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Monatftsschrift 9—
Ueber 300 Vereine mit über 3Z0 ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes —
—— von Stadtichulrat Dr. h. e. Hans Bongard und Rektor Waliher Stein, Saarbrücken.
— druch und Berzas der Buch— und Runftörucherei Bebr. Hoter A. G. Saarbrücken 7 *
— Bollklingen und Teinzig. Bezugspreis Er. 5.-2 vierteliahrlich. Einzelnummer Er. 2. —
Ar Oktober 1031 11. Jahrgang
Zur 1J d i
ur Lage der Männergesangvereine.
Das deutsche Musikleben steht in diesem Herbst vor deute schwebt über jedem Konzert die bange Frage
Eeiner schwerwiegenden Frage: „Wie soll die begin- Wie groß wird der Verlust sein?“ An einen Ge—
nende Wintersaison durchgeführt werden? Wie ist vinn wagt überhaupt schon niemand mehr zu denken.
es möglich, trotz der Not der Zeit die bisherigen Kon— Größte Beschränkung im öffentlichen
zerte und Aufführungen, wenn auch in bescheidenem Auftreten ist daher die bedauerliche, aber logische
Rahmen, durchzuführen bzw. fortzusetzen? Diese Sorge Folge der augenblicklichen Zustände. Viele Vereine ver—
bedrückt Theater- und Konzertunternehmer, nicht zuletzt sichten in diesem Jahre überhaupt auf ein Konzert.
auch unsere Gesangvereine, die schließlich einen kleinen, diegt darin nicht der Untergang der ganzen Bewegung,
aber immerhin bisher lebenskräftigen Zweig des Musik- die allmählich absterben muß? Auf den ersten Blick hin
lebens ausmachen. Die Theater sind dazu übergegangen, önnte man tatsächlich die Folgerung ziehen. Die Ge—
die Gagen ihrer Schauspieler und Sänger rabiat zu kür- ahr des Untergangs rückt zweifellos bei den Vereinen
zen und glauben, damit einen Ausgleich ihres Etats ge- n bedrohliche Nähe, die einzig und allein ihren Zweck
funden zu haben (was, nebenbei bemerkt, ein Trugschluß n der Abhaltung von Konzerten sehen und keine
ist), die Konzertunternehmungen, seien sie nun privater inderen Ziele haben, als mit einer möglichst guten
oder öffentlicher Natur, haben ihr Winterprogramm auf deistung vor das Publikum zu treten.
ein Minimum zusammengeschränkt und suchen mit allen Bedeutend leichter wird jenen Vereinen die Bekämp—
möglichen Mitteln dergegenseitigen Unterstützung desAus- ung der Krise, die zwar auch gelegentlich mit Konzerten
tausches, der Kollektivwirtschaft sich über Wasser zu halten. jervortreten, die aber ihr Hauptziel im Singen selbst
Das alles sind keine Auswege aus der Not, sondern ehen, für die die wöchentliche Zusammenkunft Selbst—
mühsame Versuche, den Augenblick zu überwinden, Ver- weck ist, die singen zu ihrer eigenen Freude und Er—
suche, die optimistische Hoffnung auf eine bessere Zukunft sebung. So sehr auch eine allzu betonte Auffassung
geboren hat. Alle diese künstlichen Brücken, die die Ktise vm „Selbstzweck der Singstunde“ abzulehnen
überwinden sollen, kommen für die Männerchöre kaum st, da sie dem Ziele der Verbreitung des Liedes nicht
in Frage. Die Struktur der Männergesangvereine ist lerecht wird, so wenig kann man dem Standpunkte des
eine andere, eine eigene, die nicht mit Orchester oder Konzertes um jeden Preis“ folgen. Ist denn tatsäch—
Theater verglichen werden kann. Eins ist ihnen allen ich mit der Unmöglichkeit, ein Konzert zu veranstalten,
gemeinsam. Sie kämpfen um ihre Existenz, auch sie bem Chorsänger jeder Reiz zu singen genommen? Das
drohen, von der Zeitlage erdrückt zu werden. Die väre bedauerlich und nicht im Sinne der Bestrebungen
Vereine sind im Grunde genommen noch schlimmer ge- bdes Deutschen Sängerbundes. Ein gesunder Mitte weg
troffen als die anderen Kunstinstitute. Hier hilft keine st auch hier der beste. Es gilt, in erster Linie das dienst—
öffentliche Hand in einem Maße, das etwa mit der Sub- dar zu machen, was geeignet ist, die Lage des Vereins
vention der Theater und Orchester zu vergleichen wäre. zu bessern. Dazu gehört die Unterstützung seitens der
Der Verein ist, von verschwindend geringen Aus- Behörden und vor allen Dingen die Schaffung eines
nahmen abgesehen, auf sich selbst gestellt und muß seinen LChorkörpers, der durch seine Größe und Stärke die Ge—
Etat aus den Beiträgen der Mitglieder finanzieren. vähr zu einer Arbeit in der Singstunde gibt, die wirk—
Diese aber sind heute auch nicht mehr in der Lage, er- ich erhebend und fördernd wirkt. Mit anderen Worten:
hebliche Beiträge für diesen Zweck aufzubringen. Die Nan suche den Zusammenschluß von meh—
Arbeitslosigkeit hat manche Lücke gerissen und droht, ꝛeren kleinen Vereinen zu fördern, der finan—
Vereine in besonders gefährdeten Gegenden zur Auf- ziell und künstlerisch sich in höhem Maße auswirkt. Ueber
lösung zu bringen. Vereine mit 5000 Erwerbslosen sind dieses Thema ist schon allzuviel geschrieben worden.
keine Seltenheit mehr. Das hat zur Folge, daß automa- Hteist sind es „vereinstechnische“ Schwierigkeiten von
tisch alle Ausgaben auf das äußerste abgedrosselt sind. jeradezu beschämend nichtiger Bedeutung, die ein Zu—
Kaum, daß der Chormeister bezahlt werden kann, wenn ammengehen vereiteln, trotzdem die Vereine meist selbst
nicht gar das Amt von einem Nichtberufsmusiker ohne jenau wissen, welche Vorteile sich ihnen beim Zu—
Entgelt ausgeübt wird. Beschaffung neuer Noten wird ammenschluß bieten. Möge unsere Notzeit dazu bei—
trotz Entgegenkommen der Verleger und Sortimenter ragen, auch hier klärend und vertiefend zu wirken.
erschwert, da die nötigen Mittel fehlen. Wo sind die Dann kann die schwierige Lage, in der sich die Männer—
Zeiten hin, da ein Verein im Jahre drei oder vier jJesangvereine zum größten Teile befinden, in den weit—
Fonzerte vor ausverkauftem Hause veranstalten köonnte? 4aus meisten Fällen gemeistert werden E. FJ