Full text : 10.1932-1933 (0010)

Seite 98 JII

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Das Grieg-Singspiel „Hochzeit auf Troldhaugen“ (Terxt
von Rudolf Lothar, Musik von Edvard Grieg in der
musikalischen Fassung von Felix Günther) ist sveben an
der Braunschweiger Vandesbühne unter Mitwirkung ihrer
ersten Kräfte zur Uraufführung gelangt. Die Kritik spricht
von einem „starken Publikumserfolg“ und hebt namentlich
die „sehr geschickte und geschmackvolle“ Bearbeitung
Günthers hervor.
Walter Niemauns kürzlich erschienene Suite für Streich—
orchester „Vier alte Tanzstücke“ gelangte bereits in Frank—
furt a. M. Breslau, Leipzig, Hamburg, Halle, Königs—
berg, Göteborg, Amsterdam, Rom, Lissabon, Stockholm,
London, New VYork, und Oslo und verschiedenen anderen
in⸗- und ausländischen Städten zur Aufführung.
Das Opernhaus in Königsberg brachte Hindemiths Oper
„Neues vom Tage“ in einer ausgezeichneten Wiedergabe
Spielleitung: Kapellmeister B. Vondenhoff) mit großem
Erfolg zur Erstaufführung. Paul Hindemiths Neue
Konzertmusik für Klavier, Blechbläser und Harfen fand bei
der ersten öffentlichen Aufführung in London mit Otto
Klemperer als Dirigent und Beveridge Webster als Solist
stürmische Zustimmung des Publikums.
Willy Weinberg, Aachen, dirigierte bereits die siebente
Aufführung des neuen Oratoriums „Die heilige Elisabeth“
von Joses Haas, das auch in 14 anderen Städten, wie
Frankfurt, München, Schramberg, Euskirchen, Düsseldorf,
Mühlhausen i. Thür. usw. so starken Erfolg und Zuspruch
fand, daß Wiederholungen angesetzt werden mußten.

tudieren. Dabei ist, um das Werk dem Geiste des Sowiet—
taates anzupafsen, eine völlige Umarbeitung des Terxtes in
Aussicht genommen. Mit dieser Aufgabe ist der Lyriker
Boris Pasternak beauftragt worden.
Gefährliche Kontroile. In einer Wirtschaft in Staffel—
stein in Unterfranken wurde ein Agent des Musikschutzzweck
verbandes, der Elektrotechniker Eduard Balling aus Scheß
litz, derart verprügelt, daß er einen Schädelbruch erlitt.
Balling hatte kontrolliert, ob Musikstücke, die unter Schutz
stehen, ohne Entrichtung der den Autoren zustehenden Ge—
bühren gespielt werden.

Einem interessanten Aufsatz über Wertungssingen in der
Bundeszeitschrift des Pfälzer Sängerbundes entnehmen wir;
„Noch immer aber spuckt die Wettgesangspraxis in den
Köpfen der Sänger. Wie oft bin ich schon während des
Wertungssingens gefragt worden: „Wer hat am besten
gefungen?“ oder „bekommen wir keine Punkttabelle?“ Solche
Fragen zeugen von einer schlimmen Verkennung des Wer—
ungssingens. Nur eins: „Stimmenmaterial, Chorschwierig—
keit sind Fragen untergeordneter Bedeutung. Maßgebend
ist allein die Arbeit am Kunstwerk und dessen künstlerische
Erschließung. Die Arbeit des kleinen ländlichen Vereins
mit weniger gutem Stimmenmaterial verdient mindestens
dieselbe Beachtung, wie die unter ungleich angenehmeren
Verhältnissen geschaffene Leistung eines großen Vereins
mit weitgehender stimmlicher und musikalischer Veistungs—
fähigkeit. Die Punktwertung ist ein Kapitel für sich. Es
ist ein verhängnisooller Irrtum, wenn man glaubt, in
der nackten, kalten Zahl den richtigen Ausdruck für das
ieine Zufsammenspiel seelisch-geistiger, künstlerischer Kräfte
— wie es beim Singen doch ist — gefunden zu haben.
Schablonisierung des Seelischen! Beim Wertungssingen ist
die technische Chorgeschwindigkeit von größter Bedeutung.
Je schwerer der Chor, desto höher die Punktzahl. Wohin
ührt solche Einstellung? Ohne Rücksicht auf technische und
timmliche und geistige Angemessenheit wird zum „zählen—
den“ also unbedingt schweren Chor gegriffen und es hat
sich eine ganz betriebsame „Wettgesangschor-Industrie“ ent
vickelt, deren Handwerklichkeit nur auf der Preisjägerei auf—
zebaut ist. Wir wollen beim Wertungssingen nicht den mit
iußerstem Drill zusammengebimsten schweren Chor, wir
verlangen den kunstwertigen Chor, der in jeder Hinsicht
der Leistungsfähigkeit des vortragenden Vereins angemessen
ist. Es widerspricht nicht nur dem Erziehungsgedanken
des Werltungssingens, es läßt sich auch mit künftlerischer
Moral nicht in Einklang bringen, wenn die technische
Thörschwierigkeit allein gewertet wird ohne Rückicht auf
müusikalische und stimmliche Angemessenheit.“

Eine „Musik für Orchester und Baritonstimme“ von
Erust Toch brachte Erich Kleiber in dem letzten Konzert
der Staatsopernkapelle in Berlin zur erfolgreichen Urauf—
führung. Solist war Hermann Schey. Das Werk gelangt
auch auf dem deutschen Tonkünstlerfest des A.D.M.V. in
Zürich zur Aufführung.
Anläßlich der Vollendung seines 75. Lebensjahres über—
reichte eine Abordnung des Wiener Schubertbundes dem
Tondichter Dr. Wilhelm Kienzl die Schubert-Medaille in
Prachtausstattung.

In Berlin wurde „Deutjschlands erste Negerbar“ er⸗—
öffnet. Mit Attraktionen aus der Pariser Kolonial-Aus—
stellung, und selbstverständlich auch mit einer schwarzen
Kapelle! So werden wir ja wohl über die Kulturkrise der
Gegenwart hinwegkommen!
Der Nibelungenring sowjetrussisch! Die Staatsoper in
Leningrad will Wagners „Ring der Nibelungen“ neu ein—

Der Stadtpfeifer legte das Brot auf den Tisch und das
Kind daneben. „Das habe ich unterwegs gefunden,
Christine,“ sagte er trocken, und blickte dabei die Frau so
ernsthaft an, daß sie laut lachen mußte und er selber
lachte nun mit. Dann setzte er sich und erzählte treuherzig
seine Geschichte und hob im Erzählen das Kind wohl ein
dutzendmal auf, damit es ihn anlächle und er es küsse
Als er von den sechs Groschen erzählte, da ward es auch
der Frau ganz fromm zumute; doch als er dann weiter
seinen Bericht über den Fund des Kindes beendet, sprach
sie: „Du tatest recht, daß du das Würmchen mitgebracht
hast; morgen wollen wir zum Schultheißen gehen und ihm
den Buben einhändigen.“

Endlich schien auch hier der Entschluß gefunden. Mit
einer Festigkeit, die der Frau ganz neu war, sprach er:
„Freilich wollen wir morgen früh zum Schultheißen gehen
und ihm das Findelkind anzeigen. Die Gemeinde muß für
des Knaben Erziehung Geld steuern, — es wird jetzt nicht
viel herausspringen — gute Leute müssen um eine Gabe
iür das arme Geschöpf angegangen werden; das hat alles
einen geweisten Weg, der durch des Schultheißen Stube
ührt, und du kennst ihn besser als ich. Aber so wenig ich
ziesen Laib Brot wieder zum Bäcker trage, so wenig gebe
ch das Kind aus der Hand. Der Schultheiß würde es dem
Wenigstfordernden zur Pflege ausbieten; eine Lumpen—
amilie würde es ersteigern, um das Kostgeld einzustecken
und den Kleinen verkümmern zu lassen.“ Und er fuhr fort
nit erhobener Stimme: „Nicht umsonst trieb es mich, den
Weg hinter der Stadtmauer zu gehen, den man sonst im
Dunkeln meidet. Unser Herrgott schenkt nichts weg, nicht
einmal sechs Groschen. Christine! dieses Brot wird uns
zesegnet sein und das Brot wird im Hause nie mehr aus—
jehen, wenn wir das Kind, um dessentwillen uns das
Brot geschenkt ward, behalten und zu einem frommen und
üchtigen Mann erziehen. Im Unsegen werden wir das
Brot essen, wenn wir das Kind hinweggeben. Anfangs
wirst du die größte Last haben, nachher aber kommt sie
an mich; wir wollen ehrlich teilen, was mit diesem Kind
ins Haus eingezogen ist, die Sorgen und den Segen. Johann
Friedrich, armes Waisenkind — Friedrich sollst du von
uns genannt und ein Musikant werden! Und es soll dir
zesser damit alücken als deinem Pflegevater.“
EGortfetkung fsnsot

Den Stadtpfeifer überlief es wie wenn er mit kaltem
Wasser begossen würde. Er erwachte erst jetzt zur klaren
Ueberlegung. Daran hatte er noch gar nicht gedacht, was
es heiße, ein Kind aufziehen und versorgen, und daß vor
allem eine Mutter dazu gehöre, die sich mit voller Liebe
und Opferung des hilflosen Geschöpfes annehme. Nicht ihm,
sondern der Frau kam hier das entscheidende Wort zu.
Es hatte ihm so vorgeschwebt, als müsse der Kleine auf
immer bei ihm in seiner Pfeiferstube bleiben und dort auf—
wachsen, so ohne weiteres, wie ein Blumenstock, den man
ans Fenster stellt, zeitweilig begießt und im übrigen unserem
Herrgott überläßt. Nun fühlte er auf einmal, wie gedanken—
los er geträumt.
Er besann sich lange; er kämpfte lange mit sich selber.
So viel Kopfzerbrechens hatte er sich nicht gemacht seit
der Stunde, wo er den leichtsinnigen Entschluß faßte. dos
Bouernmädchen von Gbhershach 320 heiratén
            
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