Full text : 10.1932-1933 (0010)

Weltliteratur der Gegenwart.

Wen etwas tröstlich ist in dieser von chauvinistischen
Wellen umbrandeten Welt und mit Hoffnung erfüllen
kann auf Versöhnung und Frieden, dann ist es die Tatsache
daß sich der Geist nicht in die engen und willkürlichen
Schranken politischer Grenzen bannen läßt, sondern
menschen⸗ und völkerverbindend gewissermaßen eine Ein—
heitsfront aller Wohlgesinnten schafft. Unsere Vaterlands—
liebe kann wahrlich nicht daran zerbrechen, daß wir Bach
und Beethoven, Dürer und Goethe an die Welt haben ab—
treten müssen! Wir wissen es ja aus der Musik-—
gesscchichte, wie zu allen Jahrhunderten die Besten aller
Völker sich gegenseitig befruchtet haben, sich befruchten bis
in die Gegenwart hinein. Man kann am Konzertleben nicht
teilhaben, ohne auf Namen zu stoßen wie Palestrina,
Orlando di Lasso, Verdi, Chopin, Tschaikowsky, Debussy,
Mussorgsky. Und am Radio hören wir aus Konzertsälen
von Paris, London oder Moskau Beethoven, Wagner,
Hindermith. Auf unseren Bühnen stehen Shakespeare,
Calderon, Ibsen, Shaw, Raynal, in unseren Bücherschränken
genießen Homer, Dante, Milton, Zola, Tolstoi, Dostojewsky
und wie sie alle heißen, Gastrecht.
Unübersehbar ist die Fülle der Dichter und Schriftsteller
geworden, die als Stimme aus der Zeit oder in die Zeit
bon allen Gebildeten, die am Stromkreis zeitgenösssischen
geistigen Lebens angeschlossen bleiben wollen, beachtet
werden müßten. Viele von ihnen stehen mit uns in gleicher
Sehnsucht, andere sind bereits in starkem Aufbruch und
drängen zu bedeutsamen Entscheidungen. Tausend Namen
klingen an unser Ohr, tausend Finger klopfen an unsere
Pforten. Da danken wir es dem rührigen Sieben-Stäbe—
Verlag, Berlin, wenn er uns in seinem außerordentlich
wohlfeilen, trefflich ausgestatteten Verlagswerk Weltliteratur
 der Gegenwart 1890-1931 Gelegenheit
gibt, uns mit den geistigen Kräften, die aus der zeit—
genössischen Literatur aller Völker emporquellen, ausein—
anderzusetzen. Unter Mitarbeit der Bibliotheksfachleute
Dr. Gottlieb Fritz, Dr. Johann Langfeldt, Dr. Gerhard
Hermann, Dr. Adolf Narziß, Hermann Stresau, Dr. Bernh.
Rang und Dr. Kurt Wormann ist das Werk herausgegeben
von dem Direktor der Hamburger Oeffentl. Bücherhalle
Dr. Wilhelm Schuster und dem Spandauer Stadtbibliothefks

rat Dr. Max Wieser. Der 1. Band behandelt Germa—
nische und nordische Länder, Preis 3,75 M.; also
England, Nordamerika mit Kanada, Skandinavien — Däne—
nark, Island, Norwegen, Schweden, Finnland — alsdann
dolland und Flamland; der 2. Band Romanische und
zst biche LKänder, Preis 3,75 M. überblickt das zeit—
genössische dichterische Schaffen in Frankreich, Belgien und
der französischen Schweiz, in Italien, Spanien und Portu—
gal, in Rußland, in Polen, der Tschechossowakei und Süd—
teuropa: Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien,
Albanien und Griechenland. Zu dem Gesamtwerk ist eine
ergänzende Büchertafel, Preis 1,75 Ma, erschienen,
zu jedem Bande einzeln kartoniert, aber auch für beide
Bände in Leinen gebunden und in der Ausstattung der
Textbände.
Es sind in erster Linie Bibliotheksfachleute, die hier den
Pfadfinder machen durch das Labyrinth neuzeitlichen Lite—
aturschaffens. Sie knüpfen überall sachkundig an die
Brößen an, die das geistige Weltbild bis in die ersten
zwei Jahrzehnte des Jahrhunderts beherrschen, um dann
die Ideen aufzuzeigen, die in dem Literatengeschlecht
unserer Tage ihre Verfechter gefunden haben. Da denke
ich bei England z. B. an den Zerfall des bürgerlichen
diberalismus, die bürgerliche Gesellschaftskritik seit 1900,
die romantische Erneuerung, die neue Generation der
driegs- und Nachkriegszeit. Oder bei Dänemark an den
Durchbruch des Naturalismus und der Neuromantik, an
die Blutauffrischung vom Lande, die jütische Bewegung,
die Heimatdichtung, an Martin Andersen-Nexos und die
oziale Dichtung. Oder bei Rußland an die europäische
krise in der russischen Literatur, den Kampf um die neue
Besellschaftsordnung, die bolschewistische Revolution, die
Wandlung der älteren Dichtergeneration und die jungen
Dichter des neuen Staates. Alle Dichtungsformen: Lyrik,
Epos, Roman, Drama fangen wie in einem Spiegel das
neue Denken der Kulturkrise, in der wir stehen, auf. So
wird erkennbar, wie wünschenswert, nein wie notwendig
ein solcher Führer für alle diejenigen ist, die unsere Zeit
bewußt erleben wollen. Ein besonderes Wort der Empfeh—
lung bedarf dieses Werk nicht, es empfiehlt sich selbst.
Walther Stein.

90m

Büchertiscch.

Gesang und Musik betitelt sich ein neues Verlagsver—
zeichnis des Wilhelm-Limpert-Verlages, Dresden-A. 1. Es
ist vorzüglich und übersichtlich zusammengestellt, enthält
eine Anzähl Bilder und bringt über jedes Buch kurze In—
haltsangaben, Erläuterungen und Kritiken. Es ist lobens—
wert anzuerkennen, in welchem Maße der Wilhelm-Limpert—
Verlag die Bestrebungen des Deutschen Sängerbundes durch
seine Buchausgaben unterstützt. Der Verlag setzt seinem
Verzeichnis folgende Worte voraus: „Gesang und Musik
sind Träger der Kultur und Gemütsverfassung des Volkes
und der Zeit. Das gedruckte Wort spielt in diesem Volks—
gut den Vermittler und ist Ueberlieferer von Kunst und
Geschichte der Altmeister. Wir haben es uns seit längerer
Zeit zur Aufgabe gemacht, wertvolle Bücher für diese
Bebiete zu schaffen, die zur Werbung und Vertiefung bei—
tragen. Die uns vielfach zuteil gewordenen Anerken—
nungen zeigen uns, daß wir mit unseren Veröffent—
lichungen bestimmt den richtigen Weg beschritten haben.“
Die angebotenen Bücher des Verlages sind alle sehr emp—
fehlenswert. Mehr als bisher sollte auch der deutsche
Sänger dieses geistige Gut sein eigen nennen, besonders
aber sollte bei Ehrungen und Geschenken an ein gutes
Buch in erster Linie gedacht werden. Der Verlag gibt
dieses Verzeichnis auf Anforderung kostenlos an alle Inter—
essenten ab

tas, Charakter, Christentum, Demokratie, Deutschtum, Ehe.
Figentum — Chile, China, Chicago, Dänemark, Danzig,
Dresden, Düsseldorf — Chemische Industrie, Dampf, Druck—
derfahren, Düngen, Eisen, Eisenbahn — Carossa, Cäsar,
Tervantes, Claudel, Dante, Dostojewski, Dürer, Einstein...
zuerst geht man auch an diesen Band wieder wie an ein
Zilderbuch heran: man blättert und blättert — Vierfarben—
)rucke nach Cézanne, nach einer chinesischen Landschaft; eine
Thrysanthemenblüte, die Drei Zinnen in Tiefdruck; Land—
schaften aus Amerika und Afrika in Offset; sehr scharfe
arbige Karten zu Dachstein, Danzig, Geschichte Deutsch—
lands, Auslandsdeutschtum, Dortmund, Dolomiten, Duis—
zurg; Vielfarbendrucke zu Deutsche Kunst, Edelsteine, Eier
Und dann die Einschalttafeln mit großformatigen Photos:
Chinesische, Christliche Kunst, Christusbilder aus Jahr—
hunderten, Dampfschiff, Deutsche Landschaften, Diesel—
motoren, Eisenbahnen. Nicht zählbar sind die Textilillu—
strationen auf jeder Spalte (und deren gibt es da 16326

*) Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen
und Leben. 12 Bände und 1 Welt- und Wirtschaftsatlas.
Lex.«8so Verlag Herder, Freiburg im Breisgau. III. Band:
Cadillaux bis Eisenhut. Mit 26 Rahmenartikeln.
(VI S. 1632 Sp. Text und 175 Sp. Beilagen: 13 mehr—
farbige Stadt- bzw. Planbeilagen, 8 mehrfarbige Kunst—
drucklafeln, 21 Schwarzdrucktafeln, 4 mehrfarbige Offset—
tafeln und 4 einfarbige Tiefdrucktafeln; zusammen 1760
Bilder.) 1932. In Halbleder 34.50 M.: in Halbfranz mi
Rovfgoldschütt 38 M—

Band 3 des „Großen Herder“.“) Es wird bestimmt einer
der interessantesten unter den zwölf Textbänden des Werkes
bleiben. Welche Fülle wichtigster Stichworte aus den Geistes—
wifssenschaften dus Natur Fechnik und Lehenspraxis: Cari—
            
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