Full text : 10.1932-1933 (0010)

Nr. 5 IIII usssj Saar⸗Sänger-Bund
Sudetendeutschen neben 100 Sängern bereits 35 Sängerinnen
stehen.
Dieser starke Anteil der Frau und der Jugend in den um
ihre deutsche Kultur schwer ringenden Gebieten ist ein schlagender
Beweis dafür, daß Deutschtumsarbeit nur in der großen Volks—
gemeinschaft der Geschlechter und der Generationen Erfolg ver—
spricht. Ein erfreulicher Beweis aber auch dafür, daß die
Volksgemeinschaft am leichtesten und tiefsten sich befindet im
deutschen Singen. Das möchte gerade in heutiger Zeit mehr
denn je erkannt und gewürdigt werden. Johannes Poppe.

U Seite 97

lich im Tempo, und dann reichte auch die dynamische Kraft
der tapferen Schar nicht aus, Erstaunen aber rief die
glänzende Pracht der Organe hervor. Zum Verhängnis
geriet ihm vielleicht auch der langweilige Wahlchor von
Mommert, Eine doppelte Besetzung, und der Verein wäre
in der Preissetzung sicherlich heraufgerutscht. So mußte
er sich mit einem vierten begnügen.
Die holländischen Sänger leisteten zum Teil Hervorra
zendes. Ihr Singen ist robuster und nicht von der inneren,
bewegten Frische deutscher Gesangskunst. Das hängt mit
dem Temperament zusammen. Für formale Dinge ist ihr
Sinn scharf entwickelt. Einige Vereine kamen hart an die
Leistungsgrenze der Dortmunder heran.
Der gefällte Richterspruch — in dem Kollegium waren
ruch die Deutschen Holtschneider und O. A. Schneider ver—
treten — konnte im großen und ganzen unterschrieben wer—
den. Es wurde nicht starr nach Punkten gerichtet, son—
dern ein Gesamturteil abgegeben. Stimmenmehrheit ent—
chied dann die Preissetzung. Leider vermochte außer dem
icher problematischen, aber doch interessierenden Pilicht—
hor von Gem, Dresden, das übrige Wählprogramm nicht
zu fesseln. Alte Wettstreithüter standen neben lang—
atmigen Feld-⸗, Wald- und Wiesen-Chorballadenstil. Da
var kein Geist neuen Werdens .....
Mit Vergnügen ließ man in den wenigen Minuten der
Pausen das malerische Amsterdam auf sich wirken. Die
ßoetische Verschwiegenheit der leise glucksenden Grachten.
die geruhsamen Menschen. der sich biegende Frühstücks
isch ...
Amsterdam ist doch eine schöne Stadt .....
Retus.
Kleine Mitteilungen.
Von dem aus dem Verlag Ernst Eulenburg, Leipzig,
auf dem 11. Deutschen Sängerbundesfest in Frankfurt zur
Aufführung gebrachten Werken sind Gatter: „Unterwegs“
und „Straßenlied“, Geilsdorf: „Türmerlied“, Heinrichs:
„Dein Vaterland“ und „Bekeuntnis“ in Partituren-Kata—
ogen enthalten, die Interessenten unentgeltlich zur Ver
ügung stehen.
Anläßlich des 25. Todestages von Edvard Grieg am
4. September gibt der Verlag C. F. Peters, Leipzig, Nach—
richtenblätter heraus, die das gesamte Schaffen Griegs um
fassen. Besonderes Interesse wird das dem Liederkompo—
nisten Grieg gewidmete Blatt erwecken. Es enthält u. a
Programmvorschläge für alle Stimmgattungen.
dachte er bei sich, „der Neunundneunzigste weiß nicht, wie
der Hundertste zu seinem Brot kommt.“
Aber während er so hinter der Stadtmauer her den
Berg hinanstieg, klang plötzlich ein leises Wimmern an sein
Ohr! Er blieb stehen, die Töne schienen vom Boden herau
zu kommen.
„Was ist das?“ rief er aus. „Heute abend bin, ich im
Fiuden glücklich! Da liegt ein kleines Kind — in ein paar
irme Luümpen gewickelt. Wahrhaftig, Gott hat mir nicht
umsonst den Zorn eingegeben, daß ich wie toll in die Nacht
hineinlaufen mußte!“
Und es kam ihn, wunderbar genug, über diesen zweiten
Fund fast eine größere Freude an als über den ersten, do
er in den Lichtschimmer des nächsten Fensters trat und
ein Papier entzifferte, das bei dem Kinde gelegen; darauf
sttand geschrieben: „Ein arm elendig Weib bittet den
CThristeümenschen, der dies findet, daß er sich um Jesu
willen des Kindes erbarme. Es ist getauft und heißt mit
Namen Johann Friedrich.“
Der Stadtpfeifer nahm sein Brot in den einen Arm
und das Kind in den andern und schlug den Zipfel seines
sangen Rockes um den armen Wurm.
„Herr Gott!“ rief er, „du sollst mir nicht umsonst die
Broschen auf die Straße gelegt haben!“ Dieser kurze Aus—
ruf aber war wie ein volles, brünstiges Gebet.
Erst als der Stadtpfeifer mit dem Doppelfund vor seiner
Stubentüre stand, überkam ihn Zagen und Verlegenheit!
Doch schon oͤffnete Frau Christine und begrüßte ihn so
zärtlich, als müsse der Gruß allein jede Erinnerung von
Stfreit und Unmuft tilden

Erfolge deutscher Sünger in Holland.
Streiflichter vom internationalen Gesangwettijtreit
in Amsterdam.
Das musikalische Pflaster in Holland ist nicht ganz un—
gefährlich. Wer es betreten will und sich der Kritik aus—
seßzt, muß mit einem tüchtigen Können gewappnet sein. Um
so höher sind die Erfolge deutscher Männerchöre wie des
Dortmunder Männergesangvereins und des Düsseldorfer
Quartettvereins „Beethoven“ zu bewerten, die aus hartem
Konkurrenzkampf siegreich hervorgingen. Die Dortmunder
trugen sogar den ersten Preis davon. Veranstaltet wurde
der über sechs Tage sich erstreckende Wettstreit aller Chor—
arten von der Amsterdamer Liedertafel „Onderlinge
Oeffening“ gelegentlich ihres 50jährigen Bestehens.
Zu singen waren nur zwei Werke, ein Aufgabe- und
ein Wahlchor. Der Pflichtchor von Gem, Dresden, „Me—
moris Judaeorum“ sieht sich auf den ersten Blick recht
harmlos an, er steckt jedoch voll rhythmischer und tonlicher
Finessen und Klippen. Es herrscht in seiner Form wohl
ein pratikabler Geist des Vokalen, ja der psalmodierenden
Episoden sind nicht wenig, sie führen aber sehr oft zu
unmotivierten Gewaltsamfeiten und Verzerrungen. An
diesen Klippen der Intonation scheiterten denn auch die
meisten Vereine. Uebrigens hätte man als Text ebenso gu
eine Seite „Meyer“ aus dem Adreßbuch vertonen können
Die Dortmunder unter Dr. Pauligs ausgezeichneter Lei—
tung traten in stärkster Eigenbesetzung an. Paulig faßte
das Werk sicher im Rhythmus, sauber in der Intonation
und lebendig im vorgeschriebenen Rubato an. Die schwie—
rigsten Stellen brachten freilich auch sein Chorschiff ins
Wanken, doch stand im ganzen diese Leistung so hoch, daß
sie kaum übertroffen werden konnte. Der andere deutsche
Verein, der Düsseldorfer Quartettverein „Beethoven“,
stürzte sich mit Mut und seinen 36 auserlesenen Stimmen
in den Kampf. Chorleiter Josef Nähr vergriff sich anfäng

So schritt er denn nach einer Weile langsam zurück über
die Brücke, und im Gehen wiederholte er sich wohl zehn
mal immer langsamer und nachdenklicher den Vers. und
seine Schritte hielten zuletzt wie von selber ein, daß er
in tiefem Sinnen stehen blieb. Sein Blick senkte sich zur
Erde. Da sfieht er etwas glitzern: — es ist ein funkelneuer
Groschen! Und wie er sich bückte ihn aufzuheben, sieht er
auf einen Schritt voraus noch einen Groschen liegen und
weiterfort noch einen — und so waren es sechse, dicht an—
einander, alle so neu und glänzend, wie wenn sie eben
jetzt aus der Münze kämen.
„Sechs neue Groschen in einer Reihe,“ murmelte der
Ztadtpfeifer leise, tief bewegt, „sechs Groschen — die hat
mir unser Herrgott selber hierher gelegt, der mich nicht
verlafssen will — sechs Groschen kostet der Laib Brot in
diefer teuren Zeit!“ Und dann war es ihm nach einem
Augenblick wieder unfaßbar, wie er zu dem Gelde ge
kommen; er erschrak vor sich selbst, als habe er's gestohlen
er prüfte fühlend und besichtigend im Schein der erleuchteten
Fenster eines Hauses, ob es kein Blendwerk sei: allein es
varen und blieben wirkliche sechs neue, blanke Groschen
Es ward ihm aber, daß er hätte weinen mögen wie ein
Kind, als er beim Hofbäcker eintrat und die sechs glän—
zenden Groschen niedergeschlagenen Auges auf den Tisch
legte und mit zitternder Hand den Laib Brot dafür
hinnahm.
Jetzt lief er noch viel schneller zum Schlosse zurück, als
er vorhin nach der Brücke gelaufen war. Er preßte das
Brot fest unter den Arm, als könne es ihm unversehens
mieder daponffiegen. Da fann man wohl auch sagen.“
            
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