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In drei großen, gigantisch entwickelten Sätzen komponiert
gibt der Psalm im ersten Satz mit meisterhaftem Tonaus—
druck die grimmige Not unserer deutschen Gegenwart und
die damit verbundene verzweifelte Volksstimmung im
düsteren Bußgesang wieder. Auch der zweite Satz ver—
harrt in dieser Stimmung, läßt jedoch zuweilen sehr
stimmungsvoll einen leisen Hoffnungsschimmer anklingen.
Selbst noch der dritte Satz verharrt zu Anfang in Buß—
stimmung, die erst nach und nach der trostvollen Hoffnung
weicht: „Wir bauen auf Dich“. Der Schluß klingt im
Jubelchor aus: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“
Das Werk verdient weiteste Verbreitung .... ist ein
Meisterstück — durch seinen zeitgemäßen, dem Ver—
ständnis jedes echt deutschen gläubigen Menschen vertrauten
Gefühlsagausdruck, — durch überzeugende Wahrheit der Ton—
sprache, — ferner durch seinen schönen Zweck, die nieder—
gedrückte deutsche Volksstimmung aufzurichten, — und end—
lich durch seine nur mittelschwere Ausführbarkeit.
Die Tonkunst.
ppu Nr. 6
zeugung über den Haufen wirft. Was sich jedoch auch
ohnedies zuverlässig feststellen läßt, das ist das hohe, auch
künstlerische Ethos des Werkes, der wirksame Aufbau, der
uns von der Bedrückungsklage des Vorspiels an bis zum
sieghaften Ausklang alle Stufen des Verzagens, Hoffens,
Blaubens und der Gewißheit durchleben läßt, und das
ouveräne gestalterische Können, mit dem der Komponist
seine Mittel einsetzt. Die Erfindung ist immer edel, die
darmonik tonal gebunden, der Chorsatz bei aller Beweg—
sichkeit nicht unsangbar; das Sopransolo erfordert eine
sattelfeste gewiegte Koloratursängerin. Es ist anzunehmen,
datz das Ganze bei entsprechender Wiedergabe auf alle
Fälle eine zündende Wirkung macht. Walter Abendroth
Allgemeine Musikzeitung.
In diesem Werk erweist sich Lendvai als der große
kontrapunktische und formale Könner, der mächtige Stei—
gerungen aufzubauen weiß. Bitte um Frieden in Zerknir—
schung und Unruhe führen zu glanzvollen triumphalen
Geheimrat Dr. Hammerschmidt spricht auf der großen Kundgebung im Stadion.
Das große, inhaltlich aus dem Geiste unserer gegenwär—
tigen Zeit herausgeborene Werk gehört zu der heüté immer
seltener gewordenen Gattung jener Werke, bei denen mit
zunehmendem Eindringen immer bedeutsamere Schönheiten
zutage treten. Das dreisätzige Chorstück kann daher unbe—
denklich empfohlen werden, da seine künstlerische Wirkung
auf Größe des Ausdrucks, auf geschlossene Einheit des
Formalen und auf sinnvolle Charakteristik im Stilistischen
deruht Deutsche Tonkünstlerzeitung.
Von diesem „Psalm der Befreiung“ wird man
jedenfalls in den nächsten Jahren noch viel hören. Sind
es doch jetzt schon starke patriotische Motive, welche, abge—
sehen vom hohen Kunstwert des Werkes, zum Studium und
zur Aufführung drängen. Und das darf einem gar nicht
leid tun, denn die tiefe Gottgläubigkeit, welche den Text
beherrscht und vom Herrn die Hilfe erwartet und er—
fleht, wird auf die Hoöͤrer ebenso tief wirken, uns es ist
sicher, daß das Anhören einer guten Aufführung dieses
wunderbaren Werkes jedem guten Menschen zu einem
unvergeßlichen Erlebnis wird.
Evangel. Musikzeitung (Schweizb
In glücklichster Weise ist es der durchaus eigentümlichen
Persönlichkeitssprache LRendvais gelungen, der Gefähr
überlieferten Allerwelts Oratorienstils auszuweichen. Au—
dererseits muß man gerechterweise die Möglichkeit offen
lassen, daß der unmitlelbare Eindruck einer vollständigen
Aufführung diesbezügliche Bedenken, die sich am Klavier
im Schlußsak einstellen. mit der Kraft künstlerischer Ueher
Welt ·Photo· Bericht
Berlin⸗Neukblln
Verheißungen. Am eigensten scheint die Tonsprache im
zweiten Teil, wo die Solospranstimme ins Stimmengewebe
eingefügt ist. Im dritten Teil mündet die Steigerung mit
einem Choral⸗Cantus-sirmus zur Brucknerschen Lobpreisung;
Alles. was Odem hat, lobe den Herrn!
Schweizerische Musikzeitung.
Lendvais „Psalm der Befreiung'“ stellt sich als
ein Werk aus einem Guß dar. Polyphoné Satzkunsti, starke
nie die Grenzen musikalischer Eigengesetzlichkeit verlassende
Ausdrucksgewalt, organisches Verknuͤpfen aͤller Mittel —
Thor, Orchester, Solod — disziplinierte Konzentration, und
vor allem tiefes, religiöses Ueberzeugtsein von der darin
gestalteten Welt sind die Prädikate des Werks. Wenn ich
einem Satze den Vorzug gebe, nämlich dem dritten, so tue
ich es aus Ehrfurcht vor der architektonischen Arbeit darin,
die alle Bestandteile bei aller Vielfältigkeit und schein⸗
baren Unüberschaubarkeit mit bewunderungswerter Selbst
verständlichkeit zusammen,paßt“, zusammenschweißt.
Dr. Ernst Stilz. „Saar-Sänger-Bund“.
.prächtig in der Form, ausgezeichnet durchdacht, kann
heruhigt auch von kleineren Vereinen gebracht werden.
Sämtliche Modulationen sind sehr gut vorbereitet und
führen das Ohr auch der primitiven Sänger zum richtigen
Sinsatz. Die gemischt polyphone und homophoͤne Saßtzweise
ist ein weiterer zu begrüßender Schritt guf dem Wege der
io unbedingt nötigen kulturellen Vertiefung des Naͤnner—
gesanges. Das Werk hat etwas unbedingt Mitreißende—
in sich. Hans Schlüter⸗Ungar. Mühblhausen i. Thür