Full text : 9.1931-1932 (0009)

Nr. 1 IIunenlserperpe:repnsusttrtst Saar-Sänger-Bund sIIIIPrrnnie.:n

enussessi Seite

Erinnern Sie sich nun der dreschenden Bauern. Sie
arbeiten gewöhnlich zu dritt. Es werden also beim Dreschen
immer 3 Schläge zusammengefaßt. 141 l 9 4
4
atso: 12 7.55* 3
Der so entstehende neue Takt hat nicht 4 oder 2 Zähler,
sondern 3. Also 345Takt.
Bisher kennen wir zweiteiligen E/), dreiteiligen (24)
und vierteiligen (/.) Takt. Der Zähler — wir werden
das nächste Mal dafür noch ein anderes Wort kennen
lernen, nämlich Schlag — ist jedesmal eine Viertelnote
wert. Es gibt aber auch Taktarten, in denen wir die
Achtelnoten abzählen, in denen also die Achtelnotée
Zähler ist. Wir erhalten dann als dreiteiligen den »⸗,
Takt, als vierteiligen den 5Takt. Auch die halbe Note
kann die Funktion des Zählers übernehmen. Es entsteht
dann der 2/80 und 8/3-Takt. Eine Uebersicht über diese
Taktarten vermittelt Fig. 2. Der .-Takt wird, wie Sie
sehen, auch durch ein besonderes Zeichen, ein c ausgedrückt
Zwischen 9.- und 2/,-Takt, also zwischen 35 und 2Tak!
ist kein nennenswerter Unterschied. Eine Verschiedenhei
ergibt sich bloß aus dem Tempo und dem Taktieren. Da—
von aber das nächste Mal.
Dr. Gvust Stilz.
NB. Bis jetzt konnte der Stoff noch theoretisch mit Hilfe
dieser Aufsätze allein bewältigt werden. Wenn aber die
Einstellung werden die Sänger nur dann kommen, wenn
sein sollen, brauche ich die Mithilfe der Dirigenten. Es
geht nicht weiter ohne praktische Uebungen, die ich gern
unter Anleitung und Kontrolle der Dirigenten ausgeführt
wissen möchte. Ich mache deshalb folgenden Vorschlag.
In Zukunft sollen diese Aufsätze eine Reihe von Beispielen
aufweisen, die zu Beginn der Proben in etwa 10 Minuten
durchgearbeitet werden können. Es wird den Dirigenten
nicht schwer fallen, an Hand dieser Beispiele, die später
durch Hinweise auf die jedem Sänger zugänglichen Lieder—
blätter des S.S.B. noch ergänzt werden sollen, noch weitere
zu finden, die für die besonderen Verhältnisse zugeschnitten
sind. Was sagen die Sänger, die Dirigenten und Vereine
dazu? Wer äußert besondere Wünsche?

—*

Taktarten
VDierienige Taktarten:
2) *Takt.

—

——
——

—

— —
Taltschläge
Zweiteilige Taktarten:
2. Tatt.

—
7
*
J

*
—
F

——

—

—

Dreiteilige Taktarten:
akt.

. Tabt.

—

I.
5) 4 Takt.
32
—⸗

—*

a —

J—

F
4

7—

—

E

— *— 37 —
—
123
— uv——

Zur Arbeitstftosenfkrage.

In den letzten Wochen bringen die verschiedenen Sänger—
zeitungen kleinere und größere Artikel über die Ar—
beitslosenfrage. Warum? Die Erwerbslosigkeit weiter
Kreise zersetzt nicht nur die wirtschaftlichen Grundlagen
des Volkslebens, sie fügt auch dem Kulturleben die
schwersten Schäden zu. Unter der ungeheuren Vast physi—
scher Not zerbricht der Kulturwille des Volkes. Die
Menschen härmen sich ab und verbittern. Ihr Denken und
Sinnen ist nur dem harten Existenzkampf zugewandt, wäh—
rend sie sich kulturellen, künstlerischen Einflüssen bald ganz
verschließen.
Naturgemäß beeinträchtigt der wirtschaftliche Nieder—
gang das Leben in unsern Gesangvereinen recht empfind—
lich. Große leistungsfähige Vereine schrumpfen bedenklich
zusammen und sind bald nur noch Fragmente ihres ehe—
maligen Bestandes. „Mir ist es nicht uUms Singen!“ —
oder „Ich habe an nichts mehr Freude“ — wie oft be—
gegnen wir solchen und ähnlichen Worten! Und wie sehr
vermögen wir es zu verstehen, daß man mit sorgenschwerem
Herzen nicht singen mag! Was wäre aber damit gebessert,
daß Vereine und auch Bünde ihre Tätigkeit einstellen
müßten? Wäre dann nicht vielen, die unter dem Drucke
schwerster Wirtschaftsnot leiden, die einzige Möglichkeit
genommen, im Kreise guter Sängerkameraden Geist und
Seele über die Schranken wirtschaftlicher Gebundenheit zu

erheben und am Born des Liedes frischen Lebensmut zu
schöpfen! Und die Gerechtigkeit gebietet es, zu sagen, daß
nancher Sangesbruder, der noch nicht dem Heere der
Arbeitslosen ängehört und seine Singstunden nach wie
oor besucht, wirtschaftlich um kein Deutchen besser dran
ist, wie seine arbeitslosen Kameraden. Wer sich aber mit
einer Not verkriecht und sich mit ihr einschließt, vor
eder Gemeinschaft flieht und auch Jar nicht den Versuch
nacht, g innerlich frei zu halten. der wird zum Sklaven
einer Not.

Doch ist die Ursache der Vereinsflucht nicht bhei den
Vereinen selbst zu suchen? Die Stellung des einzelnen
Sängers zu seinem Verein wird bestimmt durch die geistige
und künstlerische Haltung des Vereines. Jeder echte Sänger
vird die Entscheidung über Berechtigung und Notwendig—
keit und Bedeutung des Gesangvereines so fällen, wie er
oon dem Kulturwillen und dem Kulturziel des Vereines
ergriffen und erfüllt ist. Auch in schlimmen Tagen wird
der seinen Verein nicht verlassen, der seine Mitarbeit im
Chor als kulturelle Verpflichtung empfindet. Zu dieser
Einstellunzg werden die Sänger nur dann kommen, wenn
Ziel und Tendenz des Vereins von kultureller und künst—
erischer Werthaftigkeit sind und nicht von gewissen Sonder—
und Eigeninteressen diktiert werden. Starke seelische Bin—
dungen müssen Vereine und Bünde zusammenschweißen
            
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