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usfik a« wWeltslprache
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ir wollen sofort Deutschland verlassen, um hinüber wahr, daß ich die Weltsprache entdeckt habe. J ehe es
W nach Argentinien zu gelangen, Dort, wo uns an den Augen der Kinder, *— sie —* dercheseb daß
verwandtes Blut sich seit den letzten 59260 Jahren unter ch deutsch, rumänisch, spanisch und französisch zugleich
harter, mühevoller, geduldiger Arbeit eine Scholle als »xrzähle. Die Kinder gucken einander an; die Tiroler
Heimat erworben hat, dorthin, wo wegen wirtschaftlicher Mädchen lachen, der kleine Ungar, Andor stößt meinen
und persönlicher Schicksalsnöte auch andere Völker liebe kleinen Gösta an. Ich sehe: die beiden verstehen, ver—
Brüder und Schwestern hinziehen lassen mußten. Seien tändigen, unterhalten sich, obgleich der eine nur deutsch
es Franzosen, Spanier, Engländer, Ungarn, Rumänen und der andere, nur ungarisch kann.
So kam es, daß man vor Jahren, als die erste deutsche Im Augenblick sehe ich die Kinder über die Bänke steigen,
Schule in Argentinien gegründet wurde, eine Kinderschar ie formen einen Kreis um mich, nehmen sich bei der
antraf, die wohl in der Mehrzahl aus blonden, pausbäckigen Hand, denn die Hand, in der das warme Blut pulst, ver—
deutschen Mädels und Buben bestand, aber auch kleine keht noch immer da, wo der Mund mit der Sprache ver—
Franzosen, Engländer, Russen, Ungarn, Rumänen, agt. Der Kreis geht um mich herum: gehend, bedächtig,
Spanter ... zeigten sich als lernbegierige ABC-Schützen. ldaufend, springend, hüpsend, jauchzend, und im Augen—
Wie sich nun die erste Schulstunde mit dieser bunt durch- dlick spielen, singen, verstehen wir: Dornröschen war ein
einander gewürfelten Gesellschaft, die gespannt war aus chönes Kind - . .. . Bald wissen alle, was das Wort
das, was da kommen sollte, zutrug, soll der Gründer und Königssohn bedeutet. Sie wissen es nicht nur als Vokabel,
Leiter der ersten deutschen Schule in Patagonien Max dein, sie haben es gesehen an dem stolzen Gang, sie
Tepp selbst erzählen: haben sich selbst wie ein junger Königssohn bewegt. Sie
„Am ersten Schultag werde ich von einer bunten Kinder- kennen diese neue deutsche Vokabel nicht nur mit dem
schar (30 erwartet. Kopf und mit dem Munde, nein, sie wissen sie mit dem
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iele erwidern den Gruß, aber o weh, eine ganze Reihe urch die Hand, durch das Auge, durch die Allmutter
derhehtiNore Drutnn lächelt perlegen um schüch- Musik verstanden wir uns und Mnd g
ern Dasind, einige Spanier, einige Argentinier, ein Von diesem Anfang aus ging es schrittweise weiter. Wir
Mädchen spricht französisch, ihre Schwester spricht unga- Lernten Hunderte ns —— Dauhen —28 — Liederm
risch und rumänisch, da sind pier kleine Engländer, die so daß bald das deutsche Wort ganz lebendig unter uns
wohl Englisch und Spanisch, aber kein Deutsch verstehen. bar Wo spůter daun⸗ und waͤnn einmal die Sprache
Also sage ich nach meinem Gutentaggruß auch noch auf hersagte, half immer wieder Spiel und Musik und das
englisch: Good morning!, auf französisch: Bon jour! und Verftehen von Körper zu Körper,
an eee e a Inmitten des Lachens erkenne De rer die rrandet
c. 7 ——6 ax Te at durch kinen günstigen Zufall die Musitk
ich urplötzlich, daß die Kinder sich schon verstehen werden aus — —— ien Il iie redhe
Ddas Lachen ist international. Das Lachen verbindet uns nittel erkannt und wir, die wir bewußt dem gegenüber—
sofort. und sp gehen wir an die Arbeit. stehen müssen, wenn wir nur einmal ehrlich in uns hinein—
Als alles in den Bänken sitzt, wird mir doch wieder cken wollen, fühlen und empfinden, daß es nun eine
etwas ungemütlich. Welche Spräche soll ich jetzt sprechen? unumstößliche Wahrheit ist, dort wo Worte nicht hoch,
Deutsch? Dann verstehen die Rumänen, Argentinier, Eng⸗ hehr, erhaben, ja klar genug sind, dort wo der Mensch dem
länder kein Wort. Englisch? Französisch? Spanisch? Un- sstenschen gegenüber versagen muß, die Musik eine herr—
WreWidenn seststrugi. n no vie wemiger liche, reine Brücke baut, auf der man sich in seinem
e i a echt gespannt an und warten, was 3 in 3
dr eee un ue vee an ud eee Innersten und Heiligsten begegnen kann und verstanden fühlt
Ich nehme stillschweigend die Geige und spiele ein Max Tepp.
luftiges Stücklein, ein Kied, noch ein Lied, ein Kinder— Der Deutsche in Argentinien.
spiel, noch ein Kinderspiel. Und schließlich werde ich ge— Von Prof. Dr. Wilhelm Keiper, Buenos-Aires
luftig, die vier Fenster nach den vier Winden, und der
heulende Sturmwind verband sich mit dem Geigen und
zem Spinnrad zu einem verzweifelt melancholischen Kon—
zert. Die Scheiben klirrten, ein Schwarm Raben flatterte
krächzend um den hohen Turm, das Lahnwehr tief unten
erbrauste wild. Der Geiger spielte, als gälte es wettzu—
ämpfen mit alle diesem Getöse, aber alle Wut, des Eifers
ließ es ihm nicht glücken, einen einzigen Lauf rein und
flink herauszubringen.
Und so waär's alle Tage. Eine Ausdauer hatte Heinrich
ullmann sondergleichen und auch ein gutes Verständnis der
Sache; aber so sehr er das Besté zu beurtetilen, so rein er
es zu genießen wuͤßte, vermochte er es doch niemals selber
hervorzubringen.
Endlich waͤrf er die Geige weg. „Ich bin zu nichts gut,“
eief er unmutig, „als den Morgen und Abend mit einem
Thoral anzublaͤfen. Ein kunstreicher Spielmann werde ich
m Leben nicht. O Weib, das tut weh, zu fühlen, wie man
alles geigen soll, daß die Leute ausrufen müßten: Seht,
der Weilburger Stadtpfeifer ist ein anderer Corelli! Das
tut weh, jede Passage gar wunderschön im Kopf zu haben
uind zu wissen, bis sie in die Finger kommt, wird alles
holperig und matt sein!“
Da hielt Christine das Spinnrad ein und sprach: „Laß
ab von diesen Sachen, Heinrich. Treihe dein Handwerfk
ehrlich, daß du uns Brot schaffest, und lasse dir daran
Jenügen. vein eitles Begehren bricht dir den Mut— Die
Zteine, die man nicht heben kann, muß man liegen lassen.
der Krieg quält uns, die Hantierung stöckt und allen Leuten
geht das Geld aus. Da braucht es Kraft und Gottvertrauen:
deso dir das nicht dus der Seele! Qu mas ist Hoifar“
In den ersten Monaten hatte sie, dem Herkommen des
Vvoäãterlichen Hauses getreu, an jedem Sonntag einen Kuchen
gebacken. Denn in Ebersbach, wo man freilich auf Mehl
und Milch und Butter nicht zu sehen brauchte, würde eine
Sonntagsfeier ohne Kuchen angesehen worden sein wie wenn
man neében die Kirche gegangen wäre oder die Werktags
kleider anbehalten hätte statt festtäglichen Putzes. Der
Kuchen gehörte so nötig zu einem gerechten Sonntag wie
Glockengeläͤute, Orgelspiel und Chorgesang. Anfangs machte
nun das Bauernkind in der Pfeiferstube nach gewohnter
Weise einen Sonntagskuchen, mächtig groß, in seiner Run—⸗
dung fast vergleichbar der großen, rot aufglühenden Mond—
scheibe, wenn sie abends am Bergsaum aus leichtem, Nebel
hervortritt Dann spürte Christine allmählich den Unter
schied zwischen Dorf und Stadt, und der Sonntagskuchen
ward beträchtlich kleiner, etwa wie derselbe rote Mond,
wenn er nochgehends als goldene Kugel im dunstfreien
Mitternachtshimniel schwimnit. Anfangs September wurde
der Kuchen so klein, wie wenn man des Mondes schmales
erftes Viertel zu einem Kreise zusammengelegt hätte, und
als die Aequmoktialstürme den Turm umbrausten, da
stand es mit dem Sonntagskuchen wie mit dem Neumond:
er war nun ganz unsichtbar geworden.
In dieser Zeit geschah es, daß der Stadtpfeifer eines
Abends vor dem Roltenpulte saß und strich die Saiten
seiner Geige übend auf und ab, immer die gleiche Figur
dergestalt, daß es der armen Christine, die das Spinnrad
reßte Ffast schwindelig wurde Baos Stübchen saa gar