Der Psalm der
ipuh Saar⸗Sänger-Bund een ujsll— Seite 115
ung im Auniegel der Presse.
—⸗
Oe große Bundesfest des Deutschen Sängerbundes 1932
in Frankfurt a. M. ruft auch die Sängerschaft des
Saar-Sänger-Bundes mit einer überaus bedeutsamen
Kundgebung auf den Plan. Unser Mitbürger Meister
Erwin Lendvai hat seine hohe Kunst an ein ora—
toriumartiges Werk gesetzt, den „Psalm der Befrei—
ung“ für vierstimmigen Männerchor, Sopransolo und
Orchester mit dessen Einübung, seit soeben das Werk bei
Ernst Eulenburg in Leipzig in Druck erschien, eine Reihe
leistungsfähiger Bundesver—
eine beschäftigt ist. Soll es
doch in Frankfurt ebenso—
wohl ein Bekenntnis der
Saarsängerschaft zur deut—
schen Schicksalsgemeinschaft
wie zur deutschen Kunst be—
deuten. Walther Stein,
der in engster Verbindung
mit dem Komponisten den
Text in Anlehnung an die
Worte der Heiligen Schrift
schuf, spiegelt in seinem Ge—
dichtwerk deutsches Schicksal
unserer Tage wieder. Seine
bittere Klage hebt an:
„Wir sind arm und elend,
wir verderben. Wir schlep—
pen unsere Tage wie ver—
schmachtendes Wild.. . Der
Mensch muß immer in Streit
sein auf Erden. Des Men—
schen Tage sind wie eines
Kärrners. Wie ein Knecht
sich sehnt nach dem Schat—
ten, daß seine Arbeit aus
ist. Also haben wir wohl
ganze Monden vergeblich ge—
arbeitet und elender Nächte
sind uns viel geworden. Was
ist der Mensch, daß du ihn
groß achtest? Eine Wolke
vergehet und fahret dahin.“
In hoffnungsfroher Bitte
wendet sich das Volk in
seiner tiefsten Not an den
Lenker aller Schicksale: „Herr,
höre uns aus der Höhe!
Neige Dein Ohr zu den
Armen! Laß den Bogen des
Friedens wieder hell leuch—
ten über aller Welt! Wir
mangeln der Kraft, daß wir
mögen verharren. O, daß
unsere Bitte geschähe, und
Gott gäbe uns, was wir
hoffen! Der Du den Himmel
mit Wolken bedeckst: Tränke
das dürre Land! Denn
Dein ist das Reich und die
Kraft und die Herrlichkeit!“
Gnadengewiß klingt der
Psalm in einen Lobpreis aus: „Lobet den Herrn, denn
er segnet das Volk mit Frieden. Der Herr läßt das dürre
Land wieder fröhlich stehen, und es wird blühen wie die
Lilien. Der Herr hat uns eine kleine Zeit der Engel
mangeln lassen Nun krönet Er uns mit Preis und Ehren.
Lobet den Herrn! Lobet Ihn! Denn nun wird hell der
Morgen der Freiheit uns tagen! Alles, was Odem hat.
lobe den Herrn! Alleluja! Amen!“
Dieser kurze Ausschnitt aus dem Wortlaut des drei—
teiligen Oratoriums, in dessen Schluß übrigens ein alter
Choral aufgenommen ist, zeigt deutlich, wie hier in der
gewaltigen, herzandringlichen Sprache des Pfalters und
der Propheten Menschenschicksal widergespiegelt ist, uralt
und doch ewig neu sich wiederholend, unter allen Sternen,
und in allen Breiten das adleiche — Not. Klaae. Bitte
hilfe, Lob und Dank! Und Erwin Lendvai hat dieses
Menschen- und Völkerschicksal als ein wahrhaft Berufener,
als ein göttlich Inspirierter, in seiner großen Sprache der
Töne und Klänge voll reichsten inwendigen Verstehens,
ookal und instrumental gestaltet, so daß wir Hörer im
Bann des Meisters stehen, zu Mitträgern der Handlung,
zu Mitsingern werden und mit ihm Klagen der Not,
Schreie der Verzweiflung, Beruhigung des klopfenden
derzens, Trost in Tränen, kindlich vertrauensvolle Hin—
gabe, zuversichtliches Bitten
und gnädiges Erhören mit—
erleben. Soviel kann gewiß
gesagt werden, daß dieser
„Psalm der Befreiung“ in
Frankfurt von nachhaltigstem
Eindruck werden wird, wenn
hier alle Kräfte zielbewußt
zusammengefaßt werden, um
dem Werke die würdige
Wiedergabe zu geben, auf
die es seiner kuͤnstlerischen
Bedeutsamkeit nach An
spruch hat!
Saarbrücker Zeitung.
Man darf es Walther
Stein rühmens nachsagen,
daß er in der Zusammen—
stellung des Werks aus der
heiligen Schrift zu diesem
„Psalm der Befreiung“ eine
überaus glückliche Hand ge—
habt hat. Nach dem Lamento
mit den erschütternd wirken—
den Anrufen des Allmäch—
tigen, daß er der Klage des
Volkes, das satt von Schmach,
ja übersatt vom Spott der
Feinde und von dem Hohn
der Sieger sei, ein Ende
mache, folgt ein durch die
Gegensätzlichkeit der Stim—
mung um so tiefer wirken—
des Trionfo mit dem uner—
schütterbaren Bekenntnis zur
Güte Gottes, der nun bald
wieder den Morgen der
Freiheit uns tagen lasse
Für einen Musiker vom
Range Erwin Lendvais,
dem für alle Wendungen
und Stimmungen des pracht—
vollen Textes das musika—
lische Wort unumschränkt zu
Gebote steht, konnte es kaum
einen dankbareren Vorwurj
geben als diesen. Und er
hat sich nichts entgehen las—
sen, um in die Tiefe der
Worte einzudringen und
vIne jene Kraft zu ver—
leihen, die in ihrer Ursprünglichkeit immer von neuem
erschütternd wirkt. Das gilt für den ersten Teil, in dem
nur der Chor zu Raum kommt, und noch mehr für den
sehr schönen zweiten und dritten, in denen der Solosopran
die Führung übernimmt. Es spricht für den feinen Musiker
Erwin Lendvai, wenn er nach der Kompliziertheit des
musikalischen Satzes für den Schluß „Alles, was Odem hat,
obe den Herrn“, ein wie aus Marmor gehauenes Thema
erfindet, ein Thema von volkstümlichem Gepräge, das den
dörer nicht wieder losläßt und ihn aus dem Konzertsaal
n den grauen Alltag begleitet. Das Werk ist nicht be—
onders schwierig, aber es erfordert immerhin einen Chor
bon beträchtlichem Können und eine Solistin, die zu der
Leuchtkraft der Stimme noch die Wärme hinzuträgt.
BRi⸗essoarmanie⸗
Einblick in die Festhalle des Frankfurter Sänger-Bundesfestes.
Wolt⸗Photo⸗Bericht. Berlin⸗VNeufkbUn.