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Monatsschrift
Ueber 300 Bereine mit über 30 0o0 Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes 2 F
von Stadtschulrat Dr. h.e. Hans Bongard und Rektor Walther Stein, Saarbrücken. B
Druck und BVerlag der Buch— und Runfloöruckerei Gebr. Hofer A.G. Saarbrücken.
Bölklingen und Leinzig. Bezugspreis Er. 5.— viertelzährlich. Einzelnummer Er. 2. — ⸗
11. Jahrgang
Februar 1032
Die ne un
e Lauage.
as Jahr 1932 wird für einen großen Teil der
O Menschheit, vor allem für uns Deutsche, eine
Zeit inhaltschwerer Fragen und notwen—
digster Entscheidungen sein. Kurz nach Beginn
des nunmehr vergangenen Jahres habe ich in einem
Vortrage u. a. den Gedanken ausgesprochen, unter
vielen besorgniserre⸗
genden Tatsachen er—⸗
schienen mir beson—
ders zwei verhängnis⸗
voll, ja erschütternd:
daß wir erstens nicht
fühlten, wie tief wir
bereits mitten in
einer völlig neuen
Zeit stünden, son—
dern im Grunde mit
all unseren Anschau—
ungen und Gepflo—
genheiten noch in der
Vorkriegszeit weiter⸗
lebten, und daß wir
zweitens unsere Ju—
gend mehr und mehr
ins Abseitsstehen und
in Interesselosigkeit
abgleiten ließen, daß
wir sie, weil die
Dinge leider das
„Maß des Menschen“
geworden seien, zur
Enthaltung von Ar—
beit, Oeffentlichkeit
und Leben verurteil⸗
ten. Niemand wird behaupten, daß wir inzwischen die
Einsicht und die Kraft aufgebracht hätten, diese schweren
Sorgen unter rücksichtsloser Aenderung bzw. Ab—
stoßung der alten, damals richtigen, heute aber, unter
ganz anderen politischen, wirtschaftlichen und kul—
turellen Verhältnissen falschen Voraussetzungen und
Ideen zu bannen und neu zu bauen und zu gestalten.
Die Vogel-Strauß-Politik und der Wunderglaube
unserer Tage wachsen aus derselben Wurzel: dem
mangelnden Mute zum klaren Blick und
zum unbequemen Umlernen. Wer diesen Mut
aufbringt, der weiß, welche Umwälzungen wir bereits
hinter uns haben, und in welchen neuen Tatsachen—
omplexen wir heute unleugbar stehen, der weiß, daß
in und mit ihnen unsere Lage im tiefsten schon ent—
schieden ist, auch wenn wir uns noch länger mit in
die Wolken gerichteten Blicken, mit Phrasen, Wunsch—
bildern und Hoffnungen gegenseitig betören und
einschläßfern. Solange
diese nüchterne und
in ihren Konsequen—
zen drückende Er—
kenntnis nicht Allge—
meingut ist, kann es
einen Wiederaufstieg
nicht geben, weil der
ungeheure Gegen—
satz 3wischen
Denken und Sein,
den wir uns augen—
blicklich leisten, ihn
einfach nicht zuläßt;
solange wachsen auch
alle Zwangsmaßnah—
men, mag man von
ihrer Notwendigkeit
noch so überzeugt
ein und ihre Wir—
kungen noch so hoch
inschätzen, nicht or⸗
Janisch aus der Ge—
amtlage und bleiben
Teilmaßnahmen, blei⸗
ben, musikalisch ge—
sprochen, Nachspiel,
statt Vorspiel zu sein.
Dieser breite, unheilvolle Riß zwischen Denken und
Sein, zwischen Theorie und Praxis, zwischen Worten
und Taten durchdringt augenblicklich alle Gebiete des
zffentlichen und privaten Lebens und ist eine der
dauptursachen für die zahllosen Lähmunas⸗— und
Korruptionserscheinungen.
Wäre z. B. im Deutschen Sängerbunde der Fall
Redlin und wären in Vereinen des Saarsängerbundes
Unterschlagungen möglich gewesen, wenn wir nicht auch
mit unserer Sängerbewegung in diesen Zwiespältig—
teiten stünden? — Hätte die Frage der gemischten
Chöre die ihr im Deutschen Sängerbunde zuteil ge—
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Handschrift aus der Partitur von Erwin Lendvais „Psalm der Befreiung“.