Nr. 8 IIuissssrzufsssisstsssssssssss Saar⸗Sänger⸗Bund IIIIIIIPPPPVPPspsen —runsppphihhh Seite 165
lichen auf Nord- und Mitteldeutschland (Weber, iüberragende Stellung gebrochen. In Berlin, Leipzig,
Mendelssohn, Schumann). In Wien aber gebar sie Ddresden, München entsteht ihr scharfe Konkurrenz.
abseits von allen Pflegestätten höherer Kunst, in- 3war verleugnet sich Wiens Beweglichkeit und Lebens—
mitten der Primitivität der Wiener Konzertgärten, aus ville in musikalischen Dingen keineswegs. Hugo Wolf,
dem Milieu banaler Pratermusik, aus der Fülle volks- der Wagner des Liedes, Gustav Mahler, Richard
tümlichen Wiener Lebens heraus, eine Kostbarkeit, Strauß fanden in Wien eine zweite Heimat, ja der
jenes unsterbliche Gebilde, das Wien in allen deutschen Führer der Jüngsten, der Vertreter der Altonalität,
Gauen und darüber hinaus populär gemacht hat, den Arnold Schönberg, hat sich dort niedergelassen.
Wiener Walzer der Lanner und Strauß (Sohn und Harte Not, Krieg, Revolution mögen Wien viel
Vater Johann, Oskar). Besonders der Walzerdynastie bon seiner Kraft genommen haben. Zeiten wirtschaft—
der Strauße floß schier unerschöpflich der Born volks- ichen Niedergangs sind auch für die Kunst nicht er—
tümlicher Musik, und sie haben generationenlang in jiebig. Trotzdem steht auch heute noch Wiens musika—
herzerfrischender Frische ein dafür dankbares Volk mit isches Leben auf hoher Stufe. Opernhaus, Konzert-—
Musik versorgt. »ereinigungen, von denen wir ja erst kürzlich hier eine
Mit Brahms und Bruckner zog der Musiker von chlagende Probe im Wiener Lehrer-A-cappella-Chor be—
Rang wieder in Wien ein. Es erstand eine neue durch ommen haben, brauchen sich vor der traditionsgehei—
die Romantik um neue Ausdrucksmöglichkeiten und igten Vergangenheit nicht zu schämen. Ein Volk voll
neue Inhalte bereicherte Klassik. Die Sinfonie, die achendem, überschäumendem Lebenswillen, ein sing—
Form der Klassik, feierte Triumphe. War es der ind musizierfreudiges Volk und eine musikalisch höchst
Begensatz zu seinem Wesen, der den herben Nord- nteressierte Oberschicht haben Wien zu dem gemacht,
deutschen Brahms nach Wien zog? Bewahrheitete sich vas es ist. Sind auch die Glanzzeiten dahin, der
also die alte Weisheit, daß sich Gegensätze berühren? chöpferische Drang der Wiener scheint noch nicht er—
Bei Bruckner, dem Oesterreicher, ist es verständlicher. oschen, und noch wird wohl das letzte Urteil nicht
Noch einmal flammte mit Brahms und Bruckner zesprochen sein über „Wien als Musikstadt“.
Wiens Stern strahlend auf. Mit beider Tod ist Wiens Dr. Ernst Stilz.
Ein R leucht — b
in Kronleuchter fä herab.
Is ist bekannt, daß Josef Haydn dreißig Jahre lang Dieser göttliche Meister leide an Polypen, er näsele un—
E erster Kapellmeister am Hoͤfe des ungarischen Fürsten nerklich beim Sprechen und sein langes aristokratisches
Esterhazy war und daß er in der Stille und Ländlichkeit zesicht sei durch Pockennarben entstellt. So erzählte man
dieses musikliebenden Hofes am Neusiedler See zu Eisen- ich reihum, um ihn noch seltsamer zu machen. Und unge—
stadt an seinem Ruhme zu formen begann, dessen Früchte duldig erwartete man das Ende der, Pause..
er noch zu seinen Lebzeiten genießen durfte. Mit dem Als Haydn wieder erschien, begleitete ihn minuten—
Tode des Fürsten wurde der Meister frei, der junge Fürst anger Beifall. Zitternd seßte er sich an das Pianoforte.
iöste die Kapelle auf, beließ ihm zwar den Kapellmesster- Das Orchester schwieg. Der Meister spielte allein. Eine
itel und bewilligte ihm zu der von seinem Vater ausge—
etzten Pension von 1000 Gulden weitere 400.
Haydn, der nun unabhängig geworden war, verkaufte
sein Haus und zog nach Wien Hier traf es sich, daß er
mit dem englischen Geiger und Konzertleiter, Salomon in
Berührung kam, der ihn für die Professionalkonzerte in
dondon verpflichtete. An 15. Dezember 1790 fuhr Haydn
aach England ab. Ueberall umjubelt und gefeiert, be—
zgünstigt von dem Adel, auf dessen Landsitzen er den
Zomnmnier verbrachte, betrat er dieses Land und verließ es
tach fast zwei Jahren wieder in dem beseligenden Ge—
ühle, mit seiner „durch unermeßliche Gnade“ von Gott
eceen Kunst ihm und den Menschen gedient zu
aben ....
Die Säle waren zum Brechen voll. Die Leute wagten
aum zu atmen, wenn er am Fortepiano sitzend dirigierte.
Das war Haydnu? Dies schwächliche Männchen vorn auf
der Estrade, der steif und gerade unter den Musikern saß
und nur mitunter den Kopf oder die Schulter oder die
Arme bewegte? — Die Zeitungen standen voll von seinem
Ruhme, die Universtität Oxford hatte ihn zum Ehrendoktor
ernannt und dem Prinzen von Wales, der ihn hatte
malen lassen, war er gut Freund.
Totenstille vom Parterre bis hoch hinauf unter die Decke.
Bis hinauf zu den letzten Köpfen, die, vom Lichte der
schweren Kronleuchter beschienen, wie kleine Kugeln über
dem Rande der Brüstung standen. Leise schwollen die
Töne heran, fielen wie klingende, metallene Tropfen her—
ab. Das Favorit-Adagio in D-Dur. Alle horchten auf
und verfielen nach und nach in süße Traurigkeit. Manchen
saßen die Tränen in den Augenwinkeln, andere lächelten
zerührt, lächelten und beugten sich andächtig vor. Und
diele spürten kalte Schauder über den Rücken und schlossen
die Augen. Den jungen Menschen wühlte er das hun—
zernde Herz auf und den Frauen bewegte er das Blut...
Beifall rauschte durch den Saal.
Haydn erhob sich, verneigte sich und lächelte. Klein
manß zr. — fFurze Beine. — MWas saagte man noch? —
Josßerf Habudn.