Nr. 6—
haft-feierliche Haltung anzunehmen. Er hob das Noten—
blatt, legte den Kopf zurück. Feierliche Stille. Dann sang
Hübner. Wir haben gehört, wie er sang, nur daß er
diesmal die Stellen, die ihm gut gefielen, besonders lang
zog, hart vibrierend, wie einen meckernden Fanfarenton
Das erste Lachen platzte auf. Hübner sah sich mißtrauisch
um, aber als er nach der ersten Strophe mit lautem Klat—
schen überschüttet wurde, verbeugte er sich graziös, wie
es sich aus seiner zierlichen Gestalt fügte, lächelte und
verbeugte sich wiederum. „Bravo, Hübner! — Bravo,
Hübner!“, rief man durch die gerollte Hand. Die zweite
Strophe löste phrenetischen Beifall aus, man trampelte,
johlte, schrie: „Da capo, Hübner!“ Und der gute, be—
scheidene Herr Hübner war berauscht. Er knickte neun—
bis zehnmal verbeugend zusammen wie ein Stehaufmänn—
chen. Die blaue, sternige Nacht war brausend angefüllt
Draußen blieben die Leute stehen. Dann kam die dritte
Strophe, die Hübner in der besten Form zeigte. Er sang
und bewegte die Arme dazu wie ein Vogel seine Flügel
Diese krampfige Bewegung, die Hübner den Anschein gab—
ullJ, Saar⸗Sänger-Bunde
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als wolle er sich vom Boden erheben und davonfliegen:
— gleichsam die symbolische Geste für seinen ganzen Men—
schen — machte das Maß voll.
Da kam ein Bündel Stroh auf die Bühne geflogen
Fiel vor Hübner hin.
Hübner starrte den Strohstrauß an und verstummte.
Regungslos, wie aus Stein blieb er stehen. Das Klatschen
und Getrampel ergoß sich über ihn wie rauschende Wasser.
Das war keine Begeisterung, erkannte Hübner plötlich,
das war Hohn, böser, roher Spott! Bitter wie Galle kam
hm ein Geschmack in den Mund. Er torkelte von der
hme hinab. Ging nach Hause und kam nicht mehr
wieder — — —
Das ist die Geschichte von Herrn Hübner. Man wird
immer an diesen Vorfall denken müssen, der so unrühm—
lich für den Verein ist, unrühmlich vor allem für den
Chormeister, weil dieser die Anstifter späterhin belobigte:
„Sie haben mich aus der Klemme gezogen, meine Herren,
seien Sie ausdrücklich für diese originelle Tat bedankt!“
Alfred Petto.
V60m
— üchh ertiscch.
Zeitschrift für Musik, Monatsschrift für eine geistige Er—
neuerung der deutschen Musik, gegründet 1834 von Robert
Schumann, Herausgeber Gustav Bosse, Regensburg, Preis
vierteljährlich 3,60 Mk. Einzelheft 1,38 Mk. Verlag
Gustav Bosse, Regensburg. Die sehr interessante, bildge—
schmückte, reichhaltige Augustnummer bringt: Roderich von
Mojsisovies von Max Marhold, Prof. Roderich von
Mojisisovies „Die Veränderungen der Ausdrucksfähigkeit
einer Melodie bei wandernden Themen“, Ein ungedruckter
Brief Glucks von Maria Kormorn, Der Liebesgarten in
der bildenden Kunst als Quelle für Musikdarstellungen von
Dr. Karl Wörner, Venus und Elisabeth in Wagners Tann—
häuser von Dr. Alfred Heuß, Gefolgschaft oder Epigonen—
ium von Dr. Hugo Löbmann, Der gegenwärtige Stand der
Blockflötenfrage von Fritz Müller, Lustiges von der Flöte
von Dr. Hans A. Mertens. Es folgen Berichte über Ber—
liner, Rheinische und Wiener Musik, Musikalische Silben—
rätsel, Besprechungen, Uraufführungen, Konzert, Oper,
Musikfeste und Festspiele, Funk und Film, Kirche und
Schule, Der schaffende Künstler, Ehrungen, Preisausschrei—
ben, Bild- und Notenbeilagen.
Aus tiefer Liebe und dem stärksten Verbundenheitsgefühl
mit deutschem Volk, deutscher Art, deutscher Landschaft schuf
Hermann Löns eine Reihe prachtvoller und ergreifender
Werke, die den Helden, der vor Lüttich fiel, im deutschen
Volke als einen unserer Besten unvergessen erhalten wird.
„Auf der Lüneburger Heide“ und zahlreiche andere Lieder
sind längst zu Volksliedern geworden, voll sattem
Heimatklang, frischem urwüchsigem Naturburschentum
humorvoller Lebensbejahung und einem Schuß deutscher
Loreleysentimentalität. Sie werden überall und von jeder
mann gesungen, aber kaum einer weiß, wer ihr Dichter ist
Dem Verlag G. m. b. H. Adolf Sponholtz in Hannover
müssen wir aufrichtig Dank sagen, daß er die entzückenden
Erzählungen des Dichters in einer wohlfeilen Volks
ausgabe — jeder Band stark kart. 2 M. — herausgebrach;
hat: Auf der Wildbahn, Der letzte Hansbur, Die Häuser
von Ohlenhof, Haidbilder, Ho Rüd Ho, Kraut und Lot
Mein braunes Buch, Mein buntes Buch, Mein nieders
Skizzenbuch J und II, Mümmelmann, Widu — eine Be
reicherung für jede Volks-, Vereins-, Schul- und Eigen
bücherei!“ Alle Bücher sind auf holzfreiem Papier gedruck
und mit schmückendem Bildumschlag versehen. In dieser
Bänden erweist sich Hermann Löns als Meister der Kurz
geschichte. Mit sicherem Stift zeichnet er Charakterbilder
uͤnserer Tiere, wie es nur aus der feinen Naturbeobachtung
eines Mannes geschehen konnte, der selbst mit der Flinte
des Jägers im grünen Rock Heide und Busch durchschlichen
hat und dabei mit Auge, Ohr und Gestaltungskraft des
echten Dichters die grüne Welt innerlich erlebt hat. Ebenso
fein und treffend sind seine Ausschnitte aus dem nieder—
sächsischen Bauernleben: Das Leben in der Bauerrschenke,
Schicksale der Höfe, Bauernfrau, Bauerntochter und Bauern—
sohn, Dorfpfarrer, Dorflehrer, ausgewanderte, aber immer
vieder pom Heimweh geschüttelte Bauern. Knecht- und
Mägdeschicksale in buntestem Wechsel. Wahrlich, diese treff—
lichen Volksbücher sollten nicht vergeblich an die Pforten
des deutschen Hauses klopfen. In ihnen steht kerzengrade
und scharfgeschnitten der deutsche Bauer. der deutsche
Mensch!
Im Anschluß an unsere Beethoven gewidmete August—
tummer unserer Bundeszeitschrift, die das Gedächtnis an
zinen unserer Größten wachrief, verweisen wir heute mit
värmster Empfehlung auf zwei bedeutsame Bucherschei—
tungen. Zunächst Beethoven von Edouard Herriot, Ver—
ag Rütten und Loening, Frankfurt a. Main. Wir sehen
hier den Meister unter dem Einfluß der liberalen
Ideen seiner Epoche, den Zeitgenossen der französischen
stevolution und des napoleonischen Dramas, einer kampf—
»ollen herdischen Zeit, die für ihn und sein Werk bestim—
nend wurde und ihn zu einem der Größten, Einsamsten
und Selbstsichersten heranreifen ließ. Der Verfasser läßt
uns seine freudlose Jugend in Bonn, sein Werden unter
dem Einfluß Haydns und Mozarts in Wien und im Kreise
einer Gönner, Freunde und Freundinnen miterleben.
Seinem treuen ausharrenden Freund Fürsten Lichnowsky
vidmet er die dämonische Sonate Pathétique, seiner holden
Schülerin Giulietta Guicciardi die träumerische „Quasi una
antasia“, die berühmte Mondscheinsonate, voll zarter Emp—
indung, glühender Liebe und schmerzvoller Entsagung.
Aber schon kündet sich um die Wende des Jahrhunderts
das beginnende Ohrenleiden an, das ihm ein 25jähriges
Martyrium auferlegte. Das Monumentalwerk seiner 3
&
Im offiziellen Auftrag des Festausschusses
des 11. Deutschen Gängerbundesfestes
zu Frankfurt a. M.
habe ich photographische Aufnahmen von den einzelnen Ver⸗
anstaltungen, Konzerten sowie Festzug hergestellt. Die hervor⸗
ragend gelungenen Bilder sind in
Postkartengr. (9214 cm) zu Mk. 0O. 20 pro Stück
Bildgröße (132 18 cm) zu Mk. 0.85 pro Stück
Großaufn. (1824 cw) zu Mk. 1.50 pro Stück
gegen Voreinsendung des Betrages (Postscheckkonto Frank⸗
furt a. M. 41879) oder Nachnahme zu erhalten. Genaues
Verzeichnis steht kostenfrei zur Verfügung. Eingetragene
Vereine können Ansichtssendungen erhalten.
Fritz Brieke, Frankfurt a. M., Kaiserstr. 38