Full text : 9.1931-1932 (0009)

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Pfalm der

wefreiung.

Dichtung von
— große Bundesfest des Deutschen Sängerbundes
1932 in Frankfurt a. M. ruft die Sängerschaft
des S.S.B. mit einer überaus bedeutsamen Kund—
gebung auf den Plan. Unser Mitbürger Meister Erwin
Lendvai hat seine hohe Kunst an ein oratoriumartiges
Werk gesetzt, den „Psalm der Befreiung“ für
vierstimmigen Männerchor, Sopransolo und Orchester,
mit dessen Einübung, seit soeben das Werk bei Ernst
Eulenburg in Leipzig* in Druck erschien, eine Reihe
leistungsfähiger Bundesvereine beschäftigt ist. Soll es
doch im kommenden Jahr in Frankfurt ebensowohl ein
Bekenntnis der Saarsängerschaft zur deutschen Schick
salsgemeinschaft wie zur deutschen Kunst bedeuten.
Walther Stein, der in engster Verbindung mit
dem Komponisten den Text in Anlehnung an Worte
der Heiligen Schrift schuf, spiegelt in seinem Gedicht—
werk deutsches Schicksal unserer Tage wieder.
Seine bittere Klage hebt an: „Wir sind arm und
elend, wir verderben. Wir schleppen unsere Tage wie
verschmachtendes Wild .. Die Erschlagenen werden
liegen von einem bis zum andern Ende der Welt..
Dein Licht wirft den Feuerschein verzehrenden Brandes
auf unsere Hütten. Alle Scheunen brechen und brennen.
Alles durstet, hungert und siechet dahin vor diesem
grimmen Zorn. Der Mensch muß immer in Streit
sein auf Erden. Des Menschen Tage sind wie eines
Kärrners. Wie ein Knecht sich sehnt nach dem Schatten,
daß seine Arbeit aus ist. Also haben wir wohl ganze
Monden vergeblich gearbeitet, und elender Nächte sind
uns viel geworden. Was ist der Mensch, daß du ihn
groß achtest? Eine Wolke vergehet und fahret dahin.“
In hoffnungsfroher Bitte wendet sich das Volk in
seiner tiefen Not an den Lenker aller Schicksale: „Herr,
höre uns aus der Höhe! Neige dein Ohr zu den
Armen! Laß den Bogen des Friedens wieder hell
leuchten über aller Welt. Wir mangeln der Kraft,
daß wir mögen beharren. O, daß unsere Bitte ge—
* Psalm der Vefreiung, Dichtung nach Worten der
heiligen Schrift von Walther Stein, für vierstimmigen
Männerchor, Sopransolob und Orchester komponiert von
Erwin Lendvai. Op. 753. Verlag Ernst Eulenburg, Leipzig.
Wir möchten nachdrücklichst auf den soeben erschienenen
Klavierauszug hinweisen, der es ermöglicht, einen
Eindruck von dem Gesamtwerk zu bekommen und der
deshalb sowohl für die am Vortrag beteiligten Chormeister
und musikverständigen Sänger, die der Aufführung mit
Interesse folgen wollen, geradezu unentbehrlich ist. Der
Verlag stellt den Bundesmitgliedern diesen Klavierauszug
für 5M. durch unsere Geschäftsstelle zur Verfügung, und
wir weisen mit lebhaftester Empfehlung auf diese Möglich—
keit hin, zu einem vollen Genuß des gewaltigen Werkes
zu kommen.
Werk ai
erkevon Erwin Lenoͤvai.

Walther Stein.
schähe, und Gott gäbe uns, was wir hoffen! Laß deine
Brunnen fließen und deinen Born gesegnet sein..
Der du den Himmel mit Wolken bedeckst: Tränke das
dürre Land! Tu uns auf des Himmels Fenster und
schütte Segen herab! Denn dein ist das Reich und
die Kraft und die Herrlichkeit.“ Gnadenreich und ver—
öhnlich klingt der Psalm, der Erlösung und Befreiung
rus Not und Banden gewiß, in einen Lobpreis
rus: „Lobet den Herrn, denn er segnet das Volk mit
Frieden. Der Herr läßt das dürre Land wieder fröh—
ich stehen, und es wird blühen wie die Lilien. Er
zjffnet den Blinden die Augen, daß sie schauen sein
Licht. Arme Seele, fürchte dich nicht, sei unverzagt!
Der Herr hat uns eine kleine Zeit der Engel mangeln
assen. Nun krönet Er uns mit Preis und Ehren.
Lobet den Herrn! Lobet Ihn! Denn nun wird hell
der Morgen der Freiheit tagen! Alles, was
D—DDoem hat, lobe den Herrn! Alleluja.
Amen.“
Dieser kurze Ausschnitt aus dem Wortlaut des
)reiteiligen Oratoriums zeigt deutlich, wie hier in
der gewaltigen, herzandringlichen Sprache des Psalters
und der Propheten Menschenschicksal widergespiegelt
st, uralt und doch ewig neu sich wiederholend, unter
illen Sternen und in allen Breiten das gleiche —
Not, Klage, Bitte, Hilfe, Lohn und Dank! Und Erwin
Lendvai hat dieses Menschen- und Völkerschicksal als
vahrhaft Berufener, als ein göttlich Inspirierter, in
einer großen Sprache der Töne und Klänge voll
eichsten inwendigen Verstehens, vokal und instrumental
gestaltet, so daß wir Hörer im Bann des Meisters
tehen, zu Mitträgern der Handlung, zu Mitsingern
verden und mit ihm Klagen der Not, Schreie der
Verzweiflung, Beruhigung des klopfenden Herzens,
Trost in Tränen, kindlich vertrauensvolle Hingabe,
zuversichtliches Bitten und gnädiges Erhören mit—
erleben. In diesen Tagen hat Erwin Lendvai be—
deiligten Chormeistern und Vertretern der Presse in
»inem Vortrag sein Werk erläutert und durch den
Pianisten Emmerich Vidor demonstrieren lassen. So—
hiel kann gewiß schon jetzt gesagt werden, daß dieser
„Psalm der Befreiung“ der Saarsängerschaft in
Frankfurt von nachhaltigstemn Eindruck
werden wird, wenn hier alle Kräfte ziel—
bewußt zusammengefaßt werden, um dem
Werke die würdige Wiedergabe zu geben
auf die es seiner künstlerischen Bedeut—
samkeit nach Anspruch hat!

Op. 17.

Männerchöre ohne Begleitung.
Fünf ernste Gesänge. (H). 1. Vom Menschen. 2. Unser
Retter. 3. Der Liebe Ewiakeit. 4. Friedlicher Abend.
9. Säerspruch.
Neue Dichtung. (Sch). 1. Gethsemanec. 2. Glockenlied.
3. Holephann. 4. Abschied. 5. Siegvater. 6. Brügge.
7 Flammengesana. 8 EFinsiedel. 9 Heintganag. 10. Nm

Ziel. 11. Vision. 12. Mannheit. 13. Anno Domini
1917. 14. Licht muß wieder werden. 15. Abendlied.
16. Einklang. 17. Gleichnis. 18 Nachtgefang. 19. Den
goch! 20. Leben.
Zechs Minnelieder. (S). 1. Hymne aus deutscher Ver—
gangenheit. 2. Mailied. 3. Der Landsknecht. 4. Zur
Weihnacht. 5. FJier und Segen. 6G. Die Flachs—
chwingerin

Op. 19.

DoD. 21.
            
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