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Sruittslhhh Saar⸗Sänger⸗Bund Ifurren
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5 ging das selig-unselige Spiel wohl gegen zwei Wochen
DBlang, da trat Susi eines Tages mit der Vormittagspost
zu ihm heran und sagte: „Papa, ich hätte eine große Bitte
an dich.“
„Die wäre?“
„Der Sokolow hat mir geschrieben, daß er Aussicht auf eine
Kapellmeisterstelle hat in einer Stadt, weit hinten im Innern
— und da er dann nicht mehr wiederkommen würde, so möchte
er mir gern Adieu sagen. Um dir nicht lästig zu fallen, will
ex auf der Station einen Zug überspringen, aber ich denke,
anstatt daß ich dort im Wartesaal mit ihm 'rumsitze, wär' es
cichtiger, ich lade ihn hierher ein. Willst du erlauben, daß ich
das kue, und willst du ihn auch abholen und wieder zurück—
hringen lassen?“
Ein schneidendes Wehgefühl stieg in ihm auf. „Das ist er“,
schrie eine Stimme ihm zu, „das ist er, der sie mir wegnehmen
vird.“
Ahen er hütete sich wohl, von seiner Eifersucht etwas merken
zu lassen.
„Deine Freunde sind meine Freunde“, erwiderte er. „Und wenn
er länger bleiben will, soll es mir auch recht sein.“
Sie bedankte sich mit gemessener Freude, aber den letzten
Hedanken wies sie weit von sich.
„Der arme Junge ist ja so stolz“, sagte sie. „Die bloße
Möglichkeit, lästig zu fallen, würde ihn schon zum Hause hinaus—
jagen.“
Damit ging sie, dem Freunde den Einladungsbrief zu schreiben.
Zwei Tage später kam er an. Es war wohl zu bemerken, daß
Zusi sich sorgsam herausgeputzt hatte, aber Steffen tat, als
nähme er von dem Besuch nicht viel Notiz, bat, ihn mit
seiner Arbeit zu entschuldigen, und fand sich erst wieder ein,
als die Mittagssuppe schon auf dem Tische stand.
Sein Erinnern hatte ihn nicht getäuscht. Dürftig war der
unge Mann, schmalschultrig und blaß, mit einem Paar un—
wahrscheinlich schöner Augen in dem schlecht rasierten Gesicht.
Dazu befangen und linkisch, wie Steffen das freilich oft erlebte,
venn man als Fremder ihm. dem berühmten Manne, ent—
zegentrat.
Um so liebenswürdiger versuchte er, ihn näher an sich heran—
zuziehen, erkundigte sich nach seinen Aussichten und brachte
seine Glückwünsche dar.
„Soweit iest leiderr noch niecht“, sagte der junge Mann mit
einer weichen, traurigen Stimme. „Jech bien nurr als Be—
verber geladen. Man vergietet mir die Reisekostenn und
timmt mich aan oder schiekt mich wieder zurick.“
„So hätten wir also zu hoffen, daß man Sie nicht an—
aähme“, sagte Steffen, die Höflichkeit des Hausherrn über—
steigernd. Und dabei schien es ihm, als ob ein leises Beglückt—
ein Susis Lippen umspielte
Dann forschte er ihn weiter aus, immer mit dem Hinter—
gedanken, von den Möglichkeiten einer Verbindung mit Susi
etliches zu erfahren.
Aber nichts weiter kam zum Vorschein, als daß er ein armer,
zwanzigjähriger Bursch war, ohne Hilfsmittel und ohne Gönner—
chaften, mit seiner Familie zerfallen und ganz auf seine
Begabung angewiesen, für deren baldige Verwertung nur geringe
Aussicht bestand, denn auch der Platz, der ihm winkte, hing
orläufig noch in der Luft.
Dies alles beruhigte Steffen ein wenig, und als er nach Tische
die beiden allein ließ, durfte er sich glauben machen, daß hier
nichts als eine belanglose Jugendfreundschaft vorlag, wie deren
ein jedes Mädchenleben ein halbes Dutzend aufzuweisen hat.
Nach dem Vespertee aber änderte sich das Bild.
Susi — offenbar in dem Bestreben, ihren Gast in eine mög—
ichst günstige Beleuchtung zu stellen — sagte, als man vom
Tische aufstand: „Ach lieber Papa, willst du nicht Herrn
3okolow bitten, daß er uns etwas vorspielt? Ich habe ihn
chon gebeten, aber er fürchtet, es werde dich langweilen.“
Mit lächelnder Dringlichkeit tat er, was sein Hausherrntum
hm gebot.
Susi räumte in Eile den Flügel ab, auf dem allerhand
talienische Bronzen herumstanden, denn sie selbst spielte sonst
ruf dem Klavier, das in ihrem Zimmerchen stand und das sie
zei ihrer Rückkehr ins Elternhaus zum Geschenk erhalten hatte.
Der Deckel ging hoch, und nun saß Herr Sokolow da, ließ
»ie langen Spinnenfinger auf den Tasten ruhen und machte
lugen wie ein Heiland, der sich anschickt, Wunder zu tun,
Mit Chopin begann er. Das süße Gezwitscher der „Fantaisie“
chmeichelte sich in Steffens Ohr, doch so etwas konnten andere
vohl auch. Dann kam Tschaikowstkh an die Reihe. Steffen
»kannte ihn nicht, aber Susi flüsterte ihm den Namen entgegen.
Bärbeißiges Heldentum und hinschmelzende Schwermut woben
ich bunt durcheinander. *
Doch dann — was war das? Was kamen da für Töne aus
»em Kasten geflogen? Das war nicht Chopin, das war nicht
Tschaikowsky — das war kein Moderner und kein Klassiker —
lawisch war es und war es auch nicht — vielleicht einer von
den Neuesten, die aus Naturlauten, aus Meer und Wind und
Wald, eine unwahrscheinliche Klangwelt hervorgeholt hatten.
Steffen schaute fragend nach Susi hinüber. Die saß dicht vor
dem Fenster und schaute verträumt, verzückt in die Wolken des
Abendhimmels.
Da wußte er: das war von ihm. Und sie wußte erst recht
daß es von ihm war.
Hermann Sudermann.
Die Frau des Steffen Tromholt.
hHermann Sudermann.
Im Jahre 1887 machte ein Roman „Frau Sorge“, der
inzwischen weit über hundert Auflagen erlebt hat, den
süngen ostpreußischen Dichte Hermann Sudermann zu
einer Berühmtheit. Einer alten Mennonitenfamilie entstammend,
vurde er 1857 in Matziken geboren, verlebte aber seine Jugend
in Heydekrug, wo sich der Vater durch Kauf einer Brauerei
ansässig gemacht hatte. Mißliche wirtschaftliche Verhältnisse
zwangen den vierzehnjährigen Realschüler in Elbing, zu einem
Apotheker in die Lehre zu gehen. In Tilsit fand er hernach
zedoch wieder den Anschluß an das höhere Bildungswesen, so daß
er 1875 an der Universität Königsberg Philologie und Geschichte
tudieren konnte. Von Kindheit an Frau Sorge, der grauen,
derschleierten Frau verpflichtet, galt es jetzt, sich so rasch wie
möglich auf eigene Füße zu stellen. Hauslehrerstellen und Mit—
arbeit an Zeitungen hielten den jungen Schriftsteller, dessen
Dichtungen kaum einem weiteren Leserkreis hekannt wurden,
notdürftig über Wasser.
Dann kam der große Wurf, sein Roman „Frau Sorge!“
In dem Helden Paul Meyhöfer spiegelt sich gewiß ein wesent—
iches Stück eigenen Kindheitserlebens wider. Am Tage von
Pauls Geburt kommt das Gut des großsprecherischen, aber
»nergielosen Naters unter den Hammer DVie ernste Bblasse
Mutter macht den Knaben schon früh zum Mitwisser ihrer Sorge
ind legt so untragbare Lasten auf die Schultern des kaum
ingesegneten frühreifen Jungen, der in wahrem Heroismus
er Opfer und der Selbstverleugnung das neuerworbene, im
Moor gelegenen Gut des Vaters hochzubringen versuchte. Wohl
uft ihn eine göttliche Stimme im Innern zur Musik, zur
zunst. Alles, was sein Herz bewegt, möchte er in Tönen
ussprechen. Aber in heldischer Selbstbetäubung bringt er diese
öttliche Stimme trotz ihrer feinen Fürsprecherin Else Douglas
um Schweigen. Sein Leben gehört der Arbeit, dem Dienst an
»aus und Hof, der Sorge für die still duldende Mutter und
iach ihrem Tode für den leidenden, aber dennoch wüst aufbe—
zsehrenden Vater, der Fürsorge für die leichtfertigen, ver—
mnügungssüchtigen Schwestern, die das Andenken an die ver—
wigte Mutier und seinen ehrlichen Namen beflecken. Sein
zflichtbewußtsein läßt Paul in dieser Sorge vor keiner Handlung
urückschrecken, und so sieht er sich endlich vor den Schranken
es Gerichts. Aber im Zusammenbruch des Letzten leuchtet ihm
n seiner Jugendliebe ein freundlicher Stern. An ihrer Seite
rblüht ihm die blaue Blume des Glückes, sie jagen schließlich
jsemeinsam Frau Sorge zur Türe hinaus! Auch heute noch
zat dieser SchitsiolSroman. bor von dem kfafeagnrischen Imvbpoe—