Full text : 9.1931-1932 (0009)

Zeite 172 Br

Cnuspph Saar⸗Sänger⸗Bund IIII.

VV
Chormeister Regierungsrat Professor Wagner-Schönkirch,
der als „Liedermarschall unter seinem Stabe diese schlag—
fertige, sieggewohnte Sängerschar“ führe. Wir hoffen auf
ein Wiedersehen beim Deutschen Sängerbundesfest in
Frankfurt! Die Wiener Gäste antworteten sichtlich er—
griffen über diesen von Herzen kommenden sestlichen
Empfang mit dem österreichischen Sängerspruch. Im über—
hesetzten Konzertsaal entbot Bundesvorsitzender Stadtschul—
rat Dr. h. c. Bongard Willkommgrüße des Bundes, dankte
für die unvergleichliche Gelegenheit des Lernens und
machte nachdrücklichst darauf aufmerksam, daß es an der
Zeit sei, daß auch die Behörden und die Buchgebildeten sich
endlich zu unsern Männergesangvereinen bekennen, die
mit ihrer volkstümlichen Musikpflege wesentlich seien für
die Bildung wahrer Volksgemeinschaft. Auch hier ant—
vortete Theo Schönbauer in von hohem vaterländischen
Schwung beseelten Worten. Noch am gleichen Abend stieg
in Saarbrücken im Festsaal der Wartburg das erste der
für die Saarmetropole vorgesehenen Konzerte. Der riesige
Saal vermochte die Besucher nicht zu fassen, alle Gänge
varen mit Stehenden besetzt, die froh waren, wenigstens
überhaupt an dem Konzert teilnehmen zu können. Und
bon nun an wiederholte sich in allen Konzerten das gleiche
Spiel, daß die Polizei schließlich die auch mit Stehenden
überbesetzten Säle schließen mußte und dadurch bedauer—
licherweise Hunderte zur Umkehr gezwungen waren. Die
Bundesmitglieder wollen daraus doch für zukünftige Fälle
die Lehre ziehen, sofort ihre Eintrittskarten zu bestellen
und die vom Bundesbüro gesetzten Termine peinlichst
nnezuhalten.
Der folgende Konzerttag führte die Wiener in den sehr
schönen neuen Festsaal nach Brebach, wo ihnen Bürger—
neister Loskant herzliche Willkommgrüße entbot. Bundes—
ichriftführer Stein dankte ihm und der Gemeinde für die
zerständnisvolle Förderung unserer idealen Sache, den
„Wiener Meistersingern“ und namentlich ihrem „Meisterdirigenten“,
 daß sie ihre volkserzieherische Mission so fein
erkennen und nicht nur den Ruhm in großen Städten
suchten, sondern bereitwilligst ihr hohes Lied in den ein—
sachen Landgemeinden und kleinen Bergmannsdörfern zum
Klingen bringen. Gauvorsitzender Oberregierungsrat Bühler
sand begeisternde Worte des Willkomms in dem pracht—
»ollen neuen Karlsbergfestsaal in Homburg, der ebenfalls
veitaus überbesetzt war, weil alles dem Abendkonzert
auschen wollte. In froher Runde fiel nach dem Konzert
zei bescheidenem Mahle noch manches von echter pfälzischer
relt aber auch von warmer Dankbarkeit erfüllte
orte.
Der dritte Konzerttag brachte die Wiener nach Saar⸗
ouis, wo Bürgermeister Dr. Latz den herzlichen Will-—
ommgruß der Bürgerschaft, Gauvorsitzender Rupp den
»er Sängerschaft enfbot, und nach Neuntirchen, wo sich
bürgermeister Dr. Blank und Gauvorsitzender Schulrat
Ir. Steeg bei der liedumrahmten Kundgebung (Gauchor—
neister Rhein) zu Dolmetschern der Begeisterung von Be—
»ölkerung und Sängerschaft machten. Die Feuerwehrkapelle
inter Kapellmeister Schmeer bewährte sich dabei aufs beste.
Den Abschluß der Konzertreise gab ein festlicher Empfang
m Rathaus Saarbrüchen, wo Oberbürgermeister Dr. Neickes
ius dem Geiste tiefster deutscher Kulturverbundenheit Gruß
und Dank aussprach und Vorsitzender Theo Schönbauer be—
geisternd aus der gleichen Gesinnung hergus antwortete,
»in Schülerkonzert und ein künstlerisch wohl als Höhepunkt
zu bezeichnendes Konzert im Städtischen Saalbau. Eine
chlichte Feier im fahnengeschmückten Festsaal des Sänger—
— J 0
»inige frohe Stunden zusammen. In trefflicher Weise
tellte der Saarbrücker Liederkranz unter Bundeschormeister
Bhilipp Stilz mit Chor und Lied den künstlerischen Rahmen
ür die köstlichen Begrüßungsworte des Gauvorsitzenden
Iberregierungsrat Jäckel, für die geistvolle Festrede des
ßundesvorsitzenden Dr. Bongard, der dankerfüllten Er—
viderung des Vorsitzenden Theo Schönbauer und für eine
steihe von Ehrungen, die gewiß dazu angetan sind, das
wischen den Sängern an Donau und Saar geknüpfte
Freundschaftsbündnis dauernd zu erhalten!
Wenn dieser Bericht versucht, mehr die organisatorische
Zeite der Wiener Konzertreise ins Licht zu rücken, so
»arf das Verdienst nicht unerwähnt bleiben, das sich das
ßundesbüro unter Bundesgeschäftsführer Rauchholz um
vose Qusfandekommon dor Ghnaerte und die ponn

Wiener Sänger mit Ehrenmitglied Dr. Bongard vor dem
Rathaus Saarbrücken.

astet. Wirtschaftliche, finanzielle, soziale Probleme häufen
sich. Das Kernproblem ist jedoch, daß der deutsche Mensch
nicht mehr in Ordnung ist. Er scheint von einem Fieber
ergriffen. So ist das deutsche Problem mehr als alles
andere ein ethisches, ja ein religiöfes. Und in diesem Sinne
sehen wir in der Wirksamkeit des Wiener Chores einen
vesentlichen Beitrag zum deutschen inneren Wiederaufbau.
An Gesamt-Deutschland muß sich noch einmal das Wort
des großen Inders bewähren, der gerade jetzt im Dienst
seiner Heimat auf dem Weg nach London ist: Keine Macht
der Erde vermag den Fortschritt eines friedlichen, ent—
schlossenen und güten Volkes aufzuhalten.“ Treffliche Worte
des Dankes und tiefster Verbundenheit sprach guch Vor—
itzender Jost, der dem Meisterdirigenten der Wiener die
Ehrenmitgliedschaft des M.G.V. Liederkranz antrug. Vor—
sitzender Theo Schönbauer bezeugte in seiner begeisternden
Dankrede, daß der festliche Empfang in den Herzen der
Wiener ein nie verklingendes Echo geweckt habe.
Dem ersten Konzert der Wiener im Saargebiet ging
eine herzerhebende Kundgebung auf dem Maͤrktplatz in
St. Ingbert voraus, von klingendem Spiel der wackeren
Bergkapelle unter dem Stabe von Kapellmeister Möbius
und machtvollen Massenchören des Gaues St. Ingbert
anter der Leitung von Chormeister Schneider umrähmt.
Für Stadt, und Bürgerschaft überbrachte Adjunkt Rechtsanwalt
 Rickert warme Grüße und Wünfche. Gauvorsitzender
B. Schunk entbot den „Gästen aus der deutschen Oftmark
hier im Westen des Vaterlandes“ den herzlichsten Willkomm—
gruß der Sängerschaft des Gaues, die glücklich sei, nun auch
einmal den in aller Welt gefeierten Chor bei sich zu Gast zu
ehen. Aufmerksamer und dankbarer Hörer dürfen die Wiener
»ei uns Pfälzern, unter denen das deutsche Lied lebendig ist,
gewiß sein. Besonderen Gruß entbot der Redner dem um—
ichtigen Vorsißgendoen They Schhnhauer und dem geniosen
            
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