Zeite
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nill Saar⸗Sänger⸗Buund I
v. Nr.
Zur Hheiligen Weihnacht.
Bieder nabst du, ewige bebre, tiefgeheimnisvolle Nacht,
BZreitest über Land und Meere leuchtend deine Sternenpracht,
Und ein Lied in Engelstönen schwebt auf deiner Schwinge leis,
Frieden trägt es und Versöhnen auf der Erde weiten Kreis!
Nur steht die Heilige Weihnacht wieder vor
BRunserer Tür! Sie wagt kaum anzuklopfen in
dieser schweren Zeit. Auf allen Herzen in unserm
Volke lasten schwere Sorgen: Schränke ohne Brot,
Kinder ohne Kleid, Ofen ohne Kohlen, Lohn- und
Behaltsabbau in allen Betrieben, und das schlimmste
von allem: die zermürbende Arbeitslosigkeit frißt sich
vie ein giftiger Wurm in alle Schichten und Lebens—
alter hinein, rüstige Hände wackerer Männer feiern,
uand eine Jugend wächst heran ohne Aussicht auf Be—
ruf und Arbeit. Und mit dem immer erschreckender
um sich greifenden Abbau auch der geistigen Güter,
dem Zerbrechen unserer Schulen, der Stillegung der
Theater und Konzerte bedroht die Not unserer Tage
auch die letzten Reserven unseres Volkes, sein in—
vendiges Sein.
In dieser Notzeit müssen wir Sänger doppelt
ebendig unsere Mission erkennen, in unserm Volke
den frohen Glauben an eine bessere Zu—
kunft zu erhalten. Gerade jetzt gilt es, durch unser
died zu bezeugen, daß es noch Werte gibt, die sich
nicht in Zahlen und Prozenten ausrechnen lassen. Daß
wir die Aufgabe haben, diese unveräußerlichen geistigen
Werte: deutsches Lied und deutsche Kunst über traurige
Jahre hinweg in das Morgenrot einer neuen Zeit
hzinüberzuretten. Wir müssen uns zu Eckpfeilern gegen
die brandenden Wogen des Pessimismus machen! Ging
nicht der Stern von Betlehem auch zu einer
Zeit auf, als Finsternis das Erdreich bedeckte und
Dunkel die Völker!
Besinnen wir Sänger uns doch in dieser schweren
Zeit doppelt darauf, daß Weihnachten ein religiöses
Fest ist, dem Kindlein in der Krippe gewidmet, das
aller Welt den Frieden bringen will. Daß der kerzen—
beleuchtete Weihnachtsbaum eigentlich in die Familie
gehört. die so bei Kind und Kindeskind die Erinne—
rung an den heiligen Christ lebendig hält. Der Wirts—
saussaal kommt für eine Weihnachtsfeier nicht in
ßetracht, und Bier und Ball, Verlosungen und
theaterkitsch bedeuten eine Entweihung, deren wir uns
im des Geistes unserer Bewegung willen nicht schuldig
nachen sollten. Ach, und die Lieder, die auf solchen
Vereinsfesten gesungen werden, haben meist mit Weih—
tiachten noch weniger als gar nichts zu tun. Wer sich
recht gewissenhaft prüft, muß zugeben, daß diese
bereinsfeiern beinahe ausnahmslos der Ausdruck einer
»eklagenswerten Kulturlosigkeit sind.
Gegen die Veranstaltung eines Weihnachts—
onzertes lassen sich keine Bedenken geltend machen.
Im Gegenteil bietet sich unsern Männergesangvereinen
uind Gemischten Chören in ihnen einmal die begrüßens—
verte Gelegenheit, geistliche Musik zum Klingen
zu bringen. Es ist aber dringend sorgfältigste Prüfung
des Liedgutes zu fordern. Wir bringen deshalb in
dieser Nummer aus berufener Feder wertvolle An—
regung, auch für das Sololied. Nehmen wir ja unsere
Aufgabe recht ernst: es gilt durch ein solches Konzert
vahre Weihestimmung zu erzeugen! Wahre
Weihestimmung in den Herzen derer, die unter der
zentnerlast von Sorgen müde und matt geworden
ind, die nur das Dunkel der Zeit, aber nicht die
zigantische Größe der Kräfteauseinandersetzung aller
ßölker in der Gegenwart und das Morgenrot einer
esseren Zukunft sehen. Eine Feststunde der An—
acht gilt es zu bereiten, die wirklich den inwendigen
MNenschen erhebt und ihm wie mit goldenem Schlüssel
inmal wieder den Kinderhimmel der Weihnacht auf—
schließt — welch eine Kraftquelle könnte sie be—
deuten für tausend Verzagende in unserm Volke!
Lassen wir zur Heiligen Weihnacht diese
sraftquellen einmal wieder in unsern
Ldiedern ausströmen in unsere Kinder—
stuben, in unsere Familien, in unsere
Bemeinden! Frohe, gesegnete Weihnacht!
Walther Stein.
Inddulcijäubilo.
sreuz und quer durch die
—— gibt eine Unmenge Musik zum Weihnachts—
E fest. Kein andres kirchliches noch weltliches Fest
ist in diesem Sinn so „musikdurchtränkt“ wie gerade
Weihnachten. Aber es gibt auch in keiner Gattung
so viel Schund! Wenn man hört, was bei Weihnachts—
feiern in Vereinen — auch Gesangvereinen — an Ge—
ichmacklosigkeiten geleistet wird, um dieses schöne, an
guter Musik so überreiche Fest zu verwässern, dann
möchte es einem vergebliche Mühe bedünken, auf
Butes hinzuwirken. Erschwerend wirkt es, daß man
sich daran gewöhnt hat, dem Weihnachtsfest eine reich—
lich sentimentale, weichliche, ja süßliche Note zu geben.
Empfindsame Adagios, weinerlich getragene Vortrags—
tücke sucht man hervor und glaubt in ihnen die
wahre Weihnachtsstimmung gefunden zu haben. Und
dagegen ist nicht einmal viel zu sagen, schlimmer sind
Weihnachtschor⸗Literatur.
sene Phantasien über Weihnachtslieder, diese „Weih—
iachtsglocken“ und sonstwie betitelte Schmarren. Kehren
vir doch zurück zu der kraftvoll freudigen
Auffassung des Weihnachtsfestes, wie sie
noch unsere Alten hatten. Es ist ein Fest der Freude,
einer Freude, die nicht gedämpft, säuselnd — möchte
ch sagen — sein muß, sondern kräftig und laut sein
darf. Und nun zur Praxis: Was sollen wir singen?
Welche Weihnachtschöre gibt es für Männer-, dann
iber auch für gemischten Chor? Ich möchte generell
wei Arten von Weihnachtschören unterscheiden: 1. Be—
irbeitung von Weihnachtsvolksliedern, 2. Kunstchöre
zur Weihnacht. Vor letzteren stehe immer und unter
allen Umständen ein Warnungsschild: Vorsicht! Wie
das Volkslied überhaupt die eigentliche Domäne des
Männerchores ist, so erst recht das Volkslied weih—