Full text : 10.1932-1933 (0010)

— J I 4— ——74 su 9 * 5 5— 3* p 7— 3 J * I 9*
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Monatfctsschrift 9
Ueber Zoo Bereine mit über Z0 Oooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes 2
— von Stadtschulrat Dr. h. e. Hans Bongard nud Rektor Walither Stein, Saarbrücken. B
—X Druch und BVertbag der Buch— und RKunstöruckerei Bebr. Hofer A.S. Saarbrücken. 77
Bölklingen und Leinzig. Bezugspreis Er. 5.— vierteltzührlich. Einzelnummer Er. 2. —
t 12. Jahrgang
Walte bin und seine Chorkomposition.
Wasqter Rein kommt aus der Chorpraxis, das hohle Pathetik auf der anderen Seite, Zunahme der
merkt man seinen Chorkompositionen an. Sie technischen Schwierigkeiten für Sänger bis ins Vir—
sind nicht am Klavier erdacht, sondern vokal empe tuosentum, Unlust am Singen um des Liedes wil,—
funden. Schon als Schüler ist er Leiter des Schulchors, len und statt dessen Preisjägerei auf Wettsingen
im Kriege des Soldaten— Von diesem artisti—
chores an der Front, dann schen Stil wendet sich
Dirigent des Lehrergesang— Walter Rein ab. An—
vereins, daneben von Ju— läßlich des Frankfurter
gend- und Mahdrigalchören: Sängerfestes sind in Frank—
Kein Wunder, daß seine furter Zeitungen die For—
Chormusik immer singbar derungen an den neuen
ist, wenn sie sich auch im Männerchor von berufener
Streben nach neuer Voka— Seite umschrieben: „Unbe—
lität einordnet in die dingte Vokalität, d. h. nicht
modernen Bemühungen um Uebertragung eines vier—
einen zeitgemäßen Chorstil. stimmigen Bläsersatzes auf
Walter Rein steht bei dieser menschliche Stimmen, son—
Reform mit an führender dern Erfülltsein jeder
Stelle. Ganz besonders be— Stimme mit vokalem Me—
deutsam ist sein Wirken auf los, Auflockerung dicker
dem Gebiet des Männer— Klanglichkeit in elastisches
chors. Auf dem 11. Deut— durchsichtiges Linienwerk,
schen Sängerbundesfest in Ehrlichkeit, d. h. Verzicht
Frankfurt war er stark auf effektvolle Männerchor—
vertreten. requisiten, dafür völliges
Männerchor-Reform Ausgewogensein der Mittel
ist dringend notwendig. Wie im Vergleich mit der Idee,
sah und sieht es noch aus? Innerlichkeit an Stelle von
In den Volksliedsätzen des Sentimentalität, Kraft⸗
sog. Kaiserliederbuches ha— ersülltsein an Stelle falschen
ben wir stereotype Vierstimmigkeit. Silcher hat in Pathos; und endlich — was sich von selbst verstehen
klassischen Sätzen gezeigt, wie Vierstimmigkeit mit dllte — Handwerklichkeit, d. h. nicht verantwortungs—
schlichten Akkorden gut wirkt. Er erkannte die Be- Wse Fixierung einiger billiger Improvisationen, nicht
grenztheit der Ausdrucksmöglichkeiten des Männerchors chapsodisches Aneinanderreihen mehr oder weniger
und setzte sein ganzes Bemühen darein, die Melodie zuter Einfälle, sondern formale Zucht, Sauberkeit der
nicht durch buntschillernde Harmonisation zu ver Faktur, kurzum gute Arbeit.“
wischen, sondern sie klar herauszustellen. In den Volks— Auf diesem Boden entstanden die Chöre von Walter
liedsätzen des genannten Kaiserliederbuches dagegen Rein. Um ein Beispiel anzuführen, wähle ich den
singen die Stimmen sinnlose Folgen. In keiner Stimme Lindenschmied, Chorballade nach einer Weise vom
wird der Sänger aktiviert, es gibt keine Stimme, die Jahre 1534. Es ist eine Ballade — aber nicht wie
ihn aus der Gesangstunde hinausbegleitet, die ihn etwa bei Hegar und seinen mehr oder minder un—
zum Singen anregt, auch wenn das Quartett nicht voll fähigen Nachbetern, deren Musik — oft nur rein äußer—
beisammen ist. Mehr und mehr aber wurde die Har- lich — den Text illustriert, so daß „Bilderbogenmusik“
monik immer komplizierter. Der Chorsatz wurde immer entsteht, sondern Walter Rein benutzt die Variationsinstrumentaler.
 Der Männerchor erhielt Klangfarben, technik, bindet sich also an ein straffes Formprinzip.
die das Ohr reizen, die „interessant“ sind, die sich in Die Gefahr, sich in Einzelschilderungen zu verlieren,
äußeren Klangeffekten erschöpfen. Damit stehen im ist gebannt durch diese formale Zucht. Trotzdem aber
Zusammenhang füßliche Sentimentalität auf der einen. werden die einzelnen Variationen dem Inhalt der

Phot. E v
            
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