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sation glatten Leerlauf! Also im neuen
Jahre: „Chormeister an die Front!“ In der
Richtung dieser beabsichtigten gründlichen Arbeit mit
und an den Chorleitern liegt auch als sehr bedeutende
Aufgabe eine strenge, nur nach künstlerischen Gesichts—
punkten zu tätigende Chorauswahl, die vor Miß—
griffen bewahrt. Daß bei dieser Sichtungsarbeit die
Mithilfe von nicht in der Chorarbeit
stehenden tüchtigen Fachmusikern ebenso
wenig wie bei der Chorauswahl für die Nürnberger
Sängerwoche entbehrt werden kann, ist für den eine
Selbstverständlichkeit, für den der Männerchor nicht
enger, eifersüchtig gehüteter Selbstzweck ist, sondern ein
musikalisches Volksbildungsmittel ersten Ranges. Wenn
unser Singen sich nicht in geistige Kraft umsetzt, wenn
es nicht erzielt, daß die Singenden in ein aktives und
unmittelbares Verhältnis zu den seelischen und geistigen
Grund!agen aller Musik kommen, dann ist es uns Zweck,
wo es nur Mittel sein sollte und dürfte. Nicht das
Wissen macht den Menschen, sondern das Anwenden,
das Können, das Handeln.
Wenn einmal alle unsere Chorleiter aus dieser Auf⸗
fassung und in diesem Geiste arbeiten, dann fällt als
Frucht die Lösung der anderen großen Gegenwarts—
aufgabe vom Baume dieser kunstpädagogischen Arbeit:
die stärkere Heranziehung unserer Ju—
gend und zwar aus inneren Gründen. Die Jugend
will nicht nachbeten und nachleiern, sie will nicht die
alten, ausgetretenen und bequemen Pfade wandeln; sie
will vielmehr aktirv sein, will in dieser Alktivität
selbst erfahren und kritisch Stellung nehmen. Ob wir
Aelteren, auf dieses schönste und eigenste Vorrecht der
Jugend immer die gebührende Rücksicht nehmen, ob
wir uns bei unserer Behandlung der Jugend im
Verein immer klar sind, daß sie ein genau so berech—
tigtes Stadium mit innerer und äußerer Eigengesetz—
lichkeit darstellt wie jede spätere menschliche Entwick—
lungsstufe, daß sie nur handelnd lernen und leisten
kann? Wenn man die Statistik in dem kürzlich er—
schienenen Jahrbuche des Deutschen Sängerbundes stu—
diert, dann freut man sich als Mitglied des Saar—
Sängerbundes, daß unser Bund zusammen mit dem
Pfälzer Sängerbund in der Prozentzahl der Jugend—
lichen unter 25 Jahren die Spitze hält: 38 v. H. Diese
Zahl wird in ihrer Bedeutung erst klar, wenn man
feststellt, daß der Prozentsatz in anderen Bünden bis
auf 8 und 2 v. H. absinkt. Wer aber auch bei uns
mit offenen Augen beobachtet, und den Unterschicd
zwischen der Anzahl der jungen Sänger in den Vereinen
der Städte und der großen Orte einerseits und des
Landes andererseits kennt, der weiß, daß noch viel
Arbeit zu leisten ist, und daß die Stadtvereine in der
Werbung der Jugend, wie übrigens auch in mancher
anderen Beziehung, von den Landvereinen noch sehr
viel lernen können und müssen. Also, vffene Arme
und offene Herzen in allen Vereinen für unsere Ju—
gend, gerade heute, wo sie in so schweren wirtschaft—
lichen und seelischen Verhältnissen leben muß! Sie
kommt erfahrungsgemäß gern in die Chorvereinigun—
gen, Männer- und gemischte Chöre, wenn in ihnen
künstlerisch und organisatorisch intensiv und energisch
gearbeitet und wenn sie richtig behandelt und im
Veveinsleben zur Mitarbeit herangezogen wird. Je
mehr unser jungen Menschen aus dem Wirtschafts—
und Erwerbsleben ausgeschaltet sind, d. h. je mehr
ihnen ein wesentlicher Lebensinhalt schuldlos entzogen
vird, um so dringender erscheint mir ihre Heran—
ziehung zum selbständigen und verantwortlichen Mit—
virken in unseren Vereinen. Jungsein ist an sich ebenso—
venig ein Verdienst wie Altsein, und der Genera—
tionengegensatz, der sich heute auf anderen Ge—
hieten so beängstigend in unserem Volke auswirkt, und
der durch die Arbeitslosigkeit der Jugend noch ver—
chärft wird, könnte und sollte gerade in unseren Ge—
angvereinen mit dem Bildungs- und Erziehungsmittel
des Chorsingens ausgeglichen werden.
Mit dieser heute doppelt wichtigen Frage einer ver—
tändnisvollen Jugendbetreuung hängt bei dem hohen
Prozentsatz, den die Jugendlichen leider in der Er—
verbslosenzahl stellen, die Hilfsmöglichkeit und
Hilfsnotwendigkeit zusammen, die alle unsere Vereine
zur Erleichterung dieser schwersten Gegenwartsaufgabe
haben, der sie unter allen Umständen Rechnung tragen
nüssen. Es ist einer jener schneidenden Gegensätze, die
durch eine so widerspruchsvolle Entwicklung wie die
der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart gehen,
daß der Andrang zu vielen Bildungsgelegenheiten vor
illem zu den öffentlichen Büchereien und den Volks—
zochschulen sprunghaft steigt, in einer Zeit also, in
der die zur Verfügung stehenden Mittel in dauernd
rückläufiger Bewegung sind, und in der sie nicht selten
kurzsichtig noch über das unbedingt notwendige Maß
hinaus gekürzt werden. Im Saargebiet ist z. B. die
Benutzung der Biblioctheken um durchschnittlich 50 v. H.
höher als im Vorjahre, und bezeichnender und erfreu—
icher Weise stellen die Erwerbslosen fast restsos diesen
Zuwachs; denn ihre Not wird durch die Inhaltsberau⸗—
zung beruflicher Art, die das Leben ihnen grausam
rufbürdet, auf die Dauer zur seelischen Leere und
Qual. Und weil es einen durch die Not entstehenden
Ernst des Lebens gibt, der den Menschen Verinner—
ichung und Vertiefung, Erhebung und Erbauung und
zamit innere Entwicklung und Befreiung ersehnen läßt,
saben alle unsere Vereine die Menschenpflicht, sich
der erwerbsosen Sangesbrüder mit doppelter Liebe
uind mit liebendem Interesse anzunehmen. Gerade
uinsere Erwerbslosen sollen singen, und sie wollen
zuch singen, wenn ihnen durch rechte Arbeit im Chor
die großen geistigen und sittlichen Werte vermittelt
verden, die hinter jedem guten Chorwerk und hinter
eder richtig geleiteten Chorstunde stehen. Wieder und
vieder haben mir erwerbslose Sangesbrüder zu meiner
Freude erklärt, daß sie besondere Bildungs- und Unter—
haltungsmaßnahmen, wie sie vom Wohlfahrtsstand—
punkte aus hie und da befürwortet und versucht wer—
den, entschieden ablehnen, daß sie in unserer vom
ibersteigerten Gruppengedanken durchseuchten Zeit keine
zesondere Kaste werden, sondern Volksgenossen
m vollen Sinne des Wortes bleiben
vollen, — ein gesunder Sinn der Anerkennung und
inbedingte Berücksichtigung verdient. Wenn irgend
etwas, dann kann die ideale Gemeinschaftsarbeit, die
edes Chorstudium und jede Chorleistung darstellt, dem
Menschen seelischen Gehalt und das Gefühl inneren
Wirkens und Wachsens in und mit der Gemeinschaft
geben und ihn so vor Kleinmut und Pessimismus be—
vahren. Denn wir haben es in der Musik mit einer
dunst zu tun, die nicht am Zuständlichen, Ruhenden
zaftet, deren Wesentliches vielmehr neben der Un—
nittelbarkeit ihrer Ausdrucksmittel in der Tatsache