Nr. 6 In“
gehört trotz aller Primitivität zum Besten, was Lendvai
in seinem Werk eingefallen ist. Gelegentliche instrumentale
Zwischensätze tragen mit dazu bei, dem Ganzen eine abge—
rundete, in einem großen Zuge gesteigerte Linie zu geben
Sparsam ist das thematische Material verwendet, ein
Motiv baut sich auf dem anderen auf. Der Sat ist keines—
wegs mit kontrapunktischen Formen durchwebt, kein Fugato,
kein Kanon, kaum einmal eine Imitation, alles drängi
zum Höhepunkt, zum Schluß: „Immanuel, laß den
Bogen des Friedens leuchten über aller Welt.“
Der zweite Teil, in dem die Sopranstimme führend ist,
hat lyrischen Charakter. Einem kleinen Chor ist eine Sonder—
aufgabe zugeteilt. Die Chorstimmen sind im Gegensatz zum
ersten Satz ganz polyphon geführt, ein Meisterstück
Lendvaischer Kunst. Auch hier wieder Einfälle von
Bedeutung, glänzende Führung der Sopranstimme. Fast
ein romantischer Zug, der in diesem Stücke aufkommen
will, der aber unterbrochen wird durch einen bewegten
Mittelteil. Höhepunkt ist nach Text und musikalischem Ge—
halt der Schlußsatz, der zunächst noch pessimistisch be—
ginnt. Auch hier Verwendung bereits benutzten thema—
tischen Materials (Umkehrung des Beginns des Vorspiels).
Auch der Chorsatz erinnert an den Anfang. Der Umschwung
— die Erhörung des Gebets — wird überraschend einge—
führt. Nicht etwa, wie man annehmen könnte, nach einem
ekstatischen Höhepunkt des Chores, sondern nach einem ab—
schwächenden A-Dur-Satz erhebt sich die Sopranstimme
sohne Begleitung) wie aus großer Ferne mit den Worten
„Lobet den Herrn, denn er segnet das Volk mit Frieden.“
Chor und Orchester nehmen das Thema auf. Eine sehr
feinsinnige ungewöhnliche Formung, die der Komponist für
den Wendepunkt vorgesehen hat. Nun ist der Bann ge—
brochen, Instrumente und Singstimmen spinnen den Satz
weiter fort, bis zum Eintritt eines Choralthemas „Er
wird mit Fittichen gnädig uns decken“. Immer mehr stei—
gert sich der Ausdruck bis zu einem vorläufigen Höhepunkt,
dem dann ein dithyrambischer Schlußhymnus von hin—
reißender Gewalt folgt.
Dem Werk dürfte ein durchschlagender Erfolg
beschieden sein, zumal es keinen ungewöhnlich großen
Apparat erfordert: Männerchor, Streicher, doppelt besetzte
Holzbläser, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen
Pauke, Orgel (ad lib.). Die Chorpartien stellen keine über—
mäßigen Anforderungen an Sänger, die bereits öfter Werke
mit Orchester gesungen haben. Die meisten Stellen gehen
nicht über „mittelschwer“ hinaus. Ausschlaggebend ist die
Auffassung und Fähigkeit des Dirigenten, der vor
der schweren Aufgabe sieht, das selbständig gesetzte Orchester
mit dem Chor in richtige Beziehung zu setzen und beide
Klangkörper einander anzugleichen. Nur wenn der Dirigent
seiner Aufgabe voll und ganz gewachsen ist, kann das Werk
so zum Erklingen kommen, wie es dem Nomponisten vor—
schwebt. Der Sgaar-Sängerbund wird den „Psalm
der Befreiung“ in Frankfurt zur Uraufführung bringen
unter Leitung seines Bundeschormeisters Philipp Stilz, bei
dem die Einstudierung zweifellos in besten Händen ist
Zusammenfassend sei gesagt, daß mir das neue Werk
Lendvais ein ganz hervorragend gut gelungener
Wurf zu sein scheint, der unsere Literatur um ein
„Standardwerk“ bereichert, und zwar ein Werk, das
zwar nicht „jedem“ Verein zugängig ist, aber doch für
eine verhältinismäßig sehr große Zahl unserer
Bundesvereine in Frage kommt — wenn sich die
Zeiten bessern, oder wenn es ihnen gelingt, das Werk in
Städtischen Sinfoniekonzerten unterzubringen.
Dr. Ewens.
Deutsche Saängerbundes-Zeitung.
Ahh Saar⸗Sänger-Bund III
Volkes und der endlichen siegreichen Ueberwindung dieser
Not. Das Werk dürfte zu den größten und reifsten
Schöpfungen Lendvais zu rechnen sein.
Vayrische Staatszeitung.
III Seite 119
Einem unserer produktivsten und gepflegtesten Männerhorkomponisten
fortschrittlicher Haltung, Erwin Lendvai,
widmete der Saar-Sängerbund den ganzen ihm zugebilligten
Raum. Der zur Aufführung gebrachte „Psalmder Be—
reiung“ hat mächtige, packende Chorpartien, die von
dendvais Erfindungskraft und virtuoser Satztechnik zeugen.
Mia Neusitzer-Thoennissen überstrahlte das Ensemble an
den dynamischen Höhepunkten.
Fraukfurter General-Anzeiger.
Der eigentliche künstlerische Höhepunkt des
Festes wurde nachmittags im Bachsaal erreicht. Hier
brachte der Saar-Sängerbund unter Ph. Stilz (Saarbrücken)
die Uraufführung von Lendvais „Psalm der
Befreiung“. Ein Werk von größter Intensität und Ab—
geklärtheit, von einem Chor- und Orchestersatz, der geradezu
ensationell, aber im besten und tiefsten Sinne, wirken
nuß. Lendvai benutzte Worte der Schrift und gestaltet
einen Gesang des um Befreiung betenden Volkes mit
eiiner Größe, die in der gesamten deutschen
Männergesangsliteratur einzig und ein—
nalig dasteht. Die Wiedergabe war ganz unvergleich—
ich zu nennen, man bedenke, daß die Sänger sich meist
aus Arbeiterkreisen zusammensetzten! Ganz hervorragend
war auch die Solistin Mia Neusitzer-Thoennissen (Gerlin),
deren Sopran siegreich über allen erstrahlte. Zum Schluß
gab es langanhaltende Huldigungen für Meister Lendvai,
der sich innerhalb des D.S. B. eine schönere Feier seines
50. Geburtstags gar nicht hätte wünschen können.
Dresdner Neueste Nachrichten.
Edvard Gri
zum 25. Todestage am 4. September
—* 4
Mannerchöre:
A cappella: yye
Op. 30. zwölf Mäannerchöre nach norweg. Volksweisen
mit Solostimmen (E. P. 2492). . .... ... ..... 2.-4
Chorstimmen.. — ——— —— ———— —
1. Ich legte mich. 2. Kinderlied. 3. Schön Torö. 4. Halling.
5. Der größte Tor. 6. —325 7. Jung Ole. 8. Halling.
3. Marienlied. 10. Die große, weisze Schar. TI. Der Taugenichts
12. Seht den Knut.
Mit Orchester:
Op. 22. Zwei Gesange aus Sigurd Jorsalfar für Tenor⸗
oder Baritonsolo, Mannerchor und Orchester
Partitur (E. P. 2661)............. ... 6. —
Klavierauszug (E. P. 2000) ........ ............ 1.20
Orchesterstimmen, Quintett. ...... .jede Stimme 0.75
- Blasinstrumente ....... ........ 7.50
4Chorstimmen ........... ie 0.40
1. Das Nordlandvolk. 2. Königslied.
Op. 31. Landerkennung. Für Bariton-Solo, Mannerchor
und Orchester (Orgel ad libit.) Partitur
(E. P. 1929). . . . . . . . ..... —E
Klavierauszug E. P. 2085) ........ ... .. .. ..... 1.50
Orchesterstimmen, Quintett ... ... .jede Stimme 0.75
- Blasinstrumente ... ..... 7.50
4 Chorstimmen je O.30
Im Auftrage des Saar-Sängerbundes hat Erwin
Lendvaieesn neues Chorwerk „Psalm der Be—
freiung“ für Männerchor, Sopransolo und großes
Orchester komponiert, das anläßlich des Frankfurter Sänger—
festes zur Uraufführung gelangte. Als sogenannte General—
probe fand vor einigen Tagen in Saarbrücken eine Auf—
führung des Werkes statt. Das Werk — der Tert ist in
freier Anlehnung an die Bibel von Walther Stein ver—
faßt worden — gibt unter Benutzung aller technischen
Ausdrucksmittel moderner musikalischer Gestaltung, in
ganz großer musikalischer Plastik, eine ergrei—
fende Feuftung der Nof unfterer Tage. der Not unseres
C. F. PETERS. LEIPZIG