Full text : 9.1931-1932 (0009)

Seite 34 PIppproneeieeeurt aeceeecae
stunde durch das erschütternde Unglück von Maybach mitten
in der Pflichterfüllüung abgerufen wurden. Sie alle —
Menschen der lastenden Erde und der schweren Arbeit und
gleichzeitig und deshalb Menschen mit der aktiven Sehn—
fucht nach der erhebenden Kunst im Herzen, Menschen, die
mit der Tiefe des Unbewußten die Wahrheit des Ge—
dankens ahnten, den Jean Paul einmal in die wunder—
vollen Worte ausströmen läßt: „O, ihr unbefleckten Töne,
wvie so heilig ist eure Freude und euer Schmerz! Denn
Ihr frohlockt und wehklagt nicht über irgend eine Be—
gebenheit, sondern über das Leben und Sein selbst, und
eurer Tränen ist nur würdig die Ewigkeit, deren Tantalus
der Mensch ist. Wie könntet Ihr denn, Ihr Reinen, im
Menschbusen, der so lange die erdige Welt besetzt, euch
zine heilige Stätte bereiten oder sie reinigen vom irdischen
deben, wäret Ihr nicht früher in uns als der treulose
Schall dieses Lebens, und würde uns euer Himmel nicht
angebopren vor der Erde!“ — Durchdrungen von diesem

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aeettatereshl Saar⸗Sänger-Bund sPrrennen)

uephtcch Nr. 8
ein körper- und erdbefreites Sein und Werden schwebt,
hres Todes, der einmal auch unser sein wird? — In ver—
ꝛhrendem und dankbarem Erinnern erheben wir uns —
uind nach diesem stillen Gedenken lassen wir uns in dem
Zewußtsein, daß wir über Raum und Zeit im Geiste ver—
zunden bleiben, ergreifen durch den Trauermarsch, den
ichard Wagner in der Götterdämmerung seinem Helden
ingt, der, eine musikalische Klage in unserem Sinne das
aten- und siegreiche Siegfriedleben noch einmal entrollt
ur positiven Trauer der Verehrung und Nachfolge, eine
Trauermusik im Geiste des Testamentes unserer abgeschie—
»enen Sangesbrüder an einen jeden von uns, des Testa—
nentes, das da lautet: „Gedenke zu leben, damit groß ist
das Leben und reich!“
Den ergreifenden Worten gaben General-Musik—
direktor Lederer mit dem Städtischen Orchester den
veihevollen musikalischen Nachhall mit dem

Massenchor des Gaues Saarbrücken bei der Kundgebung auf dem Neumarkt. Phot. Emil Faes, Saarbrücken

Ahnen um das Wesen wahrer Kunst, die das menschliche
Urdenken in Bildern ist, verschrieben unsere verklärten
Freunde ihre freie Zeit und Kraft dem Gesang, wählten
sie von den zwei, Wegen, die aus dieser Erde heraus—
führen, nicht den der Sucht und Angst des Irdischen, des
Todes, sondern den der frohen Pflicht und des Schönen,
des Lebens also, das in dem unaufhörlichen Sterben, das
alles menschliche Sehnen und Werden und Kämpfen im
Tiefsten bedeutet, allein wirkliches und endloses Leben ist.
Sie waren Sänger, d. h. Menschen. Kämpfer mit sich selbst
und um sich selbst.
Und deshalb wollen sie nicht, daß wir ihrer gedenken
n dumpfer Reflexion über Not und Tod, in unfrüchtbarer
lage und matter Traurigkeit. Das hieße ihr Wirken und
Leben zur Wertlosigkeit verurteilen und wertlos und ver—
gänglich ist nichts: kein Wort, das sie sprachen, kein Ton,
den sie sangen, kein Werk, das sie taten. Alles und jedes
ist Fruchtboden und Samen zugleich, — wenn wir es wollen,
venn ihr Geist in uns lebendig ist und bleibt. Dieser Geist,
der verlangt, daß wir uns selbst und dadurch das Leben
und die Welt reifer, reiner, vollkommener gestalten, daß
uns ihre Saat nicht nur Erde bedeutet, sondern die Pflicht
zu meuer, besserer Aussaat. — Noch ist unser die Stunde,
das Licht, der Gesang, das irdische Leben. Sind wir uns
der großen Verantwortung dieses Besitzes jenen gegenüber
bewußt?, Sind wir uns bewußt, daß unsere Tage erst
dann wirkliches Leben werden, wenn in und über ihnen
oòaAtmas non doer Moöoihe dor Gehurt unserer Norewigten in

Trauermarsch aus Richard Wagners „Siegfried“ und
der Saarbrücker Liederkranz unter Bundeschormeister
Stilz mit dem „Gesang des Lebens“ von Wilhelm
Rinkens.

Zu herzliche Begrüßung des Bundestages
und seiner Gäste ergriff zuerst Oberregie—
rungsrat Jaeckel als Vorsitzender des Gaues
Zaarbrücken, das Wort und gab der Freude Ausdruck,
daß nun einmal der Bund in der Saarmetropole tage
uind daß sich unter den vielen Gästen, die der Gau
värmstens begrüße, auch der greise Bundesvorsitzende
—V
jetreuer Eckart des Deutschen Sänger-Bundes erfunden
sjabe. Nunmehr begrüßte namens des Bundes Vor-—
itzen der Dr. Bongard den Bundestag und alle
eine Gäste aus Nah und Fern, allen voran den
erehrten Bundesvorsitzenden des D.S. B., die Dele—
zierten der Bünde von Mosel und Nahe, Herrn Prof,
stinkens aus Eisenach, die Vertreter der geistlichen und
veltlichen Behörden, des Handels und der Gewerbe,
der Gewerkschaften und namentlich auch die der Presse.
Mit seinem Gruß vorhond or don herzlichsten Don
            
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