in so bewährten Hän—
den zu wissen.
Für Georg Nellius ist nun wohl die Zeit, da man an
ihn erinnern mußte, endgültig vorbei. Er hat es nie ver—
mocht, für sich weder in kühler Berechnung, noch auf weite
Sicht etwas zu tun. Der Weg zu großen Erfolgen ist
mühsam, nur aktive und starke Naturen sind für Gipfel—
vanderungen gerüstet. Dazu zählt Georg Nellius. Nie sah
ich ihn resigniert, nie bannte eine Müdigkeit seine Schwin—
gen an die Erde. Er war kein Zauderer; die zur Mani—
estation drängenden Kräfte bewegten ihn, ihn trug eine
Welle starken Lebensgefühls, das sich im Schaffensprozeß
zu immer neuer Spannkraft verjüngte.
Steht nun nicht plötzlich auch die Bergangenheit
des Künstlers in einem andern Licht? Gewinnen die Meilen—
steine des Wachssstums und der Entwicklung nicht an Be—
deutung? Unter diesem Aspekt dürfen wir nicht die Be—
tehungen übersehen, die einst Georg Nellius mit dem
Saarlande verbanden. Ich weiß, es waren Bande herz-—
licher Art, die geknüpft wurden, die heute noch bestehen.
Ich vergesse nie, wie ich einige Tage nach meiner Rück—
kehr von einem Hospitium an der Cezilienschule in Saar—
hrücken durch die gesegneten Ackerbreisen des Haarstranges
kach Soest fuhr und in der Bahn mit einem mir frem—
den Herrn ins Gespräch kam. Die Eindrücke aus Saar—
bhrücken bewegten mich so, daß die Fäden bald hinüber—
gesponnen wurden. Mein Gegenüber ließ sich mit ganzer
innerer, forschender Teilnahme erzählen und sich von mir
sein Konterfei geben; denn dieser Herr war kein anderer
als Georg Nellius. Mit Begeisterung sprach er dann mit
der ihm eigenen Klarheit, Plastik und Frische von seiner
Arbeit, seinen Erfolgen im Saarlande und der überaus
herzlichen Aufnahme seiner in Saarbrücken uraufgeführten
Totenklage, die von meinem hochverehrten Freunde
Walther Stein mit soviel künstlerischem Verständnis, feiner
Witterung für die starke Potenz des Komponisten und herz—
licher Wärme besprochen wurde. Schon damals erkannte man
im Saargebiet, daß hier ein aufstrebendes Talent und
genialer Schöpfer seine Schwingen regte. Das wird Georg
Nellius, der heute noch mit Schmerz von seiner Ausweisung
spricht, den Saarländern, deren Mentalität und der deut—
schen Scholle verhaftete Kraft und Zähigkeit saarländer
Volkstums er zu schätzen wußte, nie vergessen; denn die
virksamsten Kräfte auch seines Schöpfertums sind Kraft-—
ströme aus dem Boden der Heimat und des Vaterlandes.
Diese innere Verbundenheit sichert auch den kleinen Kom—
oofitionen ohne dramatischen Atem und züngelnde Flammen
der Dämonie einen Zug gewinnender Ursprünglichkeit. Wir
vollen ihm gern attestleren, daß es ihm nie genug war,
äußere Eindrücke ins Klangliche zu übersetzen; dse Sübstanz
der Meisterwerke erhärtet mit aäller Eindringlichkeit, daß
Beorg Nellius nur aus der Totalität und Intenfität eines
Erlebnisses schafft, das in allen Phasen in gleicher Span—
nung vibriert.
Eine Schau über das kompositorische Schaffen frappiert
durch eine erstaunliche Vielseitigkeit der Mittel und
des Ausdrucks: Männerchöre, gemischte Chöre, Kinder—
lieder, Lieder im Heimatdialekt, Lieder für Singstimme
ftllll Saar⸗Sänger-Bund
nit Klavierbegleitung, Werke für Klavier, Violine, drei
Festmessen. sowohl für den liturgischen als auch für den
donzertgebrauch, Lieder der Stille für zwei Solostimmen
ind großes Orchester bezeugen eine fleißige und geschickte
Feder. Wenn auch in erster Linie die Intentionen des
domponisten — wie er selbst gesteht — dem Stofflichen der
zeimat nachgehen, so wäre der Rahmen doch zu eng ge—
ogen, wollte man ihn einen Heimatkünstler nennen. Jede
zroße Kunst sprengt den engen Rahmen einer geogra—
hischen Provinz und ragt ins Universelle. Mag sein, daß
m Klangbild und der Struktur der Kompositionen die
Valette und die ausladend schwingenden Linien der formen—
eichen, sauerländer Berglandschaft eine Rolle spielen. In
ieser Beleuchtung ist es auch zu verstehen, daß die tert—
schen Vorwürfe zweier großer, preisgekrönter Werke qus
er Feder bewährter Mitglieder des Sauerländer Künstler—
reises stammen; die Messe schrieb Christine Koch, die große
dantate die heimatbegeisterte Maria Kahle.
Georg Nellius liebt in seiner Musik den Klang. Er ist
zdurchaus nicht von der modernen Auffassung angekränkelt,
zie Wohlklang für ein bedenkliches Symptom mangelnden
Talents anspricht. Allen seinen Werken, auch in der kleinsten
Form organisch geschlossen, eignet in der Faktur eine klare,
inkomplizierte Polyphonie, ohne atonale Ueberspannungen
langlicher Bildungen, ohne individualistisch übersteigerfen
Ausdruckswillen. der zu leicht in Manier entartet. Immer
errscht die engste Synthese zwischen Tert und musikalischer
zestaltung. Wie weit gespannt ist der Bogen vom schlichten
Volkslied „Spinn. Miaksken spinn“, oder dem wanderfrohen
„Vom häugen Astenberg“ bis zum satten orchestralen Klang—
zild neuromantischer Koloristik! Der kontrapunktische Satz
trafft und stabilisiert das Tongefüge auch da, wo es mit
yehrem Pathos für sich wirbt. Die Mischung der Farben,
ie Orchestrierung ist ebenso individuell, wie die ganze
Musik persönlichen Stil hat. Was wird in Zukunft noch
aus diesem unverschütteten Quell lauterer Kunst fließen?
Aufschlußreich für die Entstehung und das Verständnis
er Kompositionen dürften einige Mitteilungen und Hin—
veise sein. die ich gelegentlich aus dem Munde des Meisters
rfuhr. Der Aufenthalt an stillen, kulturgeweihten Stätten
ind die tiefe Bergeinsamkeit lassen am ehesten den Zwang
ur Gestaltung gebieterisch ihre Forderungen erheben! Die
Totenklage, zu der die Saarbrücker kunstverständige Be—
ölkerung ein besonders herzliches Verhältnis gefaßt haben
ürfte, entstand unter den quälenden, lähmenden Ein—
rücken der Verluste auf feindlicher Erde, wo deutsche Ju—
send zu letztem Schlummer gebettet wurde. Nächtliche
Fraumvisionen trieben so starke Eruptionen, daß das ganze
Werk in seiner Diktion dem Ergriffenen urplötzlich klar voͤr
»er Seele stand; so wurde diese stimmungsstarke Threnodie
nnerhalb einer Zeitspanne von 14 Tagen im Wäldchen
on Chony-Crepy in einer Wellblechbaracke vollendet. Die
ßilder aus Westfalen, 12 Fugen für Klavier, sind die
zrucht einer Weserwanderung auf den Spuren des Drei—
ehnlindendichters. Dem Andenken des Musikschriftstellers
A. Karl Storck, der in Olsberg im Sauerlande in kühler
Erde ruht, sind die Immortellen — ein Blütenkranz auf
das stille Grab — geweiht. Wo Tag und Nacht das Lied
der Arbeit dröhnt, wurden die Ruhrchöre geschrieben. Die
zroße Kantate „Von deutscher Not“ aber ist das Hohe
died der Liebe zu Volk und Vaterland! Ueber eigenes Veid
und eigenes Lieben hat der Deutsche fromm ein Wort ge—
chrieben:; Vaterland!
phhh Nr. 1
A. H. Haverkamp,
Arnsbera.
Seit 230 Jahr
gibts Bruch-Bräu an der Saar