Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 142 III ellll Saar⸗ Sänger⸗Bund IlIss Ul Nr. 7
Strophen gerecht. Mit dem machtvollen Thema be- Thema trägt der Baß vor. Die 4. Variation gleicht
ginnen die Bässe im 5/3 Takt, das die Tenöre dann der L., nur geht der Schluß nicht nach G-Dur, sondern
sofort aufnehmen und weiterspinnen. Wie fein nun nach (-Moll, da sich die Coda anschließt, die die Wieder
Walter Rein den stolzen Reiter malt, indem er die holung des Anfangs ist, mit einem gewaltigen ein—
punktierten Viertel einmal im 1. Baß, dann im 2. Baß, ttimmigen Schluß bei „sie schlug'n ihn zu der Erden“.
im 1. Tenor und so weiter bringt, während er den Das ganze Werk ist erfüllt von vokalem Melos und
2. Tenor Quartensprünge und Achtelbewegung machen feiner durchsichtiger Linienführung, ohne an Kraft und
Durchschlag zu verlieren, daß es eine Pracht ist! Wie
es den Sänger hinreißt, habe ich erfahren dürfen in
eigener Probenarbeit.
In den „Fünf deutschen Liedern“ handelt es
sich um Volksliedbearbeitungen einfacherer Art, wenn
man will auch kunstvoller Art, einfache Dreistimmig—
keit — alle Stimmen melodisch bewegt, wachsen aus
dem Cantus firmus; Instrumente können nach Belieben
dazutreten. Ich würde diese Lieder nur mit Instru—
menten aufführen, weil dadurch der kantatenmäßige
Aufbau des Strophenliedes stärker zum Ausdruck kommt
und man reiche und wirkungsvolle Vortragsmöglich—
keiden hat. Es würde viel zu weit führen, wollte ich
alle Möglichkeiten aufzählen, genügen mag die An—
weisung, die Walter Rein selbst diesen Liedern mit—
gab, beispielsweise: Wenn alle Brünnlein fließen. In—
strumente: Horn, Fagott J,1II. Vorspiel: Die Instru—
mente spielen den dreistimmigen Satz. 1. Strophe: Chor
einstimmig a cappella. 2. Strophe: Cantus firmus: Tenor
chorisch, die anderen Stimmen Fagott J,II. 3. Strophe
Dantus firmus: Horn, die beiden anderen Stimmen
horisch. 4. Strophe: Chor dreistimmig mit Instru—
menten. Man sieht hieraus, wie vielfarbig und aus—
drucksvoll man diese Lieder gestalten kann, und daß
hier jeder Dirigent seinem freien Fühlen und Können
freien Lauf lassen kann. Die Beschäftigung mit diesen
Thören befriedigt Chormeister und Sänger gleicher—
weise. Sie werden immer mit Erfolg vorgetragen, wie
sie auch auf der 2. Nurnberger Sängerwoche mit den
unbestritten stärksten Erfolg hatten. Sie bergen einen
so großen inneren Reichtum, daß es unmöglich wäre,
sie gedankenlos herunterzuleiern. Sie zwingen viel—
mehr zum bewußten Singen. Es wäre natürlich
lehrreich und interessant, diese und andeve Werke weiter
zu analysieren, um zu zeigen, mit welch einfachen
Mitteln Walter Rein arbeitet und doch allen Forde—
rungen des neuen Männerchores gerecht wird. Aber
schon diese kurzen Ausführungen lassen erkennen, daß
die Werke Walter Reins verantwortungsbewußt ge—
schaffen wurden, verantwortungsbewußt gegen den
Sänger, der vor Künstelei und virtuoser Phrase
bewahrt wird, verantwortungsbewußt gegen den Chor—
meister, der sich nicht hinter Schema und Drill ver—
schanzen kann, sondern zu schöpferischer Reproduk—
tion gezwungen ist, verantwortungsbewußt gegen die
Männerchorbewegung, der wieder der Weg zu
wvahrer volkstümlicher Kunst geöffnet ist. Walter Rein
kann uns zum Pionier werden zu neuer großer Volks
kunst. Neben ihm stehen geistesverwandt Erwin Lendvai,
Armin Knab, Otto Siegl, Hans Lang, Kurt Thomas
und andere. Der Postgesangverein Saar—
brücken, der unter meiner Leitung nun schon fast
ein Jahr Kraft und Liebe an die Vorbereitung eines
Walter-Rein-Konzertes setzt, kann bezeugen,
wie beglückend ihm diese Arbeit gewesen ist. Mögen
diese Zeilen dazu beitragen, Dirigenten und Sänger—
schaft auf seine Werke aufmerksam zu machen. Hier
winkt künstlerische Arbeit, die ihren Lohn in sich träa⸗
GGeorag Hitzesberger

Walter Rein.
            
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