Nr. 10 Mrt
ujllll Saar⸗-Sänger-Bund II—
anlhh Seite 21
DdDer Deutsche parnaß,.
O ie Großstadt Bochum im rheinisch-westfälischen Industrie—
NBgebiet hat nach Entwürfen des Professors Roth,
Darmstadt, jüngst ein Rathaus erstehen lassen, das bezüg—
lich der räumlichen Ausmaße und einer gediegen-einfachen
Inneneinrichtung wenige seinesgleichen findet. Den Musik—
und Sangesfreunden aber wird es von ganz besonderem
Interesse sein, den vorbildlich hergerichteten Stadtverord⸗
neten-Sitzungssaal zu betreten: die ganze Vorderwand füllt
ein Gemälde aus, das von Professor Guhr in Dresden
in lebensfrischen Farben künstlerisch ausgeführt wurde. Eine
Beethoven und Mozart, der zu sagen scheint: „Ueberhaupt
rrt man, wenn man denkt, daß mir meine Kunst leicht
jeworden ist. Niemand hat so viel Mühe auf das Studium
zder Kompositionen verwendet als ich, es gibt nicht leicht
einen berühmten Meister in der Musik, den ich nicht
leißig, oft mehrmals, durchstudiert hätte.“ In Lessings
Nachbarschaft haben sich Haydn, Händel und Bach einge—
richtet, von dem ein Goethe sagt: „Wir verhalten uns im
Brunde doch zu diesem großen Genius wie die Kinder, die
in einem Globus äußerlich herumtasten.“
Der Deutsche Parnaß, Bild im Stadtverordneten⸗Sitzungssaal des Bochumer Rathauses.
solch gigantische Schöpfung stellt aber nicht nur seinem
Meister das allerbeste Zeugnis aus: sie zeugt noch mehr
von dem feinen Kunstverständnis der Stadtverwaltung mit
Oberbürgermeister Dr. Ruer an der Spitze.
Ueberrascht und freudig entzückt steht der Musikfreund
vor einem wirklichen kostbaren Kunsterzeugnis; denn unter
den Künstlern, Forschern, Dichtern und Denkern nehmen
die Meister der Musik eine hervorragende Stellung ein.
Das Ganze, „Der Deutsche Parnaß“ betitelt, frei von
allen politischen und konfessionellen Einengungen, stellt die
Huldigung vor einer Madonna dar, deren linke Hand eine
Lyra schmückt.
Ganz im Vordergrunde der tiefgläubige, große Bruckner,
der auf Richard Wagners Ausspruch: „Nur einen kenne
ich, der an Beethoven heranreicht, und das ist Bruckner“
kniend, mit betender Geste zu antworten scheint: „So wie
ich möchte, kann ich Ihnen nicht danken; wäre eine Orgel
hier, ich würde es Ihnen schon sagen.“ Mit diesem Aus—
spruch will er alles zusammenfassen, was all die Großen,
die huldigend um die Madonna herum gruppiert sind, sagen
wollen. An Bruckner schließt sich das Trio: Brahms,
Schubert und Schumann. Schumanns Züge gleichen denen
Anselm Feuerbachs, den ein Engel aus seiner trüben,
sinnenden Stimmung aufscheucht. Schubert scheint zu
fragen: Kennen sie Lustige Musik? Ich nicht! Im Kreise
der Kant, Schiller, Schopenhauer und Nitsche sitzen Karl
Maria von Weber und Richard Wagner. Letzterer zur
Linken der Madonna. Ihm gegenüber sind bei Goethe:
Dem ganzen gewaltigen Bilde würde man Goethes
Worte aus dessen „Parnaß“ unterlegen können:
„Auf ihr Brüder, ehrt die Lieder!
Sie sind gleich den guten Taten,
Wer kann besser als der Sänger
Dem verirrten Freunde raten!
Wirke gut, so wirkst du länger,
Als es Menschen sonst vermögen.“
In diesem Sinne haben alle Großen gewirkt, die uns
auf diesem Gemälde begegnen. Zosef Pohe
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