Nr. 60
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der Organistenschlacht morgen tu ich mit. — Jetzt bin
ich wieder ganz bei der Sache.“
Wenngleich der feurige Veltliner sein Blut rascher
kreisen ließ, spielte Bruckner von jetzt an mit merklich
gesteigerten Eifer. Die andern steckte er dadurch an, so
daß auf die einfachen Tanzweisen ein Vortragsernst ver—
wvandt wurde, als ob es sich um kunstreiche Quartette
gehandelt hätte. Und so blieb es bis zum späten Ende.
»lIIIPPI Saar⸗Sänger⸗-Bund isue
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einer Seele lag ein königlicher Stolz. Nur die geschnitzten
heiligen aus den Säulen ringsum mochten das gewahren
ind ihm freundlich zulächeln.
Als nun das Werk unter seinen Händen leise zu tönen
egann, da brach ein Leuchten aus seinen Augen, als
väre es der Widerschein von einem heiligen Feuer, das
ief in seinem Herzen branute. Die Gegenwart um ihn
ersank. Aus heißer Seele quoll es hervor und setzte sich
uim in könende Empfindung und seliges Klingen Mit
sßröße und Feinheit behandelte er die gestellten Themata,
rweiterte sie dann in begnadeter Eingebung und kunst—
woller Ausgestaltung, um schließlich in freier Phantasie
ine eigene Welt voll Feierlichleit und Majestät sich auf—
ubauen, daß davon Haupt- und Seitenorgeln in sämt—
ichen Zungen und Pfeifen erdröhnten und ein Glanz und
Fzubel durch den Dom strahlte, wie wenn aus lichtem Ge—
völk Scharen pausbäckiger Englein harfend und zimbelnd
tiederschwebten und von unübersehbaren Himmelschören
»em Herrn aller Dinge ein brausendes Gloria und Halle—
uja gesungen würde ........
Der Schlußakkord war verhallt, als der Organist sich
oieder bewußt wurde, daß er ein Probespiel habe leisten
oollen. Auf der Treppe, die zum Kirchenschiff hinab—
ührte, hielt er einen Augenblick inne.
Wie war das doch alles gekommen? — So traumhaft
oar ihm im Kopfe, gestern Tanz und Kirtag und viel, viel
Veltliner Wein .... ja, richtig, und .... die schöne
danzleiratstochter ......
Da wandte er sich noch einmal um und liebkoste mit
zen zärtlichsten Blicken eines Bräutigams die Orgel, die
»er Gegenstand der wahren Liebe seines Herzens war.
Voll brennender Sehnsucht trank er ihr Bild in sich
sinein. Mit ihren lausend singenden und klingenden
Ztimmen, die alle sich willig seiner Hand fügten und
zie mit ihm klagten und weinten, lachten und jubelten,
rschien sie ihm als die hehrste aller Königinnen, köst—
icher, herrlicher und begehrenswerter als irgend eine
Erdenfrau auf ihrem Königsthron. Solange er atmete,
ollte sie ihm als sein Liebstes und Teuerstes erkoren sein
— und seine Treue um ihre Treue wollte er ihr geloben.
Ein Glück, daß die unten im Kirchenschiff von solcher
Zrautwerbung am heiligen Ort nichts wußten. Würde
ind Steifheit, wie vor zwei Stunden, und enge Hals—
ragen, denen das mächtige Orgelbrausen auch nicht das
leinste Häkchen gesprengt hatte, empfingen ihn hier und
rwiderten äußerst gemessen seine linkische Verbeugung.
dann war er entlassen.
Von den übrigen Helden der Schlacht war längst kein
stockschwanz mehr zu sehen. Aber am folgenden Morgen
sielt er tränenfeuchten Auges einen Brief in der Hand⸗
iuf dessen Rückseite lackrot und glänzend das bischöfliche
Wappen prangte. Und vorn leuchtete es ihm stolz ent⸗
gegen: „An den Domorganisten Herrn Anton Bruckner.
Hugo Strauch, Köln.
Als am nächsten Morgen die zehn Schläge der Stunden⸗
glocke über dem behäbigen, hellen Hauptplatz zu Linz
perhallten, schritt Anton Bruckner, der von Urfahr her
in zweistündigem Marsch durch die erfrischende Frühluft
am Wasser entlang gewandert war, über die Schwelle der
zarocken, Domkirche, und stellte sich dem bereits versam⸗
melten Preisrichterkollegium vor, sein Begehren ehrerbietig
anbringend.
Die strengen Herren, von oben bis unten Zurückhaltung,
Steifheit und Würde, steckten einen Augenblick mit be—
sremdetem Ausdruck die Köpfe zusammen, nahmen aber
daun gebührend Notiz und behändigten dem Prüfling die
Themata. Auch die drei auf der Gegenseite in der Un—
geduld des bevorstehenden Kampfes hin und her trippeln—
den Kandidaten wären nicht sehr erbaut und tauschten
etwas spöttische Blicke, als sich ihnen der unerwartete Wett—
bewerber in den weiten, falienreichen Hosen näherte, der
trotz feines schwarzen Sonntagsrockes und der strahlenden
Atlasschleife vorm Hemdkragen das dahintersteckende Dorf⸗
uingetüm nicht verbergen konnte.
Es ging gleich los, und zwar hübsch der Reihe nach.
Bruckner sollte zuletzt dran kommen. Ihm war das gleich—
gültig. Aber gut. Er ließ sich also in einem der hinteren
Kirchenstühle nieder, streckte die Beine 'von sich und hörte
in Ruhe zu.
Ruͤmmer eins rutschte in die Orgelbank. — Hm, nicht
ibei Aber was der kann, kann ich auch, dachte Bruckner.
Rummer zwei. — Dieser Kühne, wagte das Unerhörte,
zu kritteln und an dem gegebenen Themg herumzunörgeln.
Das fiele mir schon gar nicht ein,“ brummte Anton
oor sich in den Kirchenstuhl.
Nummer drei. — Der suchte sich mit List aus der Affäre
zu ziehen, indem er etwas ganz anderes spielte, als was
zon“ ihm verlangt war. Er war ein Optimist und rechnete
tark mit der Möglichkeit, daß niemand es merkte. Keck
ind kühn zog er die Registerknöpfe, stampfte die Pedale.
Brucner dachte nichts dazu und brummte auch nicht
oor sich hin. Aber er schüttelte den Kopf leise hin und
hder und schielte verlegen zu den gestrengen Herren hinüber.
Während der vom Prüfungskollegium offenbar, sehr
vohlgelittene Kandidat nmoch die letzten handfesten Grifse
in die Tasten vollführte, rasselte es aus trockener Kehle
durch das Kirchenschiff: „Herr Anton Bruckner, Stifts⸗
organist von Sankt Florian!“
Da richtete sich dieser hoch auf und begas sich an die
Orgel. Plump und bäuerlich stampfte er heran. Aber in
11. Auslanoͤsreile des Wiener Cehrer⸗A⸗cappella⸗Chores.
Die deutsche Sprache wurde zu der meinen,
Sie ist mein selbsterworbenes Bürgerrecht.
In ihr allein vermag mein Schmerz zu weinen,
In ihr allein erschallt mein Juͤbel echt,
And alles, was ich denke, fühle, ahne,
In deutschen Klängen kündet's seine Glut,
JFedwedes Lied ein, Schwur zur deutschen Fahne,
Jedwedes Wort ein Tropfen deutsches Blut.
Ho schreibt Bartholomäus von Carneri. Ja, Lieder sind
Verklungen; Worte sind gefallen: deutsche, herrliche
Feder, kernige, treffende Worte. Dr. Bongard und
Walther Stein haben nur wenig geredet, aber das
venige hat gezündet! Hätten doch unsere Sänger im Reich
d Vegeisterung der Saͤarfänger gesehen! Das war innerer
rang!
Ein Bund, der solche Führer hat, muß gedeihen. Ein
Bund, zu dem solche begeisterte Sänger zaͤhlen, wird stets
a Ehren bestehen. Gar köstlich, —, alle Wünsche, die dieser
oder jener Verein an Wagner-Schönkirch stellte, wurden
nach Möglichkeit erfüllt. Im Sacargebiet wird wohl für
fofen kein Raum Jein. Die Sänger dulden sicher
eine erkaltete Technik, noch erstarrte Manieren. Ihnen
ft der Wiener Spruch Leitstern: Deutscher Sinn unsere
dehr', deutscher Geist unsere Wehr. deuisches Lied unfre
Ehr'!
In der Begeisterung zu den Wiener Sängern wurden
die Saarsänger selbst Träger der Begeisterung, und im
Lerein mit den Wiener Lehrern gelang es dann unseren
erehrten Saarsängern „Hochzureißeu aus dem erdrückenden
sleichmaß der Taäge, aus der Erstarrung der Alltags⸗
flichten, aus der Verzagtheit und Not zu fühnem Lebens⸗
ind Tatwillen, zum Ausharren und Ueberwinden, zur
Zefreiung. Däs ist, das Ziel echten Sängertums, be—
onders in der bedrängten Gegenwart, wo es darauf an—
ommt, durch tief aus dem Innern quellende Begeisterung
ie Schwere der Zeit wie harte Schollen auf sich zu
tehmen und ins Meer einer besonderen Kukunft fort—
ureißen!“
Bei der Auslandsreise eines Viener Lehrer⸗A⸗caphella⸗
Fhores muß auch die kulturelle Bedeutung dieser Fahrten
exvorgehoben werden; Fahrten, die alles andere sind als
dgenannte Veranüdgungastouren. Also darf man auch in