Full text : 9.1931-1932 (0009)

RNr. 1 IIIFh..

—VVD Saar⸗-Sänger-Bund er

JIIII Seite 31

Reger⸗Anekdoten. Bekannt sind Regers Eintragungen
in die Fremdenbücher des Hotels. So schrieb er sich ein—
mal ein als Max Reger, Akkordarbeiter. Ein anderes
Mal sah er als Eintraäg einer hinsichtlich Können recht
bescheidenen „Kollegin“: Klara Schulze, Komponistin aus
Neuruppin. Er, der Prosessor, Hofrat, Generaldirektor war,
schrieb darunter: „Max Reger, Klavierlehrer aus Mei—
ningen!“ In einem Hotel, in dem jüngst Fürstlichkeiten
abgestiegen waren, schrieb er sich ein: „RKex Mager.“
Das gute Organ. Der neue Chormeister übernimmt die
Leitunge des M.G.V. „Frohlied“. Der, Vorstand macht
ihn mit den Mitgliedern bekannt. „Diesen Herren hier,“
flüstert der Vorstand, „müssen Sie immer nach hinten;
ganz nach hinten placieren.“ „Und weshalb?“ „Der brüllt
so schrecklich“ „Kann man ihm das nicht abgewöhnen?“
RNee erwidert der Vorstand, „der ist nämlich Auktio—
nator!“

Talent zarm Hoirgton. Franz Liszt hatte ein selten
stilles, vornehmes Wesen. Besonders Damen gegenüber
war er immer sehr galant. Selbst in den vielen Unter—
richtsstunden konnte er ihnen niemals etwas Böses sagen.
Eines Tages kam eine jünge Dame, bildhübsche Piagnistin
zu ihm, ihr Spiel von diesem großen Meister prüfen zu
lassen. Dabei versicherte sie ihm, sein Urteil ginge ihr
äüber alles. Zugleich aber auch, daß sie verlobt sei, in—
dessen zum Heiraten noch sehr wenig Lust verspüre, da sie
borerstnoch einige Jahre in der ganzen Welt Konzerto
geben wolle. Nachdem sie ihm dann einige schwierige Stücke
borgespielt, erwartete sie stolz des Meisters Huldigung.
Vonñ ihrer Schönheit hingerissen, küßte Liszt sie auf die
Stirn uͤnd sagte zu ihr teilnehmend mit bewegten Worten:
Heiraten Sie, mein liebes Fräulein, heiraten Sie so
asch, wie möglich, denn — Sie haben entschieden Talent
dazu!

Hans von Bülow wurde von einer Dame aufgesucht,
die ihn bat, die Stimme ihrer Tochter zu prüfen. Die
Damen traten ziemlich selbstbewußt auf, worüber sich
Bülow ärgerte. Vie angehende Künstlerin sang zwei Lieder
Als der Hofkapellmeister nicht gleich etwas dazu sagtte
fragte die Mutter in einem etwas ungeduldigen Tonfall:
Kun, Herr von Bülow, was raten Sie mirꝰ“ „Gnädige
Frau,“ antwortete der Gefragte ruhig, „ich gebe Ihnen
den Kat Ihr Fräulein Tochter in einem Kolonialwaren—
geschaft unterzubringen.“ „Kolonialwarengeschäft? Aber
hie meinen Sie das, Herr Professor?“ Trocken erwidert
Zülow: „Weil Ihr Fräulein Tochter große Rosinen im
Kopf und Mandeln im Halse hat.“ Im Nu war der Meister
den unerwünschten Besuch los.
Der Waͤrner Hoskapellmeister Helmesberger war seines
Spottes wegen allgemein gefürchtet. Selbst seine Freunde
verschonte er nicht mit bissigen Reden. Eines Tages be—
fucht ihn sein Freund Fuchs und zeigte ihm eine Serenade,
die er komponsert hatte. Interessiert vertiefte sich Helms⸗
berger darin. Nach einer Weile gab er sie seinem Freunde
zurug mit den Worten: „Fuchs, die hast du ganz ge—
tohlen.“

„Ach, ich kann meiner Frau nichts recht machen. Gehe
ich abends aus, spielt sie die Beleidigte . .“ „Und bleibst
dü zu Haus?“ — „Spielt sie Klavier!“
„Na, sag mal, geht dir das nicht auf die Nerven, wenn
deine Frau immer so schlechter Lanne ist?“ — „Ach, ich
weiß nicht — wenn sie guter Laune ist, singt sie.“
Fortschritt. „Deine Schwester studiert doch Gesang. Sag
mal, wie weit ist sie jetzt eigentlich?“ — „Papa hat heute
zum allerersten Male die Walte aus den Ohren genommen!“
„Wie ist denn das Stämdchen des Gesangvereins an
Ihrem Hochzeitstage ausgefallen?“ — „O, war leider dem
Täge zu angepaßt. Großer Reinfall.“
Folgender Nachruf findet sich in der „Speyrer Zeitung“
aus dem Jahre 1928: „Mein teuerster Ehegatte, der
Stadtzinkenist N. J. Wenk dahier, hatte das schmerzhafte
ünglück, bei seinen Lebenszeiten gestern mittag halb zwölf
Uhr, indem er durch allzugroße Verlängerung eines in
seinem Beruse geblasenen Trillers das Gleichgewicht ver—
lor, vom hiesigen protestantischen Kirchturm herabzu—
stürzen. Schon in der Mitte des Falles hatte er feinen
Feifst aufgegeben, setzte jedoch seinen Sturz bis aufs
Straßenpflaster ungestört sort, wo derselbe nach noch nicht
dollendeten Empfang aller heiligen Sterbesakramente
zollends verschied. Wer die edle Seele meines Ehegatten
annte, wird die Größe meines Verlustes, und wer den
hiesigen Kirchturm kennt, die Höhe dieses Unglücsfalles
zu schätzen wissen. Schon jetzt tröstet mich die Aussicht
zuf ein besseres Leben, welches wir beide, er und ich,
heginnen als die auf Wiedervereinigung schmachtende Stadt—
zinkenistenwitwe Maria Ursula Wenk.“

Daßs verkannbte „Vibrato“. Eine bedeutende Violin⸗
künstlerin gibt in einem kleinen Orte ihrer Heimat ein
Konzert. Nach dem dankenden Beifall der Zuhörer nähert
fich der Herr Bürgermeister: „Gnädigste, Ihr Spiel war
unvergleichlich! Aber nun sollten Sie sich wirklich einmal
ein paͤar Wochen Ruhe gönnen. Ich habe es gar nicht mit
ansehen können, wie Ihre linke Hand während des Spiels
uüngnüfhörsich nervös gezittert hat!“

Die dritte
Nüurnberger —XXC 1931
bringt zur Aufführung:
Mar Bohhmn: Der arme Kunrad (Ein Lied der Bauern), drei⸗
stimmig mit Landsknechtstrommel.
J. Guotter: Zwei dreistimm. Mannerchöre mit Sopran und Horn, op. 62
Nr. 1: Wächterlied, Volkslied.
Nr. 2: Die niederländischen Grasmädchen, Tanzlied.
Paoul Graener: Die Gesellenwoche, Variationen über ein altes
Volkslied.
Johannes Hündel: Lied der Islandfischer, Bretonisches
Volkslied, dreistimmig (in 3fach. Kontravunkt) mit 2 Fagott
und 2 Oboen (Dudelsack). —*
Hans Heinrichs: Zwei vaterlandische Gesange für einstim ·
migen Frauenchor (Kinderchor) oder Mezzosopransolo,
Nr.1: Dein Vaterland, Wo dir, o Mensch.
Rr. 2. Bekenntnis, Ich bin ein Span von deinem Stamme.
H. Wagner⸗Schönkfirch: Kuruzzen⸗Krieg (1704), mit
Ruhrtrommel, kleiner Trommel und 2 Pikkoloflöten, op. 131.
Die Partituren aller in Nurnberg zur Aufführung ge⸗
langenden Chöre stehen den Dirigenten zur Ansicht
zu Diensten.
Ernst Eulenburg, Leipzig 61, Königstr. 8

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