Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 126 n luupphhhhh Saar⸗Sänger-Bund IIIP. —VB
Theodor Körner reitet vor einer Schar Lützower Jäger deutete nicht nur einen Schaden für sie, sondern auch
II. Bild: „Sah' ein Knab ein Röslein steh'n ..“ eine bild. für die Sache. Bedeutungsvoll wird aber das diesmalige
liche Darstellung. 12. Bild: „Das Studenteulied“, darge- Vundesfest in der Geschichte des Deutschen Sänger-Bundes
steilt durch verschiedene Studentengruppen. 13. Bild: „Am bleiben, trotz dieser Unzulänglichkeiten durch den kraft—
Brunnen vor dem Tore“, eine bildliche Darstellung. 144. vollen Vorstoß in zeitgenössische Chor—
Bild: „Der heutige Männerchor“ (gestellt vom M.G. B. üteratur., In drei Tagen drängte sich eine solche
„Concordia“ ée. Vo 1846 Frankfurt am Mein). 15. Bild: Fülle bedeutsamer Erscheinungen zusammen, daß es
„Der Gemischte und Jugendchor der Jetttzeit“, gestellt chon wegen der Gleichzeitigkeit der Veramn—
bon der Frankfurter Singakademie, dem Sängerchor des taltungen auch dem fleißigsten Recensenten, nicht
Lehrervereins Frankfurt und den Schülerchören der Klinger- nöglich war, auch nur entferntestens alles zu besuchen,
Oberrealschule und Adlerflychtschule Frankfurt a. M. Die vas ihm wünschenswert schien. Bedauerlicherweise kommen
Ausgestaltung dieser historischen Bildabreilung liegt in so auch Chormeister und Sänger um manche Möglichkeit,
Händen des Frankfurter Malers und Bildhauers Wilhelm u hören und zu lernen, Und das ist doch eine der Haupt—
Fahrenbruch. In der ersten Bildgruppe, die zwischen die zwecke unserer Bundesfeste. Es kann nicht erwartet werden,
Sängergruppen gesetzt werden, zeigt die deutssche daß sich die Kritik gegenüber dem Neuen sofort zu
Reichspost mit Unterstützung der Postgesangvereine ihre assen vermag. Das wird deutlich aus den ungeheuren
Verkehrsmittel von der ältesten Postkutsche bis zum mo— Widersprüchen im deutschen Blätterwald, auch unter den
dernsten Verkehrsomnibus. Die zweite Bildgruppe soll durch dritiken der sogenannten Fachautoritäten. Kunst ist eben
reich geschmückte Erntewagen und Trachtengruppen ein Bild ucht nur Ausdruck der, Zeit — der Künstler eilt ihr aus
der „Landwirtschaft“ geben, in dem gleichzeitig der Intuition, aus einem begnadeten Hellsehertum oft genug
Palmengarten und der Zoologische Garten mit großen Ab— veit voraus. Wir müssen prüfen, ob wir nachkommen, ob
teilungen vertreten sein werden. In der dritten Gruppe sich der Abstand von ihnen vermindert. Alles wahrhaft
„Handwerk“ solgen die einzelnen Innungen, vertreten Froße ist zunächst von der Zeit, nicht verstanden worden
durch eine Anzahl Nitglieder in ihrem Arbeitsgewand, das Auch Urteile wollen reisen. Es gilt auch hier als Prüfstein
Emblem der Zunft und Fertigware mit sich führend, dem Boethes Wort:
Festwagen des Handwerkerrats Frankfurt a. M. Die vierte „Was glänzt, ist für den Augenblick geboren,
Bruppe „Gewerbe“ zeigt verschiedene Bilder des typi- Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren!“
schen Frankfurter Gewerbes, wie zum Beispiel den Fest— Walther Stein.
wagen der Vereinigten Frankfurter Brauereien usw. Die
fünfte Grupp „Indüstrie“ bringt ebenfalls verschiedene Wa—
gen und Bilder aus dem heutigen Industrieleben. Mit die—
sen vorgenannten fünf Hauptgruppen ist ein Gesamtbild
unseres heutigen Wirtschaftslebens gegeben. Gleichzei—
tig ein Sinnbild dafür, daß die Mitglieder
des Deutschen Sängerbundes sich aus allen
Teilen unseres Wirtschaftslebens zusam—
mensetzen.
Die letzte große Bildgruppe „Sportverbände“ stellt
der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen, Ortsgruppe
Frankfurt, mit seinen verschiedenen Sportarten. Entgegen
rüherer Gepflogenheit werden die auslandsdeut—
schen Sänger nicht an der Spitze des Zuges marschie—
ren, sondern auf die einzelnen Bünde bzw. landsmann—
schaftlichen Vereine verteilt werden. Dank planvollen und
zielbewuͤßten Zusammenwirkens aller Kräfte blieb die Aus—
führung des Festzuges nicht hinter dem weitausgreifenden
Plan zurück. Ungeheuer war der Jubel, der den Saarsängern
uüberall entgegenbrauste. Heilrufe ohne Unterbrechung, Blu—
menregen, wehende Tücher auf allen Wegen und aus allen
Fenstern bis zu den Giebeln hinauf bekräftigten das Ge—
bnis „Deutsch ist die Saar“. Der Festzug bedeutete wohl
für alle Festteilnehmer einen gewaltigen, unvergeßbaren
Ausklang!
Das XI. Deutsche Sänger-Bundesfest in Frankfurt hält
auch vor der prüfenden Rückschau durchaus stand. Das ver—
hindert nicht, daß um der Sache willen und im Hinblick
auf die Zukunft auf Unzulänglichkeiten hingewiesen wer—
den soll. Nicht unerhebliche Organisationsmängel
können damit als entschuldigt gelten, daß das Fest
in eine unerhörte wirtschaftliche und politische Krise
hineingeriet, die die Durchführbarkeit des Festes erst
monatelang im Ganzen bedrohte, dann seinen zeit—
lichen Umfang herabdrückte, sferner An-⸗, Ab-⸗ und
Ummeldungen der Teilnehmer herbeiführte, deren Berück—
sichtigung in normalen Zeiten schlechthin untragbar gewesen
wäre und schließlich den Ausschüssen nur einen Monat
Zeit ließ, die vielseitigen, umfangreichen und schwierigen
Vorarbeiten der Festgestaltung zu betreiben. Stark be—
einträchtigt wurde das Bundesfest durch die Fülle und
den Umfsang der Reden, deren Wirkung oft gänzlich
verpuffte. Das Anhören mancher Reden war direkt eine
Qual, und wir kennen Fälle, in denen Massen von Teil—
nehmern, die sich erst mit Mühe und Tücke in den Fest—
raum hineingedrängt hatten, panikartig wieder die Flucht
ergriffen. Muß denn immer geredet werden? Sind nicht
endlich der Worte genug gewechselt? Können wir nicht ohne
persönliche Lobspenden auskommen? Und warum betraut
man nicht mit den Ansprachen, die unvermeidbar sind,
solche Redner, die die Herzen zu gewinnen und zu erheben
vermögen? Wir bedauerten schon, daß die Kundgebung
im Stadion auch bei dem besten Willen von einer großen
Zahl von Festteilnehmern nicht erreichhar mar. Das be—
            
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