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punkt stand das 40jährige Stiftungsfest. Verstorben sind drei
Mitglieder: Knoblauch, Leber und Steinmann. Ersterer war
mehrere Jahre 1. Vorsitzender des Vereins. Wie der Kassen—
bericht zeigte, ist die finanzielle Lage zufriedenstellend. Dem
bisherigen Vorstand wurde auch für die Zukunft Vertrauen
erwiesen.
Nr. 1 nsfern
csSaar-Sänger-Buud
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zeben. Nach einem Bericht über die Entwicklung des Vereins
zankte er dem Vorstand für die tatkräftige Mitarbeit, allen
Sängern für ihre opfervolle Hingabe an die gute Sache, den
Inaktiven für ihr reges Interesse und ihre Unterstützung.
sach dem mit Fleiß und Sorgfalt zusammengestellten Bericht
des Schriftführers P. Heß hat der Verein ein arbeitsreiches
Jahr hinter sich. Gelegenheit zu sangesbrüderlichen Freund—
chaftskundgebungen boten: Teilnahme an der Fahnenweihe eines
ßrudervereins, Gefalkenenehrung, die Hochzeit zweier Sänger,
zie Feier des siebzigsten Geburtstages treuer Mitglieder. Schöne
kFrinnerungen hinterläßt ein Ausflug nach Beurig-Saarburg
ind zur Klause. Der Bericht des Dirigenten hebt denm zufrieden—
tellenden Besuch der Proben hervor, stellt einen lobenswerten
sFifer fest, desgleichen eine gute Disziplin, die eine unerläßliche
Vorbedingung für den Erfolg sei. Der Kassenbericht, erstattet
»on unserem langjährigen Kassierer J. P. Kiefer, fast 45 Jahre
aktiver Sänger, lautet ziemlich günstig. Es folgten sodann die
Wahlen der Delegierten, der Kassenprüfer, der Fahnenträger
uswe Der alte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. In
pontaner Begeisterung über die anregend verlaufene, von
echtem Sängergeist getragene Generalversammlung stifteten die
anwesenden Inaktiven einen Betrag von hundert Franken zur
Beschaffung eines Chores Gre
Gau Warndt.
Ein in jeder Beziehung wohlgelungenes Konzert veranstaltete
M.G. V. „Eintracht-Liederkranz““ Völklingen. Chormeister Willi
Wolf, der für die Gesamtkeitung zeichnete, bot mit seiner
wohldisziplinierten und klanglich ausgeglichenen Sängerschar als
Hauptteil einer feinsinnig ausgestellten Vortragsfolge Max Bruchs
„Frithjof“. Die Wiedergabe des an alle Ausführenden hohe
Ansprüche stellenden Werkes zeigte, daß Willi Wolf die Leistungen
seines Chores zu beachtenswerter Höhe gebracht hat und daß
er dank seiner musikalischen Qualitäten Chor und Orchester
sicher und geschickt über manche Klippe hinwegzusteuern ver—
stanid. Frau Elisabeth Wolf-Wolbold, Völklingen, mit ihrem
warmen, tragfähigen Sopran und Karl Rössel-Majdan vom
Stadttheater Saarbrücken interpretierten geschmackvoll und über—
zeugend die Solopartien. Im ersten Teil sang Herr Rössel zwei
Baßarien aus „Tannhäuser“, umrahmt von Niels W. Gades
Ouvertüre „Nachklänge von Ossian“ und Franz Liszts „Prä—
ludien“. Besonders Liszts symphonische Dichtung fand durch
Kapellmeister Richard Pfanner mit der Röchling'schen Werks,
kapelle eine eindrucksvolle, machtvoll gesteigerte Ausdeutung
Den tüchtigen Bläsern besondere Anerkennung! Lobende Erwäh—
nung verdient Herr R. Toussaint vom städtischen Orchesten
Saarbrücken für die ausgezeichnete Begleitung auf der Harfe
Mit lebhaftem Beifall wurde sämtlichen Ausführenden der
herzliche Dank einer außerordentlich zahlreich erschienenen Zu—
hörerschaft ausgesprochen, welche der große Saal der Turnhalle
kaum' zu fassen vermochte. Alles in allem: eine festliche, den
Verein und fseine Leiter ehrende Veranstaltung. G. M
Vorsitzender Hirtz konnte in der Jahreshauptversammlung
des M.G. V. Differten seiner Freude über den regen Besuch
sowohl der aktiven wie auch der inaktiven Sänger Ausdruck
Die Verhandlungen des Gautages Warndt in St. Nikolaus
vurden von dem dortigen M.G.V. mit schönen Chören umrahmt.
Es fehlten bedauerlicherweise die Vertreter von drei Vereinen.
Als Gauchormeister wurde Bechtel vom Katholischen Kirchenchor
Sauterbach, als sein Stellvertreter Brück vom M.G.V. „Lieder—
kranz“ St. Nikolaus gewählt. Die neue Wertungssingenordnung
and allseitige Zustimmung. Der nächste Liedertag ist für den
2. August in St. Nikolaus vorgesehen. Jeder Verein singt zwei
Volkslieder, die mit der kleinsten Mitgliederzahl zuerst. Be—
chlossen wurde der Antrag, den nächsten Bundestag nach
Hroßrosseln zu legen.
Musik u
nnd mMmode.
WMeat von Boehn, einer unserer führenden Kultur—
Db historiker, veröffentlicht in dem bekannten Kunstver⸗
lag F. Bruckmann A.“G. München, eine Serie bildgeschmück—
te?? Bände unter dem Titel Die Mode. In dem Bande
1790 1817 bespiegelt er Menschen und Moden im 19.
Jahrhundert — und das gibt dem Werke den besonderen
Reiz, daß es nicht eine Trachtenkunde schlechthin ist, son⸗
dern daß der gelehrte Verfasser eine Begründung der
Mode aus dem geiftigen Bild der Zeit vermitkelt. Dr. Oskar
Fischel wählte Bilder und Kupferstiche aus der riesigen
Litgenöffischen Bildliteratur der gesamten bildenden
Kunst aus, und ihre drucktechnisch glänzende Wiedergabe
ermöglicht nun in vorliegendem Werk die Erörterung der
Bezichungen zwischen den Menschen, ihrem Lebensstil und
der Mode.
Daß dabei auch die Musik nicht im geistigen Gesamt⸗
bild der Zeit fehlen darf, soll folgende Textprobe bezeugen:
Zu neuen Formen des Verkehrs, die sich bilden, tritt
auch eine neue Art der Geselligkeit. Die gutbür⸗
gerliche Gesellschaft gründet ihre Geselligkeit nicht auf kon⸗
dentioneslen Zwang, sondern auf freie geistige Ueberein⸗
stimmung der Beteiligten; sie bringt dazu als Gegensatz zur
Galanterie, dem Hauptelement der aristokratischen Gesell—
schaft, das Echwerzewicht ihres, Wissens mit. Der Endzweck
hres Zufammenseins wird Bildung; die Lesekränzchen
Verden Mode Man liest Theaterstücke, mit verteilten Rol⸗
len, oder jemand aus dem Kreise liest vor, während die
anderen sich beschäftigen, die Damen mit Vorliebe Hand⸗
arbeiten maͤchen. So zeigt uns zum Beispiel ein hübsches
Bild den Weimarifchen Kreis der Herzogin Anna Amalie,
so hören wir von Frau Rat Goethe begeisterte Beschrei⸗
bungen der Kränzchen bei Bethmanns, Schwarzkopf u. a.,
wo Don Carlos uͤnd Wallenstein gelesen werden. Clemens
Brentano liest in Jena mit jungen Mädchen die eben er—
schienene „Lucinde“; Goethe hat seine Mittwochsgesellschatt,
wo er seinen Damen Vorträge hält; die Grimms in Kassel
ihre Lesegesellschaft alle Freitagg in Berlin sammelt Hen—s
eite Herz Gleichgesfinnte zur Schöngeisterei, in Halle ist
das Haus des Kapellmeisters Reichardt der Mittelpunkt
eines harmlosen Kreises. Wie man in ihm seine Freunde
— D auch anderwärts;
heißt doch „Sich wohlfühlen“ für so viele nichts anderes,
ils laut sein. Der gemeinschaftliche Gesang im
Familien- und Freundeskreis wird mit Vorliebe
Jepflegt. Wir erkennen das auch aus den vielen Liedern,
zie sich in damalige Romane eingestreut finden, und die
zei ihrer Veröffentlichung gleich mit Kompositionen er—
schienen, In den Taschenbüchern und Almanachen fehlen
die Musikbeilagen so wenia, wie in Goethes. Arnims u. a
Romanen.
Die Mandoline, die Gitarre sind in jedermanns
dand. Clemens Brentiano wandert, mit ihr rheinauf und
Heinab, sich in die Herzen aller hübschen Mädchen singend
und wird nur böse, wenn sie den schwarzlockigen Jüngling
ungebeten küssen, wie es die Thüringerinnen in Langen—
alza tun! Caroline von Dacheröden berichtet ihrem Verlob—
en' voll Stolz, wie einer ihrer Courmacher die Mandoline
genommen und sie schmachtend angesungen hätte! Die
Saiteninstrumente behaupten in der Hausmusäik noch
durchaus den Vorrang vor dem Klavier, Auch solch ge—
sellig betriebenem —2 entstand in Berlin die Singkademie,
die anfänglich zweimal wöchentlich bei Frau
Zeneralchirurgus Voit, geb. Pappritz, zusammenkam, 1794
iber in den ovalen Saal der Akademie übersiedelte, wo sie
hre Uebungen dann unter Zelter und Fasch bhielt 1797
zählt sie schon 70 Köpfe.
So werden wir in diesem Band (Preis 6,50 Mk., in
Leinenband 9 Mk.) in Bild und Wort von der Zeit der
ranzösischen Revolution bis in die Zeit der deutschen
Romantik herangeführt. Fesselnd, unterhaltsam, oft durch
die Darbietungen allerlei Kuriosa recht amüsant geschrieben,
vird das Werkt seine Leser restlos befriedigen. Ueber den
Rahmen des Gegenstandes hinaus aber ist hier ein Weg
gJewiesen, auch seine eigene Zeit mit all ihren Kultur—
komponenten geistig mitzuerleben.
Dr. A. Bauer.