Full text : 9.1931-1932 (0009)

Seite 264 I

—VIII Saar⸗Sänger⸗Bund —B

Al Nr. 12

Werk vereint eben alles, was er an Liebe je empfangen,
es ist sein Lebenslied, sein Liebeslied, sein Leideslied, sein
Freudenlied. Man weiß, daß Haydn's kinderlose Ehe nicht
glücklich war; vier Fraäuen aber haben, ihn begeistert, be—
glückt, auch enttäuscht, jedensalls aber sein Schaffen, seine
künstlerische wie menschliche Entwicklung in stärkstem Maße
beeinflußt. Erste Liebe im Lenz an der Leitha, als reiser
Mann Rausch der Ersüllung in Esterhaz und Eisenstadt,
im Herbst neue Leidenschaft und schmerzlicher Verzicht in
Grinzing, als Alternder ein erschütterndes letztes Liebes—
erlebnis „Weihnacht in Windsor“,. Man steht beim Lesen
dieser vier Episoden ganz im Bann eines starken per⸗
sönlichen Erlebens, das, ewig menschlich, allen Zeiten ge—
meinsam ist. Wie fein ist aber auch die Umwelt geschildert,
die einem Haydn die Möglichkeit gab, sich als schöpserischen
Musiker zu betätigen: ein Fest am Hose Maria Theresias,
in das die Spione Friedrichs des Großen eindringen, das
Haus seines Mäzens, des Fürsten Esterhazy, und schließ—
sich der Londoner Hof, der die Bedeutung der Ideen der
fraänzösischen Revoluͤtion zu erkennen beginnt. Der reize
bvolle Band, im Stil der Zeit, wird, anläßlich des 200.
Geburtstages veröffentlicht, viele Freunde finden.
Bernhard Bergmann: „Das Lied von der Mutter“. Eine
Auslese aus deutscher Dichtung. Mit 8 ganzseitigen Bildern
von A. Dürer, Käthe Kollwiz, Hans Thoma u. a. 2., be—
deutend erweiterte Auflage, 4. bis 6. Tausend, 192 Seiten.
Leinen 5,20 RM. Düsseldorf 1931. Pädagogischer Ver—
lag, G. m. b. H. — Was Mutterschicksal, Mutterschönheit
und Mutterschmerz in sich begreist: das erste selige Exrwachen
der hoffenden Muͤtter, tiefes Empfangen und keusches Be—
wahren, Muttersein mit Jubeln und Zittern, Sorgen und
Sinnen, mit seiner Tiefe und Geduld, seinem Opfer und
Verzicht und den bitteren Stunden des Schmerzes, der Ein⸗
samkeit und des wehen Scheidens: das ist eine nie ver—
siegende Quelle dichterischen und künstlerischen Schaffens
und Gestaltens geworden. Im „Lied von der Mutter“ ist
eine Auslese der schönsten deutschen Mutterdichtung zu voll—
tönendem Zusammenklang vereint. Es wurden vor allem
Dichter und Schriststeller der Gegenwart mit teilweise noch
unverösfentlichten Darstellungen und Dichtungen berücksich—
tigt. Genannt seien nur: Richard Dehmel, Walter Fler,
Manfred Hausmann, Hermann Hesse, Riearda Huch, Kla—
bund, Jakob Kneip, Heinrich Lersch, Freiherr Börries von
Münchhausen, Alsons Paquet, Rainer Maria Rilke, Richard
von Schaukal, Ruth Schaumann. Auch Prosadichtung von
Heinrich Federer, Max Jungnickel, Paul Keller, Nikolaus
Schwarzkopf u. a. wurde gebracht. Frauen- und Mutter—
bildnisse deutscher Meister runden das Ganze. Die Samm—
lung ist ein würdiges, schlichtes Buch der Stille und inneren
Sammlung, das eindringlich zur Besinnung und Ehrsurcht
mahnt vor jenem edelsten und heiligsten Lebensbezirk, der
in dem schlichten Worte Mutter umschlossen liegt.
Bauer, Peter: Ein Kind ist da. Die frühe Kindheit im
Bilde deutscher Lyrik. Mit 23 Photographien von Erich
Retzlasf. Leinen geb. 5,40 RM., Düsseldorf 1930, Päd—
agegischer Verlag, G. m. b. H. — Staunend, wie ein klei—
nes, lernendes Kind, steht der Mensch da. Einsache Worte
vermögen nicht auszudrücken, was sein Herz bewegt. Ein
Wunder der Welt, des eigenen Lebens hat sich ereignet, wie
es zwei Menschen, die Vater und Mutter wurden, nicht
größer begegnen kann: Ein Kind ist da! Das Glück dieses
Erlebnisses sfindet keinen stärkeren und tieferen Ausdruck
als in der Lyrik. Alle Gefühle, die das erwartete und
werdende Kind — das noch der Knospe im Kelche gleich im
Mutterschoße behütet ruht —, die Tage der Wiege, die
ersten drolligen Spiele in der Stube und im Freien,
sein glückseliger Schlummer, die ganze frühe Kindheit im
Flternhaus bis zum Eintritt in die Schule, im elterlichen

derzen auslösen, sind in den Versen von über siebzig
dichtern Klang und Bild geworden, haben in ihnen Sinn
und Wahrheit gesunden. Das Schönste, was seit Heinrich
yon Lauffenberg bis zu Paula Dehmel, Ina Seidel, Ruth
zchaumann, Binding, Carossa, Federer, Flaskamp, Hesse,
dohst, Kneip, Lange, Münchhausen, Schaukal, Schreymogl,
Stehr. Thrasolt, Von der Vring u. a. über das Kind in
einen ersten Lebensjahren ausgesprochen wurde, ist hier
u einem prächtigen Bande vereinigt, den 283 ganzseitige
Photos allerliebsser Kinderköpse entzückend schmücken. Ein
debensbuch, das in unseren Tagen oberflächlicher und lärm—
»oller Zerstreuungssucht Sammlung schenkt und in die Tiese
ührt: zu Mutter und Kind. Das wertvollste Geschenk für
Pater⸗ und Muttergewordene und solche, die es werden
vollen.
Sprachenpflege. „Le Traducteur“, französisch-deutsches
Zprachlehr⸗ und Unterhaltungsblatt, hilft erworbene fran—
zösische Kenntnisse zu besestigen und zu erweitern. Eine
remde Sprache zu beherrschen hat noch niemals geschadet,
vohl aber oft zu einer gutbezahlten Stellung verholfen.
Probehesft kostenlos durch den Verlag des „Tradueteur“ in
La Chaux⸗de-Fonds (Schweiz).
Ein neuer Lexikontyp. Die Einsicht, daß der gegenwär—
tige Mensch vor allem zweierlei nötig hat: Kenntnis der
debenspraxis und Festigkeit, Eindeutigkeit in der geistigen
Welt — diese Einsicht ließ den Verlag Herder zum Ent—
chluß kommen, zu den schon vorhandenen neuen Lexika
iöch eines herauszugeben, den „Großen Herder“ *). Seine
daseinsberechtigung, ja -Notwendigkeit erweist er dadurch,
daß er über die bisher übliche Lexikonart hinausgeht. Bis—
jer galt es für ausgemacht, ein Nachschlagewerk habe die
inzige Aufgabe, die Vielfalt des Wissens zu ordnen und
neinüngslos ohne Hinweis auf die praktische Bedeutung
der Dinge und Probleme wiederzugeben. Nicht so der
„Große Herder“! Er macht Schluß mit diesem Zopf, zieht
zie Konsequenz aus den Forderungen von heute: Feste
nnere Haltung, Bewältigung des Praktischen. Wie? Da—
zurch, daß er in allen geistigen, seelischen Problemen auf
eine weiträumige und festgefügte Weltaäanschauung sich stützt;
»aß er kein Ding. keine Frage, die unser gegenwärtiges
deben in der Wirklichkeit aängeht, erklärt, ohne auch dazu
zu sagen: Welchen Sinn hat das Ding, wozu dient es
ins, wie haben wir uns zu ihm zu verhalten? Am besten
ieße sich das an Beispielen zeigen. Doch fehlt dafür hier
der Raum. Also sei bloß auf einige für diese Neuartigeit
 des Werkes typischen Einrichtungen hingewiesen. Da
ind die Rahmenartikel (knappe, umfassende Aufsätze über
Segenwartsprobleme); da ist die Dreiteilung der wichtigen
Stichworte (Erklärung, Wissenschaftliches, Auswertung für
die Praxis); da ist die Verwendung des Photos, der
Zeichnung nicht als Beigabe zum Text, sondern als dessen
Verdeutlichung, Vertiefung: da ist der eigene Atlasband,
der das bisher notwendige Umhersuchen in den Tertbänden
iberflüssig macht ... Wenn es auch vergleichsweise wenig
vichtig ist. soll doch auch angemerkt werden, daß die bis—
her erschienenen zwei Bände auch typographisch, handwerk—
ich Musterleistungen sind: Papier, Fadenheftung, Druck—
reinheit, Einband — alles ist von vorbildlicher Qualität

*) Der Große Herder: Nachschlagewerk für Wissen
und Leben. 12 Bände und ein Weli- und Wirtschaftsatlas.
Verlag Herder. Freiburg im Breisgau. II. Band: Bat—
terie bis Casetan. Mit Textbildern und 36 Rahmen—
artikeln. (VI S. 1728 Sp. Text und 146 Sp. Beilagen:
15 mehrfarbige Pläne, 8 mehrfarbige Kunstdrucktafeln, 13
—„chwarzdrucktafeln, 2 Offsettafeln und 5 Tiefdrucktafeln.)
932. In Halbleder mit Kopffarbschnitt 34.50 M.: in
Zalbfranz mit Kopfaoldschnitt 38 M.

Passage⸗Kaufhaus AG
            
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