Full text : 10.1932-1933 (0010)

Nr. 6 IIIIn
sich der Abhaltung des Festes entgegengestellt haben: „Die
überwiegende Mehrzahl der deutschen Sänger hat es aber
nicht sallen lassen; sie hat die richtige Erwägung angestellt
daß das 11. Deutsche Sängerbundesfest, begangen in der
Zeit tiesster vaterländischer und wirtschaftlicher Not, an
innerem Gehalte werde ersetzen müssen, was ihm an Prunk
und Umsang zwangsläufig abgehen muß. An 40000 deutsche
Sänger haben der Aufforderung zur vaterländischen Kultur—
tat Folge geleistet. Aus allen deutschen Gauen nicht nur,
auch aus den abgetrennten und gewaltsam von uns sern—
gehaltenen Gebieten und darüber hinaus aus allen Län—
dern, in denen das deutsche Lied erklingt, sind sie herbei—
geeilt. Soweit sie jedoch infsolge der Not der Zeit dem
Feste sernbleiben müßten, sind sie im Geiste und mit dem
Herzen unter uns, und gerade sie grüßen wir in dieser
Stunde ganz besonders herzlich!“ Der Frankfurter Ober—
bürgermeister Dr. Vandmann übernahm aus sei—
ner Hand das Bundesbanner und sührte aus: „Ich sehe
die große Bedeutung dieses Festes vor allem in drei Dingen:

«IU

Saar-Sänger-Bund IIII
Der Bundesvorsitzende des D. S.B., Geheimrat re,
dammerschmidt, gab in seinem Schlußwort der Feier
der Bannerübergabe eine besonders bedeutsame Note: „Es
var kein ganz leichter Weg, bis zu dem heutigen Tage zu
zelangen. In fröhlichen Zeiten des Glanzes und Wohl—
standes blühen auch die Werke ernster und heiterer Kunst,
aber ihre beglückenden Werte aus den dunklen Schatten der
Niederung und des Tiesstandes za des Volkes Genesung
und Erhebung herauszuholen, das ist dankenswerte Tat.
zo ist die Durchsührung des Festes der Ausdruck des
tarken und ungebeugten Willens, trotz der alligemeinen
virtschastlichen Bedrängnis und der schweren vaterländischen
Not unsere geistigen und sittlichen Kulturgüter hochzuhal—
en, auf daß unser Volk nicht ganz verzweifle. Wir sehen
dem Verlause des Festes mit froher Zuversicht entgegen.
ẽ8 wird vor allem auch nach den gesfanglichen und musika—
ischen Darbietungen den vorausgehenden Festen zum min—
desten gleichstehen. Die drei Hauptkonzerte und die süns—
undzwanzig Sonderkonzerte mit den Urausführungen der
preisgekroͤnten Werke werden überragende Leistungen sein
und ein erfreuliches Zeichen der Höherentwicklung des Deut—
schen Sängerbundes. Die Teilnahme zahlreicher auslands—
deutscher Sänger wird dem Feste zumal in gegenwärtiger
Zeit eine besondere Bedeutung verleihen. Bon der „Volts⸗
deutschen Weihestunde“ erwarten wir tiese und nach—
haltige Eindrücke. Und im Stadion werden nicht nur die
Lieder der 30 000 Sänger zusammenklingen, sondern auch
der gemeinsame Schlag unserer Herzen und uns auss
neue das beglückende Bewußtsein schenken, daß der Deutsche
Sängerbund eine weltumfassende Körperschaft gleichstreben—
der Freunde ist, die das Lied, ihr Vaterland und deut—
sches Wesen über alles lieben. Hätte der Deutsche Sänger—
ründ als Wahrer und Psfleger des köstlichsten Kulturgutes
unseres Volkes seinem in dieser Notzeit abgehaltenen Feste
den inneren Gehalt nicht zu geben vermocht, und hätte er
damit gleichzeitig auch versagt, durch die Kraft des deut—
schen Liedes das Seinige zur Betätigung und Kundbar—
nachung des zähen Willens unseres Volkes, seinen Wieder—
anstieg zu erzwingen, beizutragen, so wäre der Deutsche
Sängerbund damit seinen Idealen untreu geworden oder
zätte zum mindesten bekennen müssen, daß es Grenzen
dieses Idealismus gebe. Wir Vorbereiter des Festes haben
die Zuversicht, unser geliebter deutscher Sängerbund werde
eben durch die Abhaltung des Festes trotz aller Schwierig—
eiten beweisen, daß er äan seinem Platze steht. Bei einem
Sängerfest in Frankfurt hat der Deutsche Sängerbund das
Recht und die Pllicht, weithin hörbar zu erinnern, daß
dereinst in der Paulskirche der ernste Versuch unternommen
wurde, die auch von den Sängern heiß ersehnte Einigung
der deutschen Stämme herbeizusühren. Die Kundgebung
in der Pauskirche wird darum eine erhebende Feierstunde
ein.“ Mit dem Danke an die Stadt Frankfurt und Heil—
rusen auf das Fest, den Sängerbund und das Vaterland
chloß die Feier im Kaisersaal.
Den künstlerischen Auftakt des Bundesfestes gab abends
m Saalbau Professor Fritz Gambke mit der Uraufführung
„Der jüngste Tag“, Oratorium nach Worten von Artur
Haximilian Miller von Otto Jochum. Mitwairkende:
Ria Ginster, Franksurt a. M., Sopran; Kammersänger Fritz
Fitzau Kafsel, Tenor; Johannes Willy, Franksurt, a. M.,
Bariton; Fred Drissen, Berlin, Baß; Karl Breidenstein,
Franksurt a. M., Orgel; Frankfurter Motettenchor, Zweig—
erein des Sängerchors des Lehrervereins Frankfurt a. Mi
herftärktes Franksurter Rundfünk-Symphonieorchester. Es
st unftreitig — schreibt Karl Holl in der Frankslurter
Zeitung — 'auf seinem Gebiet eine bedeutende, groß ge—
vollte und teilweise auch groß gestaltete Komposition.
Zwei kürzere Teile: „Der letzte Mensch“, „Die Vollendung
der Natur“ leiten ein: leiten zugleich hin auf den aus—
gedehnteren Haupt- und Schlußteil „Auserstehung und Ge—
ticht alles Fleisches“ Während in den ersten Abschnitten
rus dem sofort uͤnd ohne Begleitung einsetzenden Bericht
des „Künders“ — früher „Evangelist“ genannt —, aus
Solofirecken und einsacheren Chören die Grundlinien des
Imphonischen Baues bald zärter, bald stärker, ja schließ—
ich schon mit einer gewissen Gewalt, herauswachsen, wird
m dritten Teil auf diesen Elementen eine ganz große
dlangarchitektur aufgeschichtet, aufgestemmt und zuletzt im
Thoral wuchtig vverklammert. Jochum schreibt eine tonale,
ber harmonisch frei schaltende Musik, mit, starkem im—
Frefsionistischem Einschlage. die sich gelegentlich in streng

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Der Bannerwagen des DSEB. wird auf dem Romerberg von den
Frankfurter Sängern begrüßt. Phot. F. Brieke, Frantfurt.

Die deutschen Sänger haben ihr diesjähriges Fest der
Huldigung an Goethe, dem größten Sohn dieser
Stadt, gewidmet. Sie wollen ein Bekenntnis ablegen zu
diesem großen Deutschen, dessen 100. Todestag die ganze
gebildete, Welt verehrungsvoll gefeiert hat. Und unter dem
Zeichen Goethes, dessen schönste Lieder in den großen Kon—
zerten während des Sängerbundesfestes zum Vortrag ge—
hracht werden, steht auch die zweite große Idee, die die
deutschen Sänger hier in Frankfart vereint: die Jdee der
Einheit des deutschen Volkes, die Idee der Ein—
heit'der deutschen Kultur, als dessen hervorragend—
ster Repräsentont uns der große Gestalter Goethe erscheint
Mit besonderer Freude begrüßen gerade wir Frankfurter,
daß das XI. Deutsche Sängerbundesfest verbunden ist mit
einer großen volksbdeutschen Kundgebung. Wir begrüßen
es deshalb besonders, weil die Stadt Franksurt a, M. die
Hochburg der alten und großen volksdeutschen Idee ist,
die Stadt, in deren Mauern die Paulskirche steht, aus der
heraus der Ruf nach einem großen einigen Deutschland
Sinn und Gestalt gewonnen hät, der Stadt, die einht die
heimliche Hauptstadt des größeren deutschen Reiches war,
in der die deutschen Kaiser und Könige gewählt und
gekroönt wurden. Daͤs gemeinsame Bekenntnis zu dem grö—
ßeren Deutschland aller deutschen Volksgenossen aber führt
zu der dritten entscheidenden Bedeutung des XI. Deutschen
Deutschen Sängerbundessestes: es ist entscheidend, daß in
diesen Tagen der äußeren und inneren Not sich viele Zehn⸗
tausende deutscher Männer in Einigkeit und Freundschaft
über alles Treunende des weltanschaulichen und politischen
Bekenntnisses und des sozialen Unterschiedes zusammen—
sinden und damit trotz der Zerrissenheit, unseres Volkes ein
Bild geben von wahrer deutscher Volksgefinnung. Möge
das XDeutsche Saͤngerbundessest ein würdiges Echo in
allen deufschen LKLändern finden“
            
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