Full text : 9.1931-1932 (0009)

Nr. 2 Ipe

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stehen auf dem Programm, und nicht nur das, auch unter
den Komponisten sind Namen, die bisher kaum in der
Deffentlichkeit genannt wurden. Es ist dies der Erfolg
des großen Ausschreibens, das der Deutsche Sängerbund
m April vorigen Jahres erließ zur Gewinnung von
nusikalisch wertvollen, für Massenchor geeigneten Chören
auf Goethetexte. Etwa 600 Kompositionen mögen, wie be—
reits berichtet wurde, eingegangen sein. Der Musikaus—
schuß hatte die verdienstliche, aber undankbare Aufgabe,
hier die Spreu vom Weizen zu sondern. Es muß zur Ehre
unserer Komponisten gesagt werden, daß sich gerade in
diesen Einsendungen eine erstaunlich große Anzahl von
Kompositionen befinden, die auf ausgezeichneter musika—
ischer Höhe stehen. Leider eigneten sich sehr viele Stücke
nicht für Massenchor. Werke dieser Art müssen bekannt—
lich ganz eigene, kompositorische Voraussetzungen aufweisen,
venn ihre Aufführung gelingen soll. In Kürze werden
in der D.S. B. 3. eine Anzahl eingereichter Werke bekannt—
zegeben, die sich zwar für die Hauptaufführungen nicht
zignen, die aber dem Interesse der Vereins- und Gau—
dirigenten dringend empfohlen werden, da es sich hier um
virklich gute Chormusik handelt.
Daß erfolgreiche Komponisten der Nürnberger Sänger—
woche in Frankfurt vertreten sein werden, ist gleichfalls
als erfreuliches Zeichen zu buchen. Wir nennen hier: Josef
Butz, Wilhelm Knöchel, Walter Rein, Georg Schumann,
Max Egger. Daneben sind aber unsere bewährten Kom—
ponisten, deren Namen Gemeingut aller Vereine geworden
ind, nicht vergessen. Wir nennen nur den Namen v. Othe—
zraven, der mit seinem prachtvollen, wirkungsvollen „Lob
Bottes“ vertreten ist, ein Stück, das schon beĩ den mannig—
achsten Gelegenheiten erklungen ist. Auch Hugo Kaun
ommt mit seinem „Heimatgebet“ (aus seinem Zyklus
„Heimat“) zu Worte. Sein Chor wird nicht in einer
dauptaufführung, sondern im Stadion bei der großen
undgebung gesungen. Kaun erklingt also nicht, wie die
anderen Komponisten, aus 20 000 Kehlen, sondern die ge—
fsamten Teilnehmer des Festes, hoffentlich 705 bis 80000
verden dem populärsten Meister des Liedes in diesem Werke
ihre Huldigung darbringen. Die Ehrung für Kaun wird
dadurch unterstrichen, daß er der einzige lebende Kom—
ponist ist, der im Stadion zu Gehör kommt.
Wenn man auch eine beträchtliche Anzahl neuer Werke
in Aussicht nahm, so schloß das nicht aus, daß auch unser
Liederbuch berücksichtigt wurde. Die zum Volkslied ge—
wordene Komposition von Groos „Freiheit, die ich meine“,
Friedrich Kuhlau „Ueber allen Gipfeln“, Anselm Wehber
Wanderers Nachtlied“, Heinrich Werner „Heidenröslein“
ind Franz Liszt „Soldatenlied“ sind vorgesehen.
Hierbei darf nicht unberücksichtigt bleiben, daß die Ge—
samtchöre nicht das vollständige Programm bilden. Vor—
träge der Einzelbünde (in Stärke von etwa 5- bis 15000
SZänger) ergänzen die Darbietungen. Die Werke, die da—
bei zum Vortrag kommen, werden erst in den nächsten
Mongaten bekanntgegeben, dann erst wird man einen voll—
ständigen Ueberblick über das Gebotene haben. Es ist
zu erwarten, daß die Chöre der Einzelbünde nach den—
elben Gesichtspunkten ausgesucht werden. wie die Ge—
amtchöre.
Das bereits früher veröffentlichte Programm des Be—
zrüßungsabends, der vom Nassauischen Sängerbund be—
tritten wird, hat Aenderungen erfahren, da u. a. einige
Chöre vom Musikausschuß des D.S.B. für die Hauptauf—
ührungen beansprucht würden. Bezeichnend ist, daß auch
hier eine glückliche Mischung von alter und neuer Literatur
zjetroffen ist. Zwei Volksliedbearbeitungen von, Armin Knab
tehen neben Sätzen von Böhme und Schauß. Auch im
ersten Teile kommen die Lebenden zu Wort, so Heiurichs,
dendvai, Zöllner und Ottenheimer. Den Beschluß des
Progranmms bildet Siegls erprobter Hymnus. Die Stimmen
der CThöre werden für die Hauptaufführung, bei, der der
detr. Verein mitsingt, jedem Festteilnehmer kostenlos
dom DS.Bugeliefert und liegen in Bälde im Druck vor.
Dazu kommt, daß jeder Verein die Noten nicht nur für
die Festteilnehmer, sondern darüber hinaus bis zur Höhe
seiner gesamten Sängerzahl beziehen kann zum Preise
bon 0 Pfg. pro Heft (enthaltend die Chöre einer Haupt-—
aufführung und die Stadion-Chöre). Hieèrdurch ergibt sich
die Möglichkteit, daß jeder Chorleiter diese Chöre mit dem
ganzen Verein einüben und bei eigenen Veranstaltungen
ßor (y und nach dem Feste in beliebig vielen Wieder—
holungen verwenden kann Hier wird den Voreinen 310

ser-Bund IUpee“n“

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»illigstem Preis (8 Chöre für 50 Pfg.) eine Gelegenheit
gegeben, ihren Notenbestand um wertvolle Stücke zu er—
veitern. Wenn auch die handschriftlichen Lieder der
Zeffentlichkeit zugänglich gemacht werden, wird über das
Brogramm weiteres zu sagen sein. Dr. Ewens
Sudelendeutscher Sängerbrief.
Von den Brünner Gesangvereinen läßt sich durch—
vegs Erfreuliches berichten. In ihren Herbstkonzerten
onnte man merkliches Bemühen um weitere künstlerische
Lervollkommnung feststellen. Die Brünner Wicken—
ausergemeinde“ erbrachte an ihrem Abend erneut
»en Beweis eines straffdisziplinierten, präzissingenden und
unstbeflissenen Accappella-Chores. Leider hat diese rührige
Lhorvereinigung mit dem Abgange ihres bisherigen musi—
alischen Lestters Fritz Klement, der zum Dirigenten des
„Brünner Schubertbundes“ berusen wurde, einen schweren
Lerlust zu buchen. Die dem Vereine angeschlossene Orchester—
ereinigung zeigte anerkanntes Streben um wirkungsvolle
Ausbeutung klassischer und moderner Orchesterwerke. Der
N.G.B. „Frohsinn“ beging das Fest seines 66jährigen
zestandes mit den bei Sängerjubiläen üblichen Festlich—
eiten. Bei seinem Festkonzerte bewährte sich die Arbeits—
emeinschaft dieses Vereines mit der „Brünner Wicken—
ausergemeinde“ und dem „Altbrünner M.G.V.“ auf das
hönste; geleitet wurde dasselbe von dem Chorleiter des
Abilierenden Vereines, Franz Oehn. Der „Brünner
N.G.V.“ wartete mit einem zeitgerechten Stilprogramm
uf: „Das Volkslied im Spiegel unserer Zeit.“ Gesang—
ich und musikalisch musterhaft durchgeführt — Dirigent
)Itto Hawran — hörte man von lebenden anerkannten
Neistern der Tonkunst Krenek, Thomas, Graener, Ka—
ninsfky, Toch, Blech, Kempff usw. bearbeitet, aus dem
z»ei Peters verlegten „Volksliederbuch für die Jugend“
ine größere Anzahl von Werken für Männer- und ge—
nischten Chor, ein-, zwei- und mehrstimmig und mit Be—
zleitung verschiedener Instrumente, die dem Volksliede ge—
viß wieder neue Freunde warben. Der „Brünner
zIchubertbund“ vermittelte uns in seinem erstmalig
»on Fritz Klement geleiteten Konzerte gleichfalls Neu—
seiten zeitgenössischen A-cappella-Chor-Gesanges, darunter
iuch eine Uraufführung: Fritz Werners dem Schubertbunde
zsewidmeter sünfstimmiger, ungemein stimmungsvoller
Männerchor „Waldeinsamkeit“. Man merkte der Sänger—
chaft das Bemühen um tiefschürfende Gestaltung des
Uedinhaltes an, der ihr auch Erfolg und lauteste An—
rkennung eintrug. Erwähnt sei auch der Abend, den das
„Heitere Quartett des Wiener M.G.V.“ in
ßrüun gab und dieser erlesenen, kaum ihresgleichen
sabenden Künsttervereinigung geradezu triumphalen Er—
olg brachte Hans M. Habel, Brünn.
Toskanini dirigiert in der Mailänder Skala.
Nach einer italienischen Aufzeichnung
von Aroldo Landa, Mailand.
Die Berufung Toskaninis nach Bayreuth dürfte für uns
deutsche ein Ereignis von nicht geringer Bedeutung sein.
zm Geiste des großen Dramatikers und Tonschöpfers
stichard Wagner und unter der Gunst des musikliebenden
dönigs Ludwig II. von Bayern erstand im vorigen Jahr—
jundert das Bayreuther Festspielhaus, jener Kunsttempel,
zer seiner Bestimmung gemäß für alle Zeiten Wagners
Verke in reinster Originalität der Menschheit erhält.
Jeder Dirigent, der in diesem Tempel hinter dem Noten—
jult Solisten, Chor und Orchester zu musikalischer Ent—
altung bringt und brachte, ift in die Chronik dieses
»auses eingetragen, um nie der Vergessenheit anheim zu
allen. Es— waren und es werden fernerhin Dirigenten—
enies sein.
Arturo Toskanini. — Als letzter steht sein Name in
zer Reihe der Namen, die wir als die Elite des gott—
egnadeten Dirigenten-Künstlertums bezeichnen können.
Vielen von uns dürfte noch unbekannt sein, in welch
rstaunlich kurzer Zeit sich Toskanini zum bedeutendsten
dirigentengenie der Jetztzeit emporgeschwungen hat.
Er ist in Parma geboren und stammt aus einer kleinen,
ȟrgerlichen Familie. Als unbedeutender Cellist verdiente
er sich sein Brot an der städtischen Oper, bis ein glück—
icher Zufall (oder mußte es so kommen?) dem Leben
Toskaninis eine entscheidende Wendung brachte: Kurz vor
er Aufführung einer Over erkrankte vlötlich der Dirident.
            
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