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M.M
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*PPPSeite 249
BolRsgemeinschaft.
Das Tiefste und Innerlichste in der Seele eines Volkes,
A zumal in der deutschen Volksseele spricht sich in der
Musik, vor allem im Gesang aus. Hier kommt darum
auch das zum Ausdruck, was die Volksgenossen aufs
Innigste eint, weil es zum Kern ihres Wesens gehört.
Somit ist musikalische Bildung der Jugend nichts Aeußer—
liches, nichts Nebensächliches, nichts bloß Technisches. Im
deutschen Lied werden und müssen auch solche sich finden
und einig fühlen, die nach Bildung und Besitz, Konfession
und Partei getrennt sind. Ein deutsches Lied vermag
nit einem Schlag da wieder zusammenzuführen, wo
Interessengegensatz und der Kampf des Tages tiefe Klüfte
aufgerissen hat.
Pflegen wir darum deutsche Musik, pflegen wir deutsches
Lied! Es ist kostbares nationales Erbe; hier strömt eine
ceiche Quelle unserer Kraft, unserer Zuversicht, unserer
Zukunftshoffnung. August Messer,
Gießen.
Die Fdee des Schönen.
Kein Zweig der Kunst kann so leicht der frühesten Jugend
Be zugänglich gemacht werden wie die Musik, und aus
ihr kommt für den Klassenunterricht in erster Linie in
Betracht der Gesang ... Die Idee des Schönen muß
diesen Unterricht überall beherrschen, deshalb muß auch
ÜfBnsfsere PH
Die Frage der musikalischen Erziehung und
Bildung der heranwachsenden Jugend ist
für die deutsche Sängerschaft eine eminent wichtige An—
gelegenheit, ja eine Lebensfrage. Denn die Kinder von
heute sind die Sänger von morgen, sie sind aber auch
die Hörer, die Konzertbesucher von morgen. Schon ein—
mal hat sich unsere Bundeszeitschrift (Januar 1931) recht
eindringlich anläßlich der letzten Schulmusikwoche des
Zentralinstituts mit dem Problem Kind und RKunst
beschäftigt und das Ergebnis aus den bekannten Kunsterziehungstagen
1901 in Dresden, 1903 in Weimar,
1905 in Hamburg und den 1922 einsetzenden Reichs—
schulmusikwochen zu ziehen versucht. Inzwischen hat
sich tatsächlich mehr und mehr der Einbau der Musik als
eines der wesentlichsten Erziehungs- und Bildungsmittel
in den Bildungsplan der Schulen vollzogen, wenn auch
die Verwirklichung dieses Bildungsplanes — Erziehung
durch Musik, nicht zur Musik — noch recht ungleich—
mäßig erfolgt ist.
Die Schriftleitung unserer Bundeszeitschrift wandte sich
nun an eine Reihe der führenden Pädagogen der
Gegenwart aller Lager und Richtungen mit der Bitte,
zu dem Problem der musikalischen Erziehung und Bil—
dung unserer Jugend und unseres Volkes Stellung zu
nehmen. Es bewegt uns tief, daß der Nestor der deutschen
Pädagogen, Geheimrat Prof. Dr. Georg Kerschensteiner,
der soeben in München 78jährig verewigte, unsern Wunsch,
sich zu unserer Umfrage zu äußern, nicht mehr erfüllen
konnte. Die Reformen des Münchener Stadtschulrates im
Sinne der „Arbeitsschule“, mit denen er „Verufstüchtigkeit“
gegen das Phantom der „Allgemeinbildung“ durchsetzte,
griffen befruchtend weit über deutsches Bildungswesen
hinaus. Aber gerade in den Erschütterungen des natio—
nalen Lebens unserer Tage gedenken wir seiner auch heute
noch mit Recht immer wieder neu aufgelegten gekrönten
Preisarbeit „Staatsbürgerliche Erziehung der
deutschen Jugend“, Verlag von Karl Villaret in
Erfurt, geh. 3,25 Mk. in Leinen geb. 4,25 Mk. Dieses
Werk folgt in Theorie und Praxis dem Gedanken Steins:
„Nicht die Schule allein, sondern Teilnahme an den An—
gelegenheiten des Ganzen ist der sicherste Weg zur Voll—
endung der geistigen und sittlichen Entwicklung eines
Volkes.“ Nach einer Kritik der bestehenden Erziehungs—
einrichtungen stellt Kerschensteiner das Ziel staatsbürger—
licher Erziehung auf, erörtert ihre äußeren und inneren
Grundlagen und die schul- und nicht schulmäßigen Er—
ziehungskräfte, unter denen er sich mit tiefem Verständnis
auch für die von uns vertretenen Kulturbelange einsetzt,
wenn er „ein gutes Stück vaterländischer Er—
ziehung“ dadurch geleistet sieht, daß wir „das be—
rechtigte Genußbedürfnis unserer hand-—
die Stoffauswahl durchaus nach ästhetischen Gesichtspunkten
erfolgen, die für die Schule bestimmten Gesänge und Lieder
müssen den ästhetischen Anforderungen entsprechen und
Erzeugnisse wahrer Kunst sein.
Gerhard August Budde,
Hannover
äsßagogen.
arbeitenden Kreise in edlere Bahnen len—
ken. Die allermeisten unserer Lehrlinge
entbehren gänzlich jeglicher geistiger An—
regung zu Hause, sie haben wenig oder gar
keine Gelegenheit, ihren Geschmäck außer—
halb ihres Gewerbes zu bilden, und edlere
Benüsse sind ihnen fast durchwegs versagt.
Das Bedürfnis aber zu genießen, ist in
fedem Menschen vorhanden. Kann es nicht
in edlere Bahnen gelenkt werden, so sucht
2s zu leicht seine Befriedigung auf niedri—
zen Bahnen. Darum ist es ein sehr großer
Fehler unserer öffentlichen Einrichtungen,
daß sie wenig oder gar nichts bieten, das
Benußbedürfnis des Volkes in vornehmere
Bahnen zu lenken.“ Und deshalb empfiehlt er Unter—
zaltungsabende, z. B. an Geburts- und Todestagen großer
Männer und auf ihnen außer einer Ansprache das „was
die Schüler selbst zu leisten imstande sind:
zemeinsame Gesänge, Deklamationen“.
Eindringlicher hat sich wohl keiner unserer führenden
Pädagogen zu unserem Bildungsideal der Vergeistigung
inseres Volkes und der Menschheit bekannt als der Berliner
Lniversitätsprofessor Dr. Eduard Spranger, dessen geist—
uind gemütvolle Beantwortung unserer Umfrage in vor—
iegender Nummer im Sinne einer noch längst nicht ge—
östen Aufgabe unter uns weiter wirken muß. Wir fühlen
ins verwandt mit diesem Philosophen, der „in dem Nütz—
ichen nicht das Letzte sieht“, der vielmehr in seinem ge—
amten Schrifttum — wir weisen heute nur auf seine bei
Quelle K Meyer in Leipzig erschienenen Werke Kultur
und Erziehung, in dem er den Bildungsaufstieg der
Menschheit von der Antike über Luther, Comenius, Rous—
eau bis zur Problematik der Gegenwart genial umreißt
uind auf seine Psychologie des Jugendalters
sin, in der er „ein vollständiges Gemälde der seelischen
Irganisation in der Jugendzeit“ entwirft, um „tieferes
Perstehen zu ermöglichen“ — den Geist zur Herrschaft auf—
ruft, der über Stoff, Zeit und Raum triumphiert. Mit
»esonders lebhaftem Interesse werden sich unsere Leser in
»er „Psychologie des Jugendalters“ der Beleuchtung von
bhantasieleben und Phäantasieschaffen des Jugendlichen hin—
eben, der Einstellung des werdenden Menschen zur Kunst:
„Dies ästhetische Blühen der jungen Seele
sst in Lebenszusammenhänge eingebettet,
die weit tiefere Bedeutung haben, als
„bloße Kunst“ zu sein. Und wenn die jungen
Nenschen im äußeren Schaffen hinter den
trengen Forderungen „wahrer Kunst“ zurück—
bleiben, so ernten sie dafür mit ihren Träu—
nen und Phantasien etwas in sich selbst, was
dem Ideal noch näher kommt. Platos Wort