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dann mit den Uebungen, bis wir zu dem sogenannren
„Bruch“ angelangt sind. Das ist jene Stelle, an der die
Stimme zum Umkippen neigt. Bei den Tenören liegt sie
ungefähr bei dem e, bei den ersten Bässen ist es das b
und bei den zweiten Bässen das g oder a. Genau läßt
sich für jede Stimmgattung der Stimmbruch nicht angeben.
Ausnahmen bestätigten zuweilen die Verschiebung des
Bruchs um einzelne Töne. Ueber dem Bruch lassen sich
dann die Sprechübungen wieder besser durchführen. Es
wird aber ratsam sein, zunächst nicht zu hoch zu üben;
vorläufig gehe der Tenor nicht über das f und der Baß
nicht über das e hinaus. Der Sänger sei darauf bedacht,
die Uebungssilben über dem Bruch nur mit gewöhnlicher
Sprechkraft (ohne Bruststimme) klangschön zu bilden. Ver
Ton auf dem Bruch muß im erzählenden Sprechklang all—
mählich erobert werden. Außerdem müssen wir uns merken,
daß der Ton vom Bruch ab aufwärts gerundet wird. Das
„Runden“ bedeutet, daß z. B. der Vokal a nicht als a
gesprochen wird (ich rede ausdrücklich immer vom Sprechen
und nicht vom Singen), sondern etwas mehr nach o hin
geschlossenes o, wie in Mond, Sohn usw.) gefärbt werden
soll. Oft hört man, leider auch von guten Vereinen
daß diese Vokalabrundung in der Höhe kaum gepflegt wird.
Das e wird nach ö hin gerundet, das i nach ü und das
o nach u gefärbt; u bleibt u. Wir können nun alle
möglichen Tonschritte mit den angeführten Silben durch
üben. Zunächst seien kleine Intervalle empfohlen, später
Terzen, Quinten, Dreiklänge, dann Sexten und auch Oktaven
Nur durch diese Sprechübungen, wenn sie durch scharfe
Selbstkritik (in diesem Falle) überwacht werden, wird es
gelingen, sich vom Druck mancher Töne zu befreien.
Es ist vielleicht noch zu erwähnen, daß der Atem be—
sonders bei höheren Tönen nicht krampfhaft gebraucht wird,
sondern wir müssen vielmehr mit größtmöglichster Ent—
spannung zu Werke gehen, selbst dann, wenn am Anfang
auch Mißerfolge aufftreten. Mit Gewalt zwingen können
wir es beim Singen nicht; alles muß erübt werden, alles
will nach und nach heranreisfen. — In unserer Gegend trifft
man besonders häufig eine gleichgültige, kehlige Aussprache
an. Ja, es gibt sogar Landstriche, deren Dialekteigentüm—
lichkeiten dem Sänger schier unüberwindliche Schwierig—
keiten auferlegen. Da hilft nur eine intenstve Gemein—
schaftsarbeit mit dem Chormeister. Hier müssen die Uebungs—
silben von jedem Sänger allein und im Chor gesprochen
AAssph Saar-Sänger-Bund Ili
verden. Der Chormeister wird besonders darauf zu achten
haben, daß der metallose und matte, man möͤchte fast
'agen, brutale Ton in eine kleinere und klingendere Form
zebracht wird. Hals- und Gaumenlaute müssen ganz ver—
nieden werden. In den zuletzt genannten Fällen ist es
natürlich sehr schwer, mit gutem Erfolg weiter zu kommen.
Solche Mundarten künden dem Gesang immer wieder neue
Feindschaft an. Aber der Sänger ist schon einen guten
Schritt vorwärtsgekommen, wenn er erkannt hat, daß auch
er unter dem Einfluß dieser Mundart falsche Laute bildet.
Es lassen sich alle möglichen Sprechübungen finden, die
hesonders für diese Gegenden vom Chormeister ausprobiert
verden müssen. Ist der Chormeister sich aber nicht ganz
icher, so tut er gut, einen Stimmbildner zu Rate“ zu
ziehen; denn so ganz verantwortungslos ist das Operieren
nit menschlichen Stimmen nun doch nicht. — Es seien hier
aoch weitere Uebungssilben aufgeführt, die manchem von
uns zur Stütze werden können. Die Silbe „wa“ z. B. wird
gerne zu tief und klanglos gesprochen. Beginnen wir tapfer
und freudig zu üben, aber ohne jegliche Anstrengung. Das
wird sicher dem Ton schon mehr Helligkeit und Wärme
geben; und dann sagen wir nicht: wa mit einem finsteren
a, sondern wir denken, indem wir das a bilden, intensiv
an das ä und bringen eine Prise dieses Klanges mit in
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a ma ma nau
wa ive α σα
M
unsere Uebung. Das hat mir schon oft geholfen, das a
dorne in den Mund eines Schülers zu verpflanzen und
dem a eine strahlendere Helligkeit zu geben. Probieren
vir das alle einmal, und viele werden sich wundern, wie
schön das a nun klingt. Aber wir dürfen hierbei nicht
übertreiben. Das a soll nicht blechern und hart klingen,
sondern es erhält durch den Gedanken an das ä nur die
delligkeit dieses Vokals. — Ebenso können auch andere
Vokale in Verbindung mit Uebungssilben der Sprache
körderlich sein.
Wir üben nun nach vorangegangenem Beispiel die Silben
ne, mö, mü, mi, ferner dieselben Vokale in Verbindung
Pfeiferstube übervoll ward. Das Herz des Vaters gehörte
den eigenen Kindern; das Herz des Künstlers dem ge—
fundenen; Johann Friedrich war noch keine vierzehn Jahre
alt und konnte noch keine große Geige bewältigen, da
sagte der Stadtpfeifer schon: „Hinter der Stadtmauer habe
ich den großen Musiker von der Gasse aufgelesen, den ich
in mir selber immer vergebens gesucht.“
So ging es durch achtzehn Jahre voll Plage und Not
Die kleinen Leute verstanden aber damals noch gar treff—
lich die Kunst, elend und zugleich glücklich zu sein Heinrich
Kullmann kam nicht vorwärts, aber er blieb doch immer
als Stadtpfeifer sitzen; er wurde oft nicht satt, aber er
verhungerte auch nicht, und wenn er nur seinen ledernen
Hosengürtel um zwei Löcher fester schnallte, so spürte er
keinen Hunger mehr auch bei halbleerem Magen. Weil in
den Kriegszeiten jeder zurückging, so brauchte sich keiner
zu schämen, wenn er verdarb. Der Stadtpfeifer machte
etwa alle drei Jahre den Versuch flügge zu werden, fiel
aber immer wieder in das alte Nest auf dem Schloßturm
zurück. Das nahm er hin, als hätte es nicht anders kommen
können, und blieb so gutmütig, treuherzig und unpraktisck
wie immer; aber er blieb jetzt auch ein Mann. Ward
Christine zuweilen ungeduldig, dann sprach er: „Gottes
Segen ist ja doch mit dem Kind und dem Brot über uns
gekommen, vielleicht nicht ganz so reich als wir's wünschten:
das Pferd, das den Hafer verdient, kriegt ihn nicht; aber
sei versichert, um des Kindes willen wird uns für jene
Welt der hier entgangene Hafer autageschrieben — mit
Zinsen.“
Es war Friede geworden in Deutschland: nur fern im
Westen jenseits des Ozeans zog ein schweres Gewitter auf
Doch so weit sah man nicht vom Schloßturm zu Weilburg.
Kirchweih war immer ein großes Fest in dieser guten
Stadt, und solenniter sollte sse auch im Jahre 1778 be—
Jangen werden. Por fürstsiche Hof saß wieder in seiner
alten Residenz, und die patriarchalischen kleinen Fürsten
ließen in diesen Jahrzehnten den Sonnenschein gemütlicher
Huld wärmer als je auf die Bürger fallen, wie die Sonne
am Hochsommerabend oft noch einmal ganz besonders warm
und gnädig brennt, unmittelbar bevor sie untergehen will.
Wenn damals bei der berühmten Weilburger Kirmeß der
Hof nicht ebenso gut den Jubel mitmachte wie der Bürger
und Bauer, dann hätte man es gar keine ganze Kirmef
genannt.
Des Morgens zogen die Bürger aus nach dem Schieß—
hause, mit ihnen der Fürst, dem, wie der Vater mit Stolz
schon dem Knaben erzählte, als dem ersten Bürger der
Stadt das Recht des ersten Schusses zustand. Er tat den
ersten Schuß, er brachte den ersten Becher aus, er tanzte
den ersten Tanz, und so ward er von den Weilburgern
auch als der erste Fürst gepriesen.
Der Stadtpfeifer im ziegelroten Staatsrock hatte dem
Zuge, dem Fürsten selber den Marsch geblasen; jetzt spielte
er am Schützenstande, nur von einem Hornbläser unter—
stützt, und abends sollte der Fürst und hintennach die
ganze Bürgerschaft nach seiner Pfeife tanzen. Kirmeß war
immer ein stolzer Tag für einen Stadtpfeifer.
Die Bürger traten der Reihe nach vor und jeder tat
seinen Schuß. Da legte auch der Stadtpfeifer sein Instru—
ment auf eine Weile weg, und der Hornbläser setzte allein
die Musik fort. Heinrich Kullmann war Weilburger Bürger,
also hatte er, kraft fürstlicher Gnaden, das Recht eines
freien Schusses, und das ließ er sich nicht entgehen. Auf
der Mauer vor dem Schießhause saß mit andern Weibern
Frau Christine und hielt ihr Jüngstgeborenes auf dem
Arme; Friedrich — im Herbst wurden es achtzehn Jahre,
daß man ihn an der Stadtmauer gefunden — saß daneben
mit den zwei größeren Geschwistern.
Heinrich Kullmann zielte kurz: jetzt knallt die Büchse.
sFrhatte mitten ins Schwarze dgefroffen! MWer hätte sosch